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Übersicht > Medien > Bücher > Rupert Neudeck - Die Menschenretter von Cap Anamur
Vorteile: Erstklassiges Buch !!
Muss man einfach gelesen haben !!
| Nachteile: Viel zu selten von viel zu wenigen Deutschen gelesen !!
Leider !!
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| Rupert Neudeck - Die Menschenretter von Cap Anamur !! |
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Bericht wurde 1241 mal gelesen
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Produktbewertung:
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sehr gut
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Bericht wurde 1 mal kommentiert
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Berichtbewertung:
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Über 23 Jahre gibt es Cap Anamur bereits. Über 23 Jahre Einsatz für notleidende Menschen.
Und wer kennt ihn nicht ? Rupert Neudeck, den Gründer des Komitee Cap Anamur. Diesen hageren Mann mit dem markanten weißen Bart. Ständig im Einsatz für humanitäre Projekte in der ganzen Welt.
Zum 23jährigen Bestehen von Cap Anamur hat Rupert Neudeck in einem Buch seine bisherigen Erlebnisse niedergeschrieben : „Die Menschenretter von Cap Anamur“.
Und genau diesem bemerkenswertem Buch möchte ich diese Meinung widmen.
Das Komitee Cap Anamur wurde im Februar 1979 anlässlich der großen Not der vietnamesischen Flüchtlinge im Südchinesischen Meer gegründet. Der Name der Hilfsorganisation kam durch den Namen des ersten Schiffes zustande – Cap Anamur -.
Das Buch ist vollständig aus der Sicht von Rupert Neudeck geschrieben. Es gewährt einen Einblick in seine Kindheit, die Zeit seines Studiums, seiner Zeit im Priesterseminar (Rupert Neudeck wollte ursprünglich Priester werden), seiner Zeit im Kloster und schließlich seiner Zeit als Journalist und späterer Menschenretter.
Dieses Buch ist jedoch keinesfalls eine Biographie des Herrn Neudeck. Im Gegenteil.
Lediglich das erste Kapitel lässt den Leser am Leben Rupert Neudeck´s bis zur Gründung von Cap Anamur teilhaben.
Die restlichen Kapitel dieses Buches sind jeweils den Beschreibungen und Erzählungen der jeweiligen Hilfseinsätze gewidmet. Und von eben diesen humanitären Einsätzen gab es in der über 23jährigen Geschichte von Cap Anamur eine ganze Menge.
So enthält das Buch detaillierte Beschreibungen der folgenden Hilfsprojekte :
Ein Schiff für Vietnam
Somali-Flüchtlinge
Uganda
Zerreißprobe im Libanon
Die große Hungersnot in Äthiopien
Bürgerkrieg und Hungerkatastrophen im Südsudan
Eritrea
Undercoverarbeit in Südafrika
Afghanistan – Medizinische Arbeit im Kalten Krieg
Landeinsatz in Vietnam
Liberia und Sierra Leone
Minenräumen in Angola
Ruanda – Nach dem Völkermord der Tutsi
Zaire/Kongo
Bosnien
Tschetschenien
Kosovo
Nordkorea
Sibirien
Und erneut Afghanistan
Beim lesen dieser Erlebnisberichte verschlägt es einem immer wieder die Sprache.
Man nimmt diese Meldungen zwar jeden Tag in den Nachrichten war, allerdings nicht in dieser Intensität, in der Rupert Neudeck die einzelnen Projekte mit eindringlichen Worten beschreibt.
Da werden immer wieder Grausamkeiten beschrieben, die einfach nur unfassbar sind.
Ebenso die in fast jedem Kapitel auftauchenden staatlichen Bürokratien.
Auf der anderen Seite die schier unendlich scheinende Motivation und der gelebte Idealismus der Helfer von Cap Anamur. Nicht selten sind bzw. waren die Einsätze ja auch durchaus lebensgefährlich. Wenn man liest, dass Helfer inhaftiert wurden, oder dass auf eben diese Helfer zum Teil sogar geschossen wurde, dann versteht man häufig die Welt nicht mehr.
Als Laie kann man sich so überhaupt nicht vorstellen, warum Regierungen der ärmsten Länder dieser Erde den Hilfsorganisationen immer wieder Steine in den Weg legen. Natürlich auf Kosten der notleidenden Bevölkerung. Hin und wieder werden allerdings auch Erfolge und Belohnungen beschrieben. Leider viel zu selten.
Cap Anamur formuliert es so : „Humanitäre Arbeit wird begleitet von Erfolgen und vielen Enttäuschungen. Viele Regierungen geben Geld für Waffen und Kriege aus statt für ihre Bevölkerung“.
Und genau an dieser Stelle setzt Cap Anamur an.
Das Motto von Cap Anamur lautet : Wir geben NIE Geld, wir geben nichts an Regierungen.
Und genau das ist es, was Cap Anamur von anderen Hilfsorganisationen abhebt. Diese Unabhängigkeit. Bis heute finanziert sich Cap Anamur ausschließlich aus Spendengeldern.
Dadurch ist Cap Anamur auch stets in der Lage, innerhalb weniger Tage ein Hilfsprojekt auf die Beine zu stellen und sofort mit der Hilfe zu beginnen. Anders als die großen Organisationen wie Deutsches Rotes Kreuz, Caritas, Arbeiterwohlfahrt, Diakonie etc., die erst einmal ihre gigantischen Verwaltungen überwinden müssen.
In der Zentrale von Cap Anamur in Köln arbeiten hingegen nur 2 (!!) Festangestellte, 2 (!!) „feste Ehrenamtliche“ und weitere Ehrenamtliche Mitarbeiter.
Für Cap Anamur arbeiten neben Ärzten auch Krankenschwestern, -pfleger, Techniker und Logistiker.
Der Verdienst liegt bei nur 1.100 EUR monatlich (Brutto!!), wobei sich die Helfer für sechs Monate verpflichten müssen. Und trotzdem verlängern viele der Helfer ihre Verträge.
Über die 20 Jahre liegt der Verwaltungsanteil von Cap Anamur bei 4,8 %.
Aber nun zurück zum Buch.
Die Berichte von Rupert Neudeck sind stets sehr ausführlich dargelegt, z.T. vielleicht sogar etwas zu ausführlich. Das soll keine Kritik sein, aber mitunter verliert man beim lesen schon Mal den Überblick vor lauter Namen von Organisationen und Helfern.
Nichts desto Trotz mahnt dieses Buch auf jedem seiner 313 Seiten immer wieder die gnadenlose Ungerechtigkeit in dieser unserer Welt an. Auf jeder einzelnen Seite beschreibt Rupert Neudeck, wie unvorstellbar groß das Elend und die Not der Menschen ist, denen seine ganze Liebe gehört und denen sein gesamtes Lebenswerk gewidmet ist.
Rupert Neudeck führt uns ganz einfach vor Augen, mit welchen lächerlichen „Problemen“ wir uns tagtäglich beschäftigen. Nach der Lektüre dieses Buches wird mit Sicherheit kein Leser mehr über die ach so schlimmen Zustände in Deutschland schimpfen. Über die angeblich zu hohen Steuern, über das angeblich zu teure Benzin und und und. Und trotzdem geht es dann zwei Mal jährlich in den Urlaub. Aber Geld um eine Hilfsorganisation wie Cap Anamur zu unterstützen haben wir natürlich nicht. Denn was interessieren mich die Menschen in anderen Teilen dieser Welt. Hauptsache mir geht es gut. Das ist einfach nur zynisch.
Rupert Neudeck hat sich in den vergangenen 23 Jahren dennoch nicht entmutigen lassen, auch wenn er oft genug gegen Windmühlen kämpfen musste. Sein Lebensmotto lautet scheinbar : „Hilfe ist möglich – jederzeit und überall“.
Und damit hat er Recht. Uns geht es sehr sehr gut in Deutschland. Auch wenn das Viele nicht wahrhaben wollen und über wirklich jede Nichtigkeit meckern. Wir leben sehr gut in Deutschland. Wir brauchen uns keine Gedanken darüber machen, wie wir am nächsten Tag satt werden sollen. Wir geben Geld für Zigaretten und CD´s, für Markenklamotten und Kino, für Luxusautos und Kosmetik aus.
Das Elend der Schützlinge von Cap Anamur hingegen ist unendlich groß. Und ich bin durchaus der Meinung, dass man es von einem jeden Einzelnen erwarten kann, dass er/sie mithilft, dieses unglaubliche Elend zu lindern. Und sei die Spende noch so gering.
Denn auch diese Menschen haben in ihrer verzweifelten Lage einen Anspruch auf unsere Unterstützung.
Ich persönlich spende bereits seit einigen Jahren an Cap Anamur.
Ein Hinweis für die Steuersparer unter den Lesern dieser Meinung : Spenden an Cap Anamur sind steuerlich abzugsfähig!
Ich mag diesen streitbaren und kompromisslosen Rupert Neudeck einfach. Ich mag es besonders, dass er stets offen seine Meinung äußert, ohne Rücksicht auf die derzeit herrschende Sichtweise Anderer, seien dies nun andere Hilfsorganisationen oder Politiker.
An alle diejenigen die durch diese Meinung neugierig geworden sind, hier einige detaillierte Infos zu Cap Anamur und diesem Buch :
Die gebundene Ausgabe dieses Buches erschien am 11.03.2002.
Der Preis liegt bei 22 EUR, wobei 2 EUR direkt als Spende an Cap Anamur gehen.
Erschienen ist das Buch im Verlag C.H.Beck aus München.
Im Internet findet man Cap Anamur unter www.cap-anamur.org !!
Die e-mail-Adresse lautet : info@cap-anamur.org !!
Die Konto-Nr. lautet : 2 222 222
BLZ : 370 501 98
Stadtsparkasse Köln
Auf der Homepage kann man sich auch für einen Newsletter eintragen. So erfährt man regelmäßig das Neueste rund um Cap Anamur und deren Projekte.
Prominente Förderer von Cap Anamur sind übrigens u.a. : Helmut Schmidt, Alfred Biolek, Heinz Mischnik und Dr. Peter Scholl-Latour, sowie die verstorbenen Marion Gräfin Dönhoff und Heinrich Böll.
Bleibt abschliessend folgendes zu diesem Buch zu sagen :
Wer dieses Buch gelesen hat, ist hinterher nicht mehr derselbe.
Es verändert nicht nur die Sichtweise im Hinblick auf das eigene Leben, sondern bringt jeden Einzelnen dazu, sich mehr für die wirklich Armen auf dieser Welt zu engagieren und politische Diskussionen mit ganz anderen Augen zu sehen.
Wollen wir also hoffen, dass viele viele Menschen dieses Buch lesen werden.
Als Schlusswort möchte ich an dieser Stelle gerne ein Zitat von Kurt Tucholsky anbringen :
„Es ist ein großer Irrtum zu glauben, dass Menschheitsprobleme „gelöst“ werden. Sie werden von einer gelangweilten Menschheit liegen gelassen.“
Geschrieben am: 05. Feb 2003, 19:28 von: B.Scheuert
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