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Übersicht > Medien > Bücher > Buchtitel > 0-9 > 1984 (Orwell, George)

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
Dramatik und Spannung, alles ohne Klischees oder \"Kitsch\"

Nachteile:
keine




Visionen einer gegenwärtigen Zukunft???
Bericht wurde 1693 mal gelesen Produktbewertung:  sehr gut
Bericht wurde 1 mal kommentiert Berichtbewertung: 

Als George Orwell im Alter von 46 Jahren seinen Roman "1984" geschrieben hat, wußte er sicherlich nicht, daß nur fünfzehn Jahre nach dem von ihm zufällig gesetzten Jahr die von ihm in seinem Buch beschriebenen düsteren Visionen einer vom Totalitarismus durchtränkten Gesellschaft gerade einer modernen Gesellschaft zur Belustigung und Unterhaltung - wenn auch unstreitig auf niedrig(st)em Niveau - dienen würde. Denn in seinen 1949 verfaßten Geschichte findet sich der Leser im, von Orwell ausgesehen zukünftigen, Jahr 1984, indem die Welt in drei Machtblöcke aufgeteilt ist, von denen jeder seine Bevölkerung dank modernster Observationstechniken bis in die letzte Sekunde des Alltages kontrolliert - warum geht mir nur seit zwei Jahren so eine gewisse Sendereihe auf dem "Schrottkanal" - wir wollen jetzt nicht von RTL ... sprechen - aus dem Sinn?

Die Komplexität, mit der Orwell die Handlungen seiner Hauptfigur ausgestaltet hat, ist atemberaubend, ebenso wie die "Kulisse", die um die Handlung herum erbaut wir. Der "Held" der Geschichte, der Mitarbeiter im "Ministerium für Wahrheit" in einem unwirklichen Staat ist, von dem aus die Vergangenheit nach den Ereignissen der Gegenwart umgestaltet und somit als ständig zutreffendes Fundament für die Zukunft manipuliert wird, durchlebt für und mit dem Leser die Grausamkeiten dieser Gesellschaft. Im Versuch, der allgegenwärtigen Beobachtung zu entfliehen und dem Blick des "Großen Bruders" zu entkommen, glaubt er zunächst, in einem unbeobachtbaren Winkel der eigenen Behausung ein verbotenes Tagebuch führen zu können, das er in einem alten Antiquitätenladen gefunden hat. Später schließt er sich einer ungenau umrissenen Rebellionsbewegung an und vertraut sich schließlich, im Glauben, dem Anführer der Rebellion gegenüber zu stehen, ausgerechnet dem Leiter der Gedankenpolizei an. Das tragische Ende des Romans ist die völlige Eingliederung des einstmals pazifistisch aufbegehrenden Romanheldens, der zu einem treuen Untertan in einer Welt wird, in der die Wahrheit von der Zukunft aus in die Vergangenheit diktiert wird.

Es ist nicht leicht, Orwells Roman, der eigentlich mehr als nur eine bloße Geschichte ist, in wenigen Zeilen so zusammen zu fassen, daß der eigentliche Kern der Geschichte nicht gebeugt und dem die Zusammenfassung Lesenden ein schiefes Bild von dem Roman geliefert wird. Daher will ich mich auch bei dem hier aufgeführten Versuch einer solchen Inhaltsangabe begnügen - ich hoffe, daß es auch den meisten Lesern meiner Meinung genügt - und lieber etwas mehr auf den Hintergrund und - wie es ja auch in einem Erfahrungsbericht sein sollte - auf meine persönlichen Eindrücke eingehen.

Wenig verwunderlich mag es zunächst sein, daß Orwell, der 1950 in London verstorben ist, beim Schreiben seines Romans die anfänglichen Schrecknisse des Kalten Krieges sowie die frischen Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg vor Augen hatte und entsprechende Parallelen in seinem Buch zu finden sind. Beeindruckend finde ich persönlich jedoch, mit welchem Perfektionsdrang der Autor die "Kulisse" für sein Werk kreiert hat. So hat er nicht nur ein völlig bizarres Gesellschaftssystem generiert und technische Fortschritte eingesetzt, die bestenfalls auf den Reißbrettern der Militärs existierten, sondern vielmehr sogar ein eigenes Sprachsystem geschaffen, dem der zunächst verwunderte Leser immer wieder begegnet. So etwa der Ausdruck "doppelplus ungut", der nichts anderes als "ausgesprochen schlecht" bedeutet, denn in Orwells Sprachkontinuum in "1984" sind negative Ausdrücke gesetzlich verboten, an ihre Stelle treten Negationen positiver Ausdrücke, die durch das Präfix "un-" als solche gekennzeichnet werden. Auch Steigerungen wie "besonders" oder "mehr" oder ähnliche Formen sind der Sprachrationalisierung in Orwells Welt zum Opfer gefallen, sie werden durch "plus" und "doppelplus" ersetzt.

Ich habe insbesondere die Erfindung dieses Sprachsystems herausgegriffen, da mich die Idee mehr als beinahe der ganze Roman fasziniert und beeindruckt hat, stellt die Kreation einer solchen "Sprache" doch etwas gänzlich anderes dar, als die Erfindung einer "Fremdsprache" im Bereich von Science-fiction oder Fantasy - wie etwa klingonisch oder trollisch. Denn während eine solche letztere lediglich auf einer willkürlichen Aneinanderreihung von Vokalen, Konsonanten und Silben beruht, die je nach Charakter der sie sprechenden Spezies einen aggressiveren, gröberen oder härteren Klang erhält, hat George Orwell die bereits existierende Sprachmittel in eine beinahe gänzlich neue Struktur gebettet, ohne dabei allerdings an den einzelnen Bestandteilen etwas zu ändern. Zur Verdeutlichung: wer als "Trekky" das berühmte "Sein oder nicht Sein" auf klingonisch - Quelle: Star Trek V oder VI - wiedergeben würde, würde wahrscheinlich außer Verwunderung oder Belustigung außerhalb der "Star Trek"-Fan-Gemeinde nichts ernten. Hingegen können die meisten Mitmenschen mit dem obskuren Ausdruck "doppelplus unschnell" doch mehr oder weniger schnell etwas anfangen: nämlich, daß von einem schneckenlangsamen irgend etwas die Rede ist.

Aber auch von dieser vielleicht auch nur in meinen Augen bezeichnenden autoritativen Meisterleistung abgesehen, fesselt der Roman auch noch weit über das bloße Durchlesen hinaus, insbesondere in einer Zeit, in der erst jetzt wieder dank der grausamen Terrorakte die Lockerung von Datenschutz und Persönlichkeitsbewahrung diskutiert wird. Und wer weiß, vielleicht war "1984" auch das eigentliche Drehbuch für Big Brother ....


Geschrieben am: 09. Nov 2003, 22:46   von: magnifico



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