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Übersicht > City-Guide > Ausland > Sarajevo

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
multikulturelle Bevölkerung, man findet alle Glaubensrichtungen friedlich nebeneinander lebend;

Nachteile:
die Lebensumstände entsprechen (noch) nicht unserem gewohnten Standart;




WAHNSINN!! .... und die ganze Welt sah zu!
Bericht wurde 1375 mal gelesen Produktbewertung:  gut
Bericht wurde 1 mal kommentiert Berichtbewertung: 


Bosnien-Herzegowina, das Land der vielen Tausend Flüchtlinge, ehemaliges Schlachtfeld inmitten eines zivilisierten Europas ... und seine Hauptstadt:

SARAJEVO

Glückliche und fröhliche Menschen bevölkern die Stadt. Es ist Winter und im nahegelegenen Olympiastadion trifft sich gerade die Jugend der Welt. Wir schreiben das Jahr 1984. Die Zeit der Winterolympiade und Sarajevo ist Ausrichter, besser gesagt, der Vielvölkerstaat Yugoslawien empfängt die besten Wintersportler aus aller Welt. Sportbegeisterte Augen überall auf diesem Planeten blicken nach Sarajevo und heute noch hab ich den markanten Ruf des Sängers im Ohr, der zum Beginn jeder Fernsehübertragung in jeden Winkel dieser Erde rief: SARAJEVOOOOOOOOOOO!

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1 9 9 2

genauer gesagt, der 5. April 1992:

Ab diesem Tag sollte es niemals mehr so sein, wie zu Zeiten der olympischen Winterspiele. Kein Lachen und auch keine Siegesfeiern unter den olympischen Ringen.
Nein ...Tod und Zerstörung sollte ab diesem Tag die Stadt für lange Zeit heimsuchen.
Am 5. April 1992 wurde Sarajevo, die Hauptstadt der Republik von Bosnien und Herzegowina von Aggressoren übelster Sorte angegriffen.

Die Stadt, die im Tal des Miljacka-Flusses liegt, wird von Bergen umgeben, auf denen die yugoslawische nationale Armee Stellung bezogen hatte.
Die Armee, von lokalen Terroristen unterstützt, umschloss die Stadt und begann, den Ring um etwa 500.000 Bürger immer fester zuzuziehen.

Die Rohre von 260 Panzern, ca. 120 Mörsern, unzähligen Raketenwerfern und vielen Waffen kleineren Kalibers waren auf die Stadt gerichtet und begannen ein erbarmungsloses Gemetzel.
Ein kleiner Teil der Stadt wurde von den Angreifern eingenommen, der Rest systematisch niedergeschossen.

Jeden Tag wurde die Innenstadt von über 4.000 Granaten getroffen. Krankenhäuser, Schulen, Moscheen, Kirchen, Synagogen, Entbindungsstationen, Bibliotheken, Museen und andere öffentliche, religiöse und soziale Einrichtungen wurden weitgehendst zerstört bzw. unbrauchbar gemacht. Stellen, an denen sich die verängstigten Bürger zur Ausgabe von Brot, Wasser und anderen Lebensmitteln trafen, wurden gezielt beschossen.
Die Angreifer zerstörten das Postamt und die Stadt war zur Hälfte ohne Telefon, Wasser, Gas und Elektrizität. Die Nahrungsmittelversorgung von außen wurde total unterbrochen.
Jeder freie Platz in der Stadt wurde zum Friedhof, denn wohin mit den Toden?
Die in der Hand der Angreifer befindlichen hohen Gebäude wurden mit Scharfschützen besetzt, die jede Bewegung, die sie in der Stadt bemerkten, mit Gewehrfeuer niederhielten und so viele unschuldige Bewohner auslöschten.
Am Ende waren es 10.615 Tote, davon 1.601 Kinder !!!!!

50.000 Personen (Privatpersonen) waren zum Teil schwer verletzt. Ein Großteil davon bleibt für ein Leben lang Invalide.

Die Belagerung der Stadt dauerte genau vom 2. Mai 1992 bis zum 26. Februar 1996.
1.395 grausame, leidgeprüfte und zerstörersische Kriegstage unter den Augen der „freien“ Welt. Dies bedeutet die längste Belagerung in der modernen Geschichte der Menschheit.

Am 26. Februar 1996 wurde der Zerstörung Einhalt geboten.
Regierungen der freien Welt, allen voran die USA, die Europäische Gemeinschaft und die NATO, taten sich zusammen und setzten die yugoslawische Armee unter Druck. Im Nordwesten der Stadt wurde ein Übergang freigegeben, der es ermöglichte, die Stadt endgültig zu befreien.
Nach der Dayton Vereinbarung und dem Einsatz der IFOR-Truppen durch die UN, begannen sich die Kriegstreiber zurückzuziehen. Allerdings nicht, ohne die in ihrer Gewalt befindlichen Stadtteile und Randbezirke zu plündern, niederzubrennen und alles Brauchbare zu zerstören. Vandalismus und Haß pur.

Noch heute kann man die Spuren dieser schrecklichen Zeit erkennen:

Gleich bei der Einfahrt in die Stadt passiert man das „Oslobodenje“ - Zeitungsverlagshaus, das im Sommer 1992 von einer Armada von Brandbomben und von darauffolgendem täglichen Beschuss vollkommen zerstört wurde. Das Hauptgebäude liegt noch komplett als riesiger Beton-Schuttberg vor den Augen der vorbeifahrenden Betrachter. Lediglich ein Betonturm (ehemals beherbergte er die Treppen und Aufzüge des Hauses) steht noch - allerdings völlig ausgebrannt - da. Er soll als Mahnmahl zum Gedenken an diese schweren Jahre Sarajevos erinnern.

In der Stadtmitte stehen zwei Hochhäuser (Zwillingshäuser), an denen noch deutlich die Spuren eingeschlagener Granaten zu erkennen sind. Das eine der beiden Häuser ist wieder bewohnt, hingegen das zweite Haus ist etwa ab der Mitte nach oben immer noch unbewohnbar. In Reichweite der ehemals auf den umliegenden Hügeln stationierten Granatwerfer und Maschinengewehre ist alles zerstört. Diese Wunden am Gebäude sind wahrscheinlich nicht mehr reparabel.

Geht man seinen Weg durch die teilweise engen und romantischen Gassen der Altstadt, kommt man immer wieder an Stellen vorüber, an denen in der Belagerungszeit Menschen zu Tode gekommen sind; einfach so, während einer Besorgung, eines Besuches oder beim Spaziergang; ausgelöscht von den Kugeln der Heckenschützen.

Heute, 5 Jahre nach Beendigung dieses Unheils, zeigt die Stadt ihren ganzen multikulturellen Flair. Bevölkerungsgruppen wie Christen, Muslime, Juden und Orthodoxe leben friedlich nebeneinander. Der Miljacka fliest ruhig und gelassen mitten durch die Stadt und hat scheinbar das Grauen von 4 Jahren Mord und Zerstörung weggeschwemmt. Langsam, aber sicher, kommt Sarajevo wieder auf die Beine und wird zu dem, was wir 1984 von der Olympiastadt gesehen haben .......

........ nur etwas nachdenklicher und bei weitem nicht mehr so euphorisch.

SARAJEVOOOOOOOOOOOOOOOO!

Euer: K.B.

03.11.2001



Geschrieben am: 03. Nov 2001, 09:19   von: gfbeck



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