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Übersicht > Medien > Bücher > Comic-Literatur

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
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Paulchens Lieblingslektüre …
Bericht wurde 766 mal gelesen Produktbewertung:  sehr gut
Bericht wurde 0 mal kommentiert Berichtbewertung: 


Sicher macht sich jeder Tierhalter Gedanken über die Gedanken- und die Gefühlswelt seines lieben Haustieres. Glaubt wirklich irgendjemand, dass das Verhalten unserer Tiere nur von Instinkten bestimmt wird? Wenn ich mein Paulchen so betrachte, bin ich mir angesichts seines frechen Blickes immer wieder ganz sicher, das ganz genau weiss was er will und seine Verhaltensweise teilweise sehr gut durchdacht und die pure Berechnung sind.

Über Paulchens Liebesleben habe ich mir lange Zeit zugegebenermaßen keine Gedanken gemacht. Das änderte sich schlagartig, als ich das Buch Sextips für Katzen geschenkt bekam. Um also genaueres über das Liebesleben der Katzen zu erfahren widmete ich mich sogleich dem Buch und Paulchen schaute mir sehr interessiert und hoch konzentriert dabei über die Schulter.

Sextips für Katzen ist ein Taschenbuch, das vom Goldmann Verlag mit der ISBN 3-442-07957-8 herausgegeben wurde. Geschrieben wurde es von Schnurr Hite und Dr. Maunz Masters. Diese Autoren sollen sich auf diesem Gebiet bereits durch viele Publikationen und Vorträge einen Namen gemacht haben und gelten als Spezialisten auf ihrem Fachgebiet. Der Sex-Ratgeber für Katzen hat insgesamt 72 Seiten. Zwischen den Texten sind zahlreiche schwarz-weiße Illustrationen von Rolf Kutschera. Den derzeitigen Preis des Taschenbuchs kenne ich leider nicht, auf meiner Ausgabe steht noch der DM-Preis von 7,80.

Das Buch beginnt damit, dass Schnurr Hite und Dr. Maunz die Fragen aufwerfen, wozu der Mensch die Katzen braucht und die Katze den Menschen. Sehrt schnell wird klar, dass wir Menschen für die Katzen eigentlich nur praktische Futtergeber sind und zum Kloputzen scheinen wir uns auch recht gut zu eignen. Die Katzen sehen uns Menschen als “emotionale Wracks, die vor Selbstmitleid triefend bei der kleinsten Enttäuschung über das Tier herfallen und ihnen das Fell fast vom Leib streicheln“. Schnurr Hite und Dr. Maunz bezeichnen unsere gut gemeinten Streicheleinheiten als „widerwärtige Hautkontakte“ mit denen wir den lieben Tieren die „Seele aus dem Leib quetschen“ und sie „in Grund und Boden puscheln“. Zwischen den aufschlussreichen Ausführungen sind viele kleine Karikaturen, auf denen zu sehen ist, wie sehr die Katzen unter unserer doch so gut gemeinten Zuwendung leiden. Gezeigt wird beispielsweise ein etwas dümmlich blickender Mensch, der seine Katze innig liebkost während sie sich mit genervtem Blick heftig versucht dagegen zu wehren.

Ein paar Seiten weiter folgt dann das Kapitel „Katze und Selbstentfaltung – Ein Programm zur sexuellen Emanzipation“. Schnurr Hite und Dr. Maunz meinen, dass der Mensch seine eigene Sexualität unterdrückt und genau deswegen auch versucht zu ignorieren, dass sein Tier ein Liebesleben hat. Sie schildern auf welche Ideen die Menschen kommen um die Liebeslust der Katzen zu unterdrücken. Ein wenig gab mir folgende Passage zu denken: „Der Mensch reagiert mit einem Hygienefimmel, weil er überall am Astralleib seines Haustiers sexuell motivierte Körperausscheidungen und Geruchsquellen vermutet. So greift er völlig rücksichtslos zu den härtesten Gegenmaßnahmen und badet seine Katze in Rosenöl …. Ein nach Rosenöl duftender Kater ist als Kampfgefährte auf der Liebesmeile völlig untendurch.“ Es beruhigte mich ein wenig das ich Paulchen nicht in meinem Rosenöl bade und ich hoffe das er den Duft meines Rosenwahns nicht allzu sehr annimmt.

Es folgt dann was in diesem Buch auf keinen Fall fehlen darf, die ultimativen Grundregeln mit der die Katze seinen Menschen überlisten kann um zu einem erfüllten Liebeleben zu kommen. Schnurr Hite und Dr. Maunz empfehlen jeder Katze die Menschen während des rollig sein zu meiden wie die Pest. Für Kater scheint dies die wichtigste Grundregel zu sein: „Friss in der Phase der Liebeslust nie etwas aus Menschenhand. Alles könnte Schlappofix oder Hängolin Forte sein. Eine gesunde Vogel- und Mäusediät erhält die Liebeslust und Potenz.“ Den Katzen wird der Rat gegeben es „lieber einmal zuviel als zu wenig zu treiben, da der Erhalt der Art unter allen Umständen gesichert werden muss“. Was Katze wirklich über uns Menschen denkt wird klar, wenn man liest, dass sich Katzen nicht um die menschlichen Moralvorstellungen scheren sollen. Laut Schnurr Hite und Dr. Maunz ist es unser eigenes Pech, wenn wir „nur bei Nacht und Nebel und nach tausend strohdummen Ritualen zur Sache kommen.“ Nachdem ich noch erfahren habe, dass „Menschen voll verklemmt sind, weil sie ihre Lust nicht wild und hemmungslos in die Nacht herausschreien“ beschloss ich mit Paulchen mal ein ernstes Gespräch zu führen.

In den weiteren Kapiteln in den Sextips für Katzen werden noch die Fragen geklärt, ob die Katze denn wirklich ein Schmusetier für uns Menschen ist. Ich lerne, dass das Katzenklo ein Ort der Unterdrückung ist, da die Katzen offensichtlich der Meinung sind, dass wir viel zu viel Theater um ihre Reinlichkeit machen und wir bei weitem selbst nicht so sauber sind, wie wir es von unseren Katzen erwarten.

Natürlich darf in diesem Buch das Thema Kastration nicht fehlen. Was ich selbst schon lang vermutet habe wird mir in den Sextips bestätigt. Die Kastration unterdrückt nicht die Liebeslust der Kater, sondern lediglich die Fortpflanzungsfähigkeit. Sie setzten ihre nächtlichen Liebesgesänge fort und feixen sich eins in den Bart, da Mensch die teure Tierarztrechung am Hals hat und der Kater trotzdem weiter seinen Liebesgängen nachgeht.

Nachdem ich noch erfahre habe welche Nahrung Katzen zur Stimulation bevorzugen und das Katzen die leidenschaftlichsten Lebewesen sind, kann ich nachlesen, dass die Katzen im Gegensatz zum Menschen keine Sex-Dilettanten sind, was die Auswahl des Ortes beim Liebesspiel angeht. Ob im Bett, auf der Parkbank, im Hausflur bei sturmfreier Bude, freischwebend auf Dachgiebel, hinter dem Beichtstuhl in der Kapelle oder im Morgengrauen auf einer Großstadtkreuzung; im Liebesleben der Katzen kennt die Phantasie scheinbar keine Grenzen, lediglich vorm Sex unterm Auto wird aus gutem Grund gewarnt.

Im Kapitel „Gut geschnurrt ist halb bestiegen“ geben Schnurr Hite und Dr. Maunz zahlreiche Tips wie Kater-Machos in der Großstadt bei der Abgebeten zum Zug kommen. Kater lernt nun, wie er mit einem Aufzug fertig wird, wie er einen Glasschneider bedient oder erfährt, dass er sich auch einfach als Postpaket zu seiner Lieblingskatze ins Haus schicken lassen kann.

Als ich zu dem Kapitel „Perverse Kater“ kam, hielt ich Paulchen vorsichtshalber die Augen zu. Natürlich lese ich als erstes, dass kein Kater von Natur aus pervers ist, sondern wir Menschen treiben ihn durch nicht artgerechte Haltung dazu, sich Liebespartner anderer Arten zu suchen oder sich gar an Leblosen Dingen zu vergnügen. Als ich von den liebestollen Attacken auf Stofftiere gelesen hatte, dachte ich mit leicht schlechtem Gewissen daran, dass auch Paulchen seine Wolldecke hin- und wieder ganz doll lieb hat. Mit lautem Lachen las ich dann einige Reime, die Schnurr Hite und Dr. Maunz bezüglich der Verirrungen auf der Suche nach einem Sexpartner zum Besten geben, z. B.: „Treibt es der Kater mit dem Fahrkartenautomaten, dann müssen alle Fahrgäste warten ..“

Am Ende des Buches ist das Katzen-Lexikon zu finden. Die Erklärungen sind sehr aufschlussreich und für mich teilweise sehr gut nachvollziehbar. Das Alf ein „pervertierter krimineller Katzenfresser ist, mit dem völlig pervertierte Fernsehzuschauer ihre Zeit verschwenden“, kann ich aus Katzensicht sehr gut verstehen. Dosenfutter ist den Augen der Katzen ein „widerlicher Fast-Food-Mäuseersatz, der auf Dauer impotent machen soll“. Das Wort „Haustier“ wird von den Autoren wie folgt definiert: „für Katzen eine diskriminierende Bezeichnung aller mit den Menschen in Häusern lebender Tierarten; diskriminierend insofern, als er uns hyperintelligenten und ultrasensiblen Katzen mit bescheuerten Hunden, dumpfen Goldhamstern, glitschigen Aquariumsfischen und verschrumpelten Schildkröten in einem Topf wird – und das geht wohl nicht“

Ich habe die Sextips für Katzen an einem Abend durchgelesen und habe des Öfteren lauthals Lachen müssen. Das Buch ist in einer dermaßen frechen und dreisten Art geschrieben, dass Mensch beim lesen schon hin- und wieder ein leicht schlechtes Gewissen bekommt, da aus jeder Zeile ein leichter bis schwerer Vorwurf an den Menschen herauslesen ist. Eine ernstzunehmende Lektüre ist das Buch sicher nicht, aber die perfekte Unterhaltung. Die witzig gezeichneten Bilder zeigen sehr deutlich wie sehr die Katzen unter der verhinderten Liebeslust leiden oder wie gewitzt sie sein können, wenn sie ihr Ziel erreichen wollen.

Ich kenne einige wenige Menschen, die dieses Buch wohl etwas zu ernst nehmen oder einfach nicht über den nötigen Humor verfügen. Wer meint, dass er nur über ernst zunehmende Katzenthema lesen möchte, sollte von diesem Buch die Finger lassen. Wer aber Katzen mag und sich einfach nur gut unterhalten und herzhaft lachen möchte, wird sicher viel Spaß mit den Sextips für Katzen haben.

Nach Absprache mit Paulchen vergebe ich die volle Punktzahl für die Sextips für Katzen, da ich mich beim lesen köstlich amüsiert habe und Paulchens Blicke mir verrieten, dass in dem Buch doch in jedem Kapitel ein kleines Fünkchen Wahrheit aus Katzensicht zu finden ist.

Gruss von Paulchen und er meint, es war klasse mit Euch mal so offen über Sex zu reden ..






Geschrieben am: 28. Jun 2003, 09:56   von: irias



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