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Übersicht > Medien > Bücher > Sportbücher

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Neunzig (90) Minuten Klassenkampf. Das Fußball- Länderspiel BRD - DDR 1974 / Blees, Thomas
Bericht wurde 6896 mal gelesen Produktbewertung:  sehr gut
Bericht wurde 0 mal kommentiert Berichtbewertung: 

Da ich 1974 noch zu jung war um das Fußballspiel BRD gegen DDR und die Hintergründe zu begreifen, war es mir nur durch diverse Fußball-Geschichtsbücher und Sportdokumentationen bekannt, welchen Stellenwert dieses Spiel in der ehemaligen DDR bekommen hatte. Um so anziehender fand ich den Titel dieses Taschenbuchs und da ich auf dem Flohmarkt für ein fast neues Exemplar nur einen Euro bezahlte, lies ich es mir nicht nehmen und kaufte mir voller Vorfreude dieses Stück Zeitdokument.


....::::: Das Cover ::::....
Auf dem Cover dieses Taschenbuchs erkennt man den Torschützen Jürgen Sparwasser, wie er im Begriff ist, das goldene Tor für das Team der DDR zu erzielen. Im Hintergrund rutscht Höttges von Werder Bremen im westdeutschen Nationaltrikot aus und kann das Unheil nicht verhindern. Das Bild ist eines der bekanntesten deutschen Sportfotos überhaupt und hat dieses Spiel sicher geprägt.

Das einzige, was ich über den Autoren Thomas Blees in Erfahrung bringen konnte, ist die Information, das er 1964 geboren wurde, Fernsehjonalist und Buchautor ist und in Berlin lebt.


....:::: Bezugsquelle ::::....
Zu beziehen ist dieses 1999 erschienene Sportbuch mit politischem Hintergrund und amüsanten kleinen Geschichten am Rande vom Fischer- Taschenbuch- Verlag über Amazon.de unter der ISBN: 3596142865. Ich habe für mein Buch ja glücklicherweise nur einen Euro gezahlt, auf dem Buchrücken steht 16.90 Deutsche (West-) Mark.


....:::: Inhalt ::::....
Das Taschenbuch 90 Minuten Klassenkampf erzählt auf unterhaltsame Art und Weise an das Weltmeisterschafts- Vorrundenspiel zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik bei der Fußball- Weltmeisterschaft im Jahre 1974 im Hamburger Volksparkstadion. Das die DDR dieses Spiel seinerzeit mit 1:0 gewonnen hat, war eine Riesensensation und Thomas Blees beschreibt mit einfachen Worten und zahllosen Anekdoten, wie es zu diesem Ergebnis kommen konnte.


Zehn schwarzweiß Bilder und Originaldokumente aus diversen Akten der Staatssicherheit der DDR bringen dem Leser die Zeit vor der „Wende“ zurück und schafft es einen beeindruckenden Einblick in die verschiedenen Welten zu bekommen. Man erfährt zum Beispiel, warum die Mannschaft der DDR nach der Auslosung überlegte, ob sie die WM 1974 in der BRD nicht boykottieren würden, warum dem Torschützen des „goldenen Tores“ Jürgen Sparwasser dieses Tor geschadet hat, wie die Sportmoderatoren vergeblich versuchten Neutralität vorzuleben und welche Auswirkungen dieses Fußballspiel auf beide Länder hatte.


....:::: Meine Eindrücke ::::....
Ich war zu Beginn skeptisch und doch durch den Titel sehr angeregt, schließlich hat kaum ein Vorrundenspiel einer Fußball- Weltmeisterschaft im Vornherein für soviel Aufmerksamkeit gesorgt, wie dieser „Bruderkampf“ zwischen zwei Mannschaften mit den unterschiedlichen politischen Auffassungen und den verschiedenen Einstellungen und Wünschen auf dem Platz.

Der Autor schaffte es aber eigentlich ohne große Spannungsunterbrechungen mich an dieses Buch zu fesseln und die wohl wichtigsten 90 Fußballminuten für den DDR-Fußball lebendig werden zu lassen. Dies untermalt Autor Thomas Blees gelungen mit Originalkommentaren der beiden Fußballreporter von Ost (Hans-Florian Oerthel) und West (Heribert Fassbender).

Beide Fußball-Verbände und ihre Funktionäre zeigen, wie kindisch sich erwachsene Menschen zum Teil benehmen können und welche Ausmaße dieses Spiel in einigen Köpfen angenommen hat. Es war scheinbar kein Ballspiel mehr, sondern ein Kampf der politischen Klassen, eben ein „Klassenkampf“, wie der Titel so sinnig beschreibt.

Dieses Spiel schien wohl seinerzeit wirklich mehr zu sein, als ein Ballspiel mit 22 Akteuren, es war für zwei Nationen einen Standortbestimmung, welches politische System von beiden nun „besser“ war und wer den größeren Wert hatte. Das es sich hierbei um ein „ganz normales Fußballspiel“ handelt, schienen die Funktionäre genauso vergessen zu haben, wie auch die Zuschauer und zum Teil wohl auch die Spieler.

Unterhaltend finde ich die Vorbereitungen der beiden Länder auf dieses große Match und die politischen Verwicklungen, die sich daraus ergaben. Westdeutsche Funktionäre waren überheblich und siegessicher und haben das Spiel schon vor dem Anpfiff als gewonnen betrachtet. Diese Arroganz zeigte sich auch in diversen im Nachhinein veröffentlichten Aussagen und in der Einstellung der deutschen Elf. Das Interview mit Hans Apel, seinerzeit westdeutscher Finanzminister deckt einige Vorurteile der Westdeutschen glaubhaft auf und stellt das Engagement zum Klassenkampf sowohl von Seite der BRD, als auch der DDR in ein helles Licht. Anderseits erklärt das Mitglied des Zentralkomitees, Rudolf Hellmann, warum es sich für sein Land bei diesem Spiel um einen Klassenkampf handelte.

Sehr aufschlussreich fand ich auch die Vorsorgen für die abgezählten und auserwählten Fußballfans der DDR, die mit einstudierten Anfeuerungsrufen ihr Team zu unterstützen versuchten. Einzelne Fußballfans, welche man Fußball-Touristen nannte, werden mit kurzen Gesprächen zu der damaligen Lage befragt und geben der Geschichte ein wenig an Offenheit und Wahrheitsgehalt. Allerdings kommt die ostdeutsche Mannschaft und damit quasi die ganze Republik in meinen Augen eher schlecht weg und wird in manchen Aussagen ein wenig lächerlich dargestellt. Jedenfalls gab es etliche Momente, beim Lesen dieses Buches, wo ich mir das Grinsen nicht verkneifen konnte, ich bin ja schließlich ein Westdeutscher und das waren die von drüben ;-)

Auf etwa 12 Seiten werden zum Abschluss die neunzig Minuten von Hamburg detailgetreu nacherzählt und einige statistische Angaben nicht nur für Fußballfans durchgeführt. Wer dieses Spiel niemals im Fernsehen betrachten konnte, der wird nach diesen Seiten alles wissenswerte über das 1:0 der DDR wissen. Ob es sich nun um die Aufstellung handelte oder die wenigen Torchancen auf dem Fußballplatz handelte, alles wird erzählt, als sitze man vor dem Fernseher und schaue sich das Match erneut an. Das ganze Kapitel hat der Autor sinnigerweise „D-Day“, der Spieltag,22.6.1974 genannt und damit all sein fachmännisches Fußballwissen preisgegeben.

Das Nachspiel beschränkt sich meiner Meinung nach mit oberflächigen und nutzlosen Spielerinformationen und eher unwichtigen Tabellen, Listen und Spielplänen von der WM 1974 und der Zeit danach. Vielmehr hätte mich wirklich interessiert, wie das westdeutsche Fußball-Volk die Niederlage verkraftet hat und welche Auswirkungen diese Niederlage auf den weiteren Verlauf der Weltmeisterschaft genommen hat.


....:::: Fazit ::::....
Kurze witzige Geschichte werden, wie menschliche Schicksale und ungewöhnliche Ereignisse genauso durchleuchtet, wie das Spiel zwischen den beiden Mannschaften voller Hingabe dargestellt wird. Das sich der Autor mit Fußball auskennt, ist für mich unumstritten, denn seine Fachsprache ist unverkennbar und man meint teilweise im Kicker-Sportmagazin zu lesen. Empfehlenswert ist dieses Buch, weil es versucht beide Parteien zur Sprache zu bringen und die Gefühle beider Völker vor, während und nach dem Spiel zu hinterfragen.

Mir kommt die DDR ein wenig schlecht weg, insgesamt werden mehr Witze auf Kosten der Ostdeutschen gemacht und trotzdem versucht Blees meiner Meinung nach Neutral zu bleiben, was ihm in vielen Abschnitten auch glänzend gelingt.

Dieses Buch ist für jedermann, der ein wenig Zeitchronik nachlesen mag und eine Aufklärung über die damaligen sportpolitischen Verhältnisse durchleben möchte. Für mich war dieses Buch sowohl witzig geschrieben und trotzdem mit hohem Informationswert und hat ein wenig die Vergangenheitsbewältigung eines ehemals getrennten Volkes gewagt.



Geschrieben am: 05. Mar 2003, 22:32   von: krawallschachtel



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