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Übersicht > Internet > Sprache im Internet
Vorteile: Vorteile gab es in der Steinzeit des Internet.
| Nachteile: Heute überflüssig und eher kommunikationsbehindernd.
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| Wenn die Smilies Trauer tragen |
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ungenügend
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Smilies, Emoticons und Akronyme - Unsitte oder Kommunikationserleichterung? Historische und linguistische Hintergründe über Zeichensprache im Internet.
GESCHICHTE:
Lange bevor es das Internet gab, so wie wir es heute kennen, wurden die ersten SMILIES und AKRONYME bereits in wissenschaftlichen und militärischen Computernetzen verwendet. Es ranken sich unzählige wilde Geschichten und sogar Verschwörungstheorien um die Entstehung der ersten SMILIES (oder SMILEYS) und AKRONYME (Abkürzungen), die einem James-Bond-Film alle Ehre machten. In den 80er Jahren wurde mitunter fälschlicherweise gemutmaßt, der KGB habe seine Finger mit im Spiel gehabt, ja habe gar auf dem Wege der SMILIES und AKRONYME Spionagebotschaften weitergeleitet.
Tatsache ist:
Ein Amerikaner namens SCOTT E. FAHLMAN hat SMILIES im Jahre 1981 als erster in Nachrichten in einem amerikanischen Mailbox-System (CMU) benutzt und zur weiteren Verwendung vorgeschlagen. FAHLMAN hatte zwei maßgebliche Gründe, weshalb er die Einführung von Smilies für erforderlich hielt - einen semantischen und einen übertragungstechnischen.
1.) Es existierte damals keine Möglichkeit, ernsthafte und nicht ernst gemeinte Äußerungen zu kennzeichnen, was zu zahlreichen Missverständnissen führte.
Wenn mich im Realen Leben (RL) mein Nachbar fragt:
"Weiß Deine Frau eigentlich , was Du da in myOpinion treibst?",
so kann ich an seiner Stimmlage, seiner Intonation, seinem Timbre, seinem Gesichtsausdruck, seiner Mimik, seiner Körpersprache sowie seiner gesamten Körperhaltung und seinem proxemischen Gebaren erkennen, ob er diese Äußerung ironisch meint, mir seine Schadenfreude demonstrieren will, Besorgnis über den Zustand meiner Ehe äußert, mir gar droht oder einfach nur neugierig ist.
Ganz anders im Internet. Der nackte Satz, so wie er oben geschrieben steht, lässt all diese möglichen und implizierten Bedeutungsebenen aufs Mehrdeutigste nebeneinander bestehen. Wer sich als User dessen nicht bewusst ist, bekommt so manche Äußerung in den falschen Hals, gerade so, wie er sie eben (miss-) verstanden haben WILL. Schon haben wir den Salat. Missverständnisse im Internet sind vorprogrammiert.
Als Abhilfe schlug FAHLMAN seinerzeit Metasymbole vor, nämlich Bildzeichen (Icons), die er glyphs (abgeleitet von hieroglyphs = Hieroglyphen) nannte. Sein Basisrepertoire zur Kennzeichnung ambiger Äußerungen beschränkte sich ursprünglich auf zwei Ur-Smilies, nämlich:
:-)
Lächeln, etwas spaßig meinen. Kann die fröhliche Grundstimmung des Schreibers andeuten. Kann mit einer beliebigen Anzahl von Klammern den Grad der Begeisterung ausdrücken, also zum Beispiel
:-))))))))
:-(
Der Schreiber mochte die letzte Bemerkung nicht, ist bekümmert oder deprimiert. Kann mit einer beliebigen Anzahl von Klammern den Grad der Besorgnis ausdrücken, also zum Beispiel
:-((((((
Die Smilie-Ursprungsnachricht von SCOTT E. FAHLMAN ist zwar verschollen, doch unter
http://www.newbie.net/JumpStations/SmileyFAQ/Fahlman.html
ist eine Statement von ihm als Verursacher und Urheber darüber nachzulesen. Heute arbeitet FAHLMAN als Computerwissenschaftler an der CARNEGIE MELLON UNIVERSITY, und ist über die von ihm nichts-ahnend ausgelöste SMILIE-VERMEHRUNG eher besorgt, also :-(((
Seine Idee hatte sich rasant über die ganze Welt verbreitet. Alsbald gesellten sich die ersten Smilies-Erweiterungen zu dem noch beschränkten Zwei-Zeichen-Basis-Lexikon hinzu:
;-)
Zwinkerndes Smilie. Der Schreiber hat soeben eine kokette, ironische, nicht ganz ernst gemeinte und/oder sarkastische Bemerkung gemacht.
:-D
Lachendes Smilie, Smilie redet zu viel oder lacht Dich aus.
:-[
Verdrossenes oder schmollendes Smilie.
:-O
Benutzer gähnt oder schnarcht, oder hat sich gerade heftig erschrocken, oder er flüstert: "Psssst, leise sein!"
:/)
Das ist nicht komisch. Soll das etwa ein Gag sein?
Weiß nicht recht, ob ich darüber lachen kann.
Das heutige SMILIE-Lexikon ist hiermit bei weitem noch nicht erschöpft. Doch bereits an dieser Stelle dürfte klar geworden sein, dass SMILIES ihrerseits ambig und daher streng genommen lexikalisch mehrdeutig sind. Zu viele "oder" -Bedeutungen verwässern die inzwischen ursprünglich um Eindeutigkeit bemühte SMILIES-FUNKTION. Hierdurch wird die Gefahr von potentiellen Missverständnissen sogar noch potenziert.
Die ersten Kritiker ließen nicht lange auf sich warten, doch waren sie wegen etwas ganz anderem schnell zur Stelle. Sie befürchteten eine einseitige Verkrampfung der Nackenmuskulatur, musste man den Kopf doch jeweils um 90 Grad nach links neigen, um die Smilies angemessen lesen zu können. Australische Computerfreaks sorgten sogleich für Abhilfe, indem sie (-: und )-: vorschlugen und selbige in ihre Mails zum chiropraktischen Nutzen der Menschheit einbrachten.
Heute gibt es bereits über zweitausendneunhundert (2900) AKRONYME und SMILIES, inzwischen auch EMOTICONS genannt, und täglich werden es mehr.
2.) Als SCOTT E. FAHLMAN die Idee zur Einführung von SMILIES hatte, arbeitete man mit langsamen Computern (C64, Atari XL) und Akustik-Koppler-Modemverbindungen mit geringen Übertragungsraten und extrem niedrigem Datendurchsatz. Man war förmlich gezwungen, sich so kurz zu fassen wie nur irgendwie möglich. Bestimmte AKRONYME etablierten sich speziell für den Computergebrauch. INTERNET-AKRONYME (Abkürzungen von englischen Redewendungen), die oft in spitze Klammern, sogenannte Emotion Tags (in myOpinion leider NICHT darstellbar) gesetzt werden, haben ähnliche Funktion wie Smilies, nämlich, die möglichst kurzgefasste Übermittlung von Gefühlen und Statements. Da die Abkürzungen durchwegs der englischen Sprache entstammen, sind außerhalb von Chatrooms nicht allzu viele bei uns gebräuchlich. Allgemein in Mails genutzt werden jedoch "cu" für "see you", "l" für "laugh", "g" für "grin", "s" für "smile". Ein "lol" anstelle von "laughing out loud" brachte bereits eine Ersparnis von 14 Byte. "AFAIK" = "As Far As I Know" = "soweit ich weiß" gab es noch eine weitere Zeichensprachenentwicklung, HAKSPEK genannt, auf die ich aber an dieser Stelle nicht näher eingehen möchte, da sie dieselbe bytesparende Grundidee zum Ausgangspunkt hatte. Rein pragmatische Technikgründe sowie ökonomische Notwendigkeiten begünstigten also die ursprüngliche Entstehung von SMILIES, AKRONYMEN und HAKSPEK.
Ein eher sozio-psychologischer Umstand war für die rasante VERBREITUNG und ERWEITERUNG der FAHLMANNschen SMILIES verantwortlich. Die Jungs, die in den frühen 80er Jahren in amerikanischen Hinterhofgaragen als eingeschworene Computerfreaks (man nannte sich "Netheads") löteten und programmierten, wollten ihrem solipzistischen Spezialistentum auch einen sprachlichen Ausdruck verleihen. Ja, Sprache kann ein Schein-Zugehörigkeits-Bedürfnis befriedigen, kann ein Pseudogemeinschaftsgefühl stimulieren und bedienen. Diesen Boys kam FAHLMANS Vorschlag gerade recht, erlaubten ihnen die SMILIES doch so etwas wie eine GEHEIMSPRACHE, einen SZENE-SLANG oder GRUPPEN-JARGON zu etablieren, und sich damit von der uncomputerisierten Restwelt, also durchaus auch arrogant gemeint, abzuheben.
PERSÖNLICHE MEINUNG:
Was ursprünglich aus Gründen der effizienten Datenübermittlung durchaus sinnvoll gewesen sein mag, erübrigt sich in Zeiten immer schneller werdender Modem-, ISDN- und ADSL-Verbindungen. Wir müssen heutzutage nicht mehr an Bits und Bytes sparen, um miteinander effizient kommunizieren zu können. Datenökonomische Kriterien können deshalb heutzutage nicht mehr als überzeugender Grund für die Benutzung von SMILIES und AKRONYMEN angeführt werden.
Die Liste der SMILIES und AKRONYME, das Repertoire, das Lexikon, ist inzwischen zu umfangreich geworden, als dass es irgendein Computerbenutzer wirklich internalisieren und beherrschen könnte. Für den Computeralltag ist das ständige Nachschlagen (merken kann sich die vielen Zeichen und Variationen sowieso niemand mehr) viel zu zeitaufwendig geworden. Was ursprünglich als Kommunikationserleichterung gedacht war, ist heute ins Gegenteil umgeschlagen. Kommunikationserschwernis ist die Folge. Damit ist die Gefahr von Missverständnissen durch den Gebrauch von SMILIES und AKRONYMEN erneut und nun erst recht wieder angestiegen, wo doch ursprünglich Abhilfe geschaffen werden sollte.
HIWTH.
Nein, lieber Leser, Du brauchst nicht nachzuschlagen, was das heißt. Es ist heutzutage schneller und effizienter, wenn ich Dir meinen Gedanken gleich verbalsprachlich vermittle. Es heißt:
Hate It When That Happens = Ich hasse es, wenn das passiert.
Winke Winke - Der Turmbau zu Babel grüßt das Internet.
':-)
Ist das jetzt ein SMILIE mit rasierter Augenbraue, oder ist die Tastatur des Urhebers defekt? Ich will mich als Computernutzer nicht auf derartiges Rätselraten und zeitverschwendende Lexikon-Suche einlassen, lenken mich die metasprachlichen Zeichen zudem auch noch vom tatsächlichen Inhalt einer Mitteilung ab und reißen mich aus dem Lesefluss. Inzwischen gibt es unzählige Homepages, die dem User Duden-artige Übersetzungshilfe bei SMILEY- und ACRONYMUNSICHERHEIT bieten, doch sorry Folks, das ist mir, gelinde gesagt, zu umständlich.
RMDBRAGL
Rutsch Mir Den Buckel Runter And Get Lost.
Es gibt nichts, was sich nicht in unserer jeweiligen Muttersprache eineindeutig ausdrücken lässt. Weshalb sie dann nicht auch im Internet benutzen? Vielmehr drängt sich mir der Verdacht auf, dass die Viel-Benutzer von SMILIES und AKRONYMEN ein eher klägliches Verhältnis zur Verbalsprache haben. Die SMILIES und AKRONYME werden dort zur SPRACH-PROTHESE, wo die verbale Kompetenz versagt. Hinzu kommt: Der metasprachliche Gebrauch von SMILIES kann keine Gedankeninhalte klären, die nicht schon in der darunterliegenden verbalsprachlichen Ebene vorhanden sind. Oder anders ausgedrückt: Eine "wahre Ironie", beispielsweise, kommt NICHT dadurch zustande, dass man einem x-beliebigen Satz ein ;-) oder "fg" (frech grins) anhängt. Eine "wahre Ironie" ist vielmehr eine verbalsprachliche Leistung und keine metasprachliche Attribuisierung.
SMILIES und AKRONYME ersetzen keine Verbalsprache. Sie attribuisieren diese bestenfalls, und das auch noch mehrdeutig. Doch wer bereits verbalsprachlich nichts zu sagen hat, tut dieses auch nicht durch die Verwendung von attribuisierenden Metazeichen. Anstatt SMILIES und AKRONYME zu büffeln, tut man besser daran, seine muttersprachliche Performanz und Kompetenz zu schulen.
Heutzutage kann den SMILIES und AKRONYMEN aus meiner Sicht der Dinge nur noch eine gewisse SLANG- und/oder JARGONFUNKTION zugebilligt werden. Wie jeder SLANG und/oder JARGON, werden diese nur von einer spezifischen Sozial-Gruppierung verstanden. SMILIES- und AKRONYMKENNTNIS können nicht mit derselben Selbstverständlichkeit allgemein vorausgesetzt und angenommen werden, wie ein verbalsprachlicher Grundwortschatz. Ihr Benutzer weiß das, oder sollte dies zumindest wissen. Somit signalisiert er aber, egal ob bewusst oder unbewusst, allen Nicht-Angehörigen seiner Spezial-Gruppierung, dass er von ihnen nicht verstanden werden will. Er möchte, so er sich auf einer öffentlichen Meinungsplattform bewegt, demonstrativ nicht von ANDEREN als den SEINEN verstanden werden. Das, und nur das, teilt er wirklich mit und gibt er von sich zu verstehen, wenn er SMILIES und AKRONYME benutzt. Ob er sich darüber hinausgehend gegenüber seinen eigentlichen Adressaten, den anderen SMILIE- und AKRONYMBENUTZERN, unmissverständlich ausgedrückt hat, wage ich zu bezweifeln.
FAZIT:
Je länger ich mich mit der Semantik, Syntax und Pragmatik von SMILIES und AKRONYMEN beschäftigte, desto klarer ist jetzt meine persönliche Einstellung und Grundhaltung zu ihrer Verwendung: Einige BASIS-SMILIES, auch die von FAHLMAN, lasse ich mir gerade noch gefallen, versuche ich jedoch so gut wie möglich auf sie zu verzichten. Die vier Grundsmilies halte ich gerade noch für konsensfähig und sie sind auch hinreichend weit verbreite und damit noch verständlich. Aber alles, was darüber hinausgeht, halte ich für eher kommunikationsbehindernd als wirklich fördernd. Ich ziehe es vor, mich in meiner Muttersprache eineindeutig zu artikulieren. Folglich brauche ich weder SMILIES noch AKRONYME. Ansonsten lehne ich sie aus dreierlei Gründen rundum ab.
1.) Aus Datenökonomischen Gründen besteht heutzutage keinerlei Anlass mehr, sie zu verwenden.
2.) SMILIES und AKRONYME sind ihrerseits mehrdeutig und ambig. Damit klären sie nicht die zu attribuisierenden Verbalsätze, sondern geben im Gegenteil erst recht Anlass zu Missverständnissen. Die vorhandenen Lexika sind zu unübersichtlich, als dass man "schnell mal nachschauen kann". Ihr lexikalischer Bestand ist willkürlich und beliebig. Dies liegt in erster Linie daran, dass SMILIES keine alphabet-ähnliche Strukturierbarkeit aufweisen.
3.) Der Gebrauch von SMILIES und die Verwendung von AKRONYMEN verleitet dazu, die Verbalsprache zu vernachlässigen. Die Gefahr, dass wir unsere Gedanken in Sprachform zunehmend schlampiger ausdrücken, nimmt zu.
Es gibt heutzutage keine Notwendigkeit mehr, SMILIES und AKRONYME zu verwenden, im Gegenteil, sie bergen sogar ein gewisses Verwirrungspotential. In ihrer geballten Substanzlosigkeit sind sie so überflüssig wie ein Kropf. Ich nehme hiermit ein für alle Mal Abschied von dieser Form der Sprachverstümmelung und schließe mit drei selbstgebastelten Akronymen, wie einer, der genüsslich seine letzte Zigarette dreht, bevor er das Rauchen aufgibt:
GROTABOSAA
Get Rid Of That Annoying Bullshit Of Smileys And Acronyms.
SYITCS
See You In The Commentary Section.
FMADSZDT
Freue Mich Auf Deinen Senf Zu Diesem Thema.
Geschrieben am: 07. Sep 2001, 12:36 von: RudiRe
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