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Übersicht > Medien > Bücher > Drama

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Über die Grausamkeit der Jugend…
Bericht wurde 2028 mal gelesen Produktbewertung:  sehr gut
Bericht wurde 1 mal kommentiert Berichtbewertung: 

Bonjour Tristesse – Francoise Sagan

Über die Grausamkeit der Jugend…


…geht es in diesem Buch. Es ist das 2., das ich euch von Francoise Sagan vorstellen möchte. Wer den Bericht über das Buch „Liebe Sie Brahms?“ gelesen hat, wir schon einiges von der Schriftstellerin kennen. Wird sie kennen, und ihren Schreibstil.
Es ist wieder einmal ein trauriges Buch, dieses mal aber noch grausamer, als das erste.
Es ist außerdem auch das 1. Buch, das Francoise Sagan je geschrieben hatte. Sie war gerade mal 18 Jahre alt. Ein intelligentes Mädchen.
Jetzt stelle ich euch diesen Roman also vor.



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die Story
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OK eigentlich ist das Buch zu dünn, um ein Roman zu sein. Sagen wir einfach, es ist eine Erzählung.
Und diese Erzählung handelt von der 17-jährigen Cecile, die mit ihrem 40-jährigen Vater einen Sommer-Urlaub am Meer verbringt.

Cecile ist etwas missmutig zumute, weil sie die Reifeprüfung nicht bestanden hat. Sie müsste also nochmals wiederholen. Dazu hat sie, sowie auch ihr Vater aber im Moment keine Lust. Und auch seine Geliebte, die naive Elsa, will in diesen sonnigen Tagen nicht in Paris bleiben.
Also erst mal Urlaub machen und entspannen, sich erholen von der stressigen Zeit des Lernens.

Cecile und ihr Vater sind flatterhafte Wesen. Ganz anders als Ceciles Mutter, die allerdings verstarb. Vor und nach ihrem Tod war das Leben eine einzige Party. Nach dem Tod der Mutter war auch Cecile alt genug, um an diesem fröhlichen Leben teilzuhaben: mit Alkohol, Drogen, Tanzen und erotischen Eroberungen.
Davon haben beide mehr als genug. Und genügend Erfahrung.

Nun also sind diese beiden + Elsa an der französischen Riviera. Cecile schwimmt, döst in der Sonne. Elsa und der Vater genießen ihre gemeinsame Liebe. Und Elsa ist nicht viel älter als Cecile. Ein hübsches, geselliges und dummes Mädchen. Von einer Frau kann hier nicht die Rede sein. Und auch Cecile hat eine Eroberung: Cyril, einen Jurastudent, den sie am Strand kennengelernt hat, und mit dem sie flirtet, im Wasser schwimmt, usw.

Aber dann kommt Anne in ihr Leben getreten. Anne, eine Frau. Anne, eine Modeschöpferin mit Intelligenz und Charme. Und Strenge.
Für Cecile ist Anne wie ein Fremdkörper in der müßigen Ruhe dieses Urlaubs. Und sie weiß, dass Anne einen großen Einfluss auf ihren Vater hat. Er ist ihr nach einigen Tagen schon regelrecht verfallen.
Elsa ist fast schon Geschichte.

Aber Cecile erkennt, dass Annes Eindringen in ihr Leben Folgen haben wird. Ihr Vater ist bereit, sie zu heiraten. Und das würde das Ende für seinen, und ihren liederlichen Lebensstil bedeuten: heißt soviel wie: keine Partys mehr, kein Alkohol, lernen und gehorchen.
Für sie würde es außerdem heißen: die Reifeprüfung zu wiederholen.
Und dazu zwingt Anne sie schon jetzt, im Urlaub. Sie muss ihre Nachmittage über Stendhal und Nietzsche verbringen.
Und Anne verbietet ihr sogar, ihre Urlaubsliebe Cyril zu sehen.
Doch das hindert Cecile nicht daran, ihn heimlich zu sehen, in sein Zimmer zu schleichen, mit ihm zu schlafen, oder ihn im Sand zu küssen.

Und sie hat einen Plan. Sie will sich ihr Leben nicht von so einer Anne zerstören lassen, und heckt deshalb einen intriganten Plan aus. Sie will ein Beziehungsnetz kreieren, und die Teilnehmer dabei recht verwirren, um die Beziehungen später zu zerstückeln.
Damit Anne endlich verschwindet.

Und ihr Plan gelingt auch. Nur dann endet er tragischer, als sie es gewollt hätte…




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Anordnung des Buches
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Das Buch ist in Kapiteln geordnet.



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Die Autorin (amazon.de)
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Francoise Sagan (*1935), die achtzehnjährig ihren ersten Roman "Bonjour Tristesse" (1954) vorlegte und der ein großer Erfolg wurde, fand in den folgenden Jahren mit "Ein gewisses Lächeln" (1956) und "Lieben Sie Brahms?" (1959) ebenfalls ein großes Echo bei den Lesern und Kritikern.



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formale Daten
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• Broschiert: 183 Seiten
• Verlag: Ullstein Tb; Auflage: 1 (Mai 2005)
• Sprache: Deutsch
• ISBN-10: 3548262775
• ISBN-13: 978-3548262772
• Größe und/oder Gewicht: 17,6 x 11,4 x 1,8 cm


Preis:



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Textauszug
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Das ist der Anfang des 1. Kapitels. Cecile schaut sozusagen auf ihr Leben zurück. Bzw. auf den Sommer, in dem das Unglück passierte und ihr Leben eine Wendung nahm.
Es beschreibt sozusagen den Anfang und das Ende (und zwar die Gefühle vom Anfang und vom Ende).


© bei Francoise Sagan, Bonjour Tristesse
Ich zögere, diesem fremden Gefühl, dessen sanfter Schmerz mich bedrückt, seinen schönen und ernsten Namen zu geben: Traurigkeit. Es ist ein so ausschließliches, so egoistisches Gefühl, daß ich mich seiner fast schäme - und Traurigkeit erschien mir immer als ein Gefühl, das man achtet. Ich kannte es nicht; ich hatte Kummer empfunden, Bedauern und manchmal Reue. Jetzt hüllt mich etwas ein wie Seide, weich und ermattend, und trennt mich von den anderen.
Ich war siebzehn Jahre alt in jenem Sommer. Und ich war vollkommen glücklich. Die »anderen« waren mein Vater und Elsa, seine Geliebte. Diese Zusammenstellung mag befremdend klingen, und ich will sie gleich erklären. Mein Vater war vierzig Jahre alt und seit fünfzehn Jahren verwitwet; er war jung, voll Lebenskraft, voller Möglichkeiten; wie hätte ich, als ich zwei Jahre zuvor aus dem Pensionat gekommen war, nicht verstehen sollen, daß er mit einer Frau zusammenlebte?



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meine Meinung
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Francoise Sagan ist ein Genie. Das kann man sehen, wenn man ihren ersten Roman, nämlich „Bonjour Tristesse“ liest. Übersetzt heißt dies: Hallo Traurigkeit. Und es beschreibt genau dieses Gefühl, das Cecile hat, nachdem das Unglück passiert.
Das Unglück ist von ihr verursacht. Und sie weiß es. Und dann, wenn das Erkennen vorbei ist, folgt die Traurigkeit, die ganz leise und sanft sich auf einen herniederlegt und einen mit einem leisen Gruß begrüßt.
Hallo sagt die Traurigkeit. Hallo, da bin ich!
Du hast mich gerufen, du hast es selbst zu verschulden, dass ich da bin. Und ich lasse dich nicht mehr los. Mal denkst du, dass ich weg bin, dann bin ich jedoch wieder da. Von Zeit zu Zeit schicke ich auch das schlechte Gewissen. Wir spielen ein doppeltes Spiel. Wir sind Kumpanen.


Der Schreibstil ist sehr flüssig, und gut zu lesen. Sagan gibt ihren Gedanken freien Lauf, bzw. den Gedanken ihrer Hauptcharaktere. Diesmal ist das also Cecile. Cecile blickt auf den Sommer zurück, in dem sie 17 Jahre alt war, und in dem Anne ihrem Vater den Kopf verdrehte. Es ist also ein Rückblick auf die Vergangenheit.

Das ganze Buch scheint wie ein Fluss von Gedanken zu sein. Mal sind die Gedanken hier, mal da. Es scheint aber nichts allzu locker oder ungewollt. Oder verwirrend. Oder verwirrt.
Nein es scheinen viele Gedanken zu sein, in einem Buch, aber es ist trotzdem strukturiert, man versteht, man hat Einblick in die Gedanken der Cecile, aber auch in die Geschichte selbst, in den Sommer in dem sie 17 war.

Man erkennt heraus, wann sie dachte, NACH dem Vorfall, was zum Vorfall dazu gehörte, was ihr Vater dazu meinte, was Elsa. Man erkennt, wann Ceciles Gedanken aufhören und die Geschichte beginnt. Man sieht die französische Riviera bildhaft vor dem eigenen Auge, ohne viel Erzählen.

Francoise Sagan gelingt es, mit wenigen Worten eine ganz neue Welt zu offenbaren, und den Kopf, das Herz und die Seele eines Menschen, der erzählt.

Diesmal eben Cecile. Die verwöhnte und liederliche Tochter, die grausame, die aber nicht grausam aus Prinzip ist, und der ihre Fehler Leid tun. Auch wenn sie es eigentlich wollte.
Sie vergießt Krokodilstränen. Und dann wieder nicht. Man trauert mit ihr, man fühlt aber im selben Moment auch Abscheu. Was man dann aber wieder bereut. Und dann versteht.
Es ist höchst paradox. Aber das paradoxe ist in jedem von uns.

Und diese paradoxen Gefühle für Cecile sind nicht die einzigen, die man hegt.
Da ist noch die Sympathie für den liebenswerten und fürsorglichen Vater, der sich dann in die Anne verliebt, die einfach so in Ceciles Leben platzt. Und der danach seine Fürsorglichkeit vergisst. Da fühlt man Ärger in sich hochsteigen. Man denkt: „was für ein egoistischer Mann! Der kann doch auch mal an seine Tochter denken!“ Aber auf der anderen Seite denkt man dann wieder: „Es ist das beste so. Vater und Tochter können doch nicht ewig Party machen. Man muss auch arbeiten. Und was aus seinem Leben machen.“ Dann ist da Elsa, bei der man denkt: „Ach, eine nichtssagende hübsche Frau, die Geliebte ohne Geist und Verstand. Sie ist sehr nett.“ Und dann ist sie doch die tickende Zeitbombe, die in Ceciles Händen ihre ganze Grausamkeit und Unsicherheit auslebt. Dann denkt man: „Oh mein Gott, Elsa, hör auf! Du wirst das Leben von Anne zerstören, und von allen anderen Protagonisten auch! Hör auf! Denk nach! Hör nicht auf Cecile!“ Dann ist da Anne, die man verschmäht, weil sie das Leben von Cecile umkramen will. Dann hat man Mitleid, weil Ceciles Vater so schwach ist und sie wieder betrügt. Und am Ende ist die Traurigkeit auch im eigenen Herzen.


Trotz dieser Grausamkeit, diesen Intrigen über Sex und Gewalt, diesen Drei- und Vierecks-Geschichten, usw. ist das Buch in keinster Weise vulgär geschrieben. Es wird alles im Verborgenen, und doch ganz sachlich geschildert. Man hat nie das Gefühl, dass man da etwas ganz schlimmes in den Händen hält. Vulgär ist es auf keinen Fall, auch wenn die Story im Nachhinein erzählt wird. Eigentlich schon eine sehr gute Leistung, wenn die Autorin aus einer Story so etwas machen kann. Aber da müsst ihr euch selbst eine Meinung bilden und: LESEN!


Ein sehr trauriges Buch, das einen sehr viel zum Nachdenken bringt.
Jeder muss darüber selbst nachdenken.
Ich hoffe, dass ich ein paar Denkanstöße liefern konnte.



Fazit: Lesenswerte Erfahrung über Erfahrungen einer 17-jährigen.


Geschrieben am: 23. Jun 2007, 16:12   von: scarlettrose



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