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Vorteile: Gefühl von 1001-Nacht .... wenn man weiß, wohin.
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| Istanbul - Topkapi-Palast, Leben im Harem |
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Wer die Stadt am Bosporus, das Tor zum Orient, die schönste Stadt der Türkei - ISTANBUL - besucht, kommt nicht an einem Aufenthalt im Topkapi-Palast vorbei.
An dieser Stelle möchte ich mich jedoch nicht dem Palast selbst, sondern einem Teil desselben - wenn auch dem herausragensten - zuwenden: dem HAREM.
„HAREM“ kommt aus dem Arabischen und bedeutet soviel wie „das Verbotene“. Es drückt aus, dass der Zugang zu einem Ort, der Harem genannt wird, ausschließlich verboten oder nur beschränkt - nämlich für den Eigentümer, den Sultan - erlaubt ist. Echte Muslime drücken mit Harem jedoch nicht nur ein räumliches Verbot aus, sondern auch ein geschlechtliches, denn als Harem werden auch jene Frauen benannt, die in einem Ehebündnis stehen und damit für fremde Männer verboten sind.
Der Harem im Topkapi-Palast wurde erst ca. 70 Jahre nach dem Bau des eigentlichen Palastkomplexes errichtet und ist heute noch eine ergreifende und geheimnisvolle Sehenswürdigkeit am Rande des Palastes.
Angrenzend an den Repräsentationsbereich der Sultane, den Bereich, wo die Herrscher des Osmanenreiches ihre Audienzen gaben, liegt das weite Areal des Harems. Auch gibt es vom Palast der Sultane her andere geheime Zugänge zum Harem.
Doch wie lebten die Haremsbewohner?
Hierüber ranken sich die Geschichten und Fabeln. Wir Abendländer haben da keine Skrupel, uns die Vorgänge und Tagesabläufe im Harem in den phantasievollsten Bildern auszumalen: von mit durchsichtigen und spitzenbesetzten leichten Geweben verschleierten Frauen und Mädchen, von Eunuchen und schwarzen Sklaven, von Leidenschaft und Intrigen, ja sogar von Gewalt und Meuchelei. Doch keiner der Träumer weiß etwas genaues.
In Wirklichkeit, so haben es authentische Schriftstücke festgehalten, ist der Harem ein bisschen von Allem.
Der Harem war zu seiner Zeit bestens organisiert und strengstens bewacht.
Tatsächlich findet man bei näherem Betrachten eine rational geplante und hermetisch abgeschlossene Anlage vor. Vor allem war der Harem der eigentliche Privatbereich der gesamten Sultansfamilie. Im Harem lebten der Sultan, seine Ehefrauen, deren Kinder, die Auserwählten des Sultans und das Dienstpersonal.
Außer den Wohnbereichen gab es im Harem Unterrichtsräume für die Sultanskinder und Ausbildungsräume für das Haremspersonal. Insgesamt bestand der Harem zeitweise aus nahezu 400 Räumen, u.a. mit türkischen Bädern (getrennt für Frauen, Männer, Eunuchen, Diener und den Sultan) Gebetszimmer, Büchereien, Toiletten, reichlich geschmückte und mit wertvollen Teppichen ausgelegte Aufenthaltsräume (ebenfalls getrennt für Männlein und Weiblein, sowie für gemeinsame Aktivitäten), Innenhöfe, Schlafzimmer und ein Krankenhaus. Die Einrichtungen für die Herscherfamilien und für das Personal waren strikt voneinander getrennt. Durchschnittlich lebten 400 bis 500 Personen im Harem - nur als Bedien-Personal.
Alle Personalmitglieder, egal ob männlich oder weiblich, waren Sklaven. Jedoch ihre Räumlichkeiten waren alles andere als ihrem Stande entsprechend. Toiletten, Küchenräume, Kapellen, Schlaf- und Aufenthaltsräume waren sehr sauber und teilweise luxuriös ausgestattet.
Man hielt schließlich etwas auf seine Helfer und wollte so Missgunst, Neid oder Hass auf die Obrigkeit vermeiden. Und dies gelang vorbildlich. Nicht immer absolut, denn „Ausreißer“ gibt und gab es zu jeder Epoche und in jeder zivilisierten Gesellschaft. Allerdings wurden solche Leute dann auch sehr schwer bestraft, entweder mit Prügel, Verstümmelung, Tod oder Verbannung.
1847 wurde jedoch der Sklavenhandel in Istanbul und 1857 in der ganzen Türkei verboten.
Alle männlichen Bediensteten, die Eunuchen, mussten entmannt sein. Diese bewachten den Eingang des Haremkomplexes und durften die Gemächer des Harems nicht betreten. Zudem wurden sie von den Frauen des Harems als Laufburschen zur Erledigung von Arbeiten außerhalb des Harems benutzt. Die Eunuchen waren auch damit beauftragt, morgens die Tore zu öffnen, um sie abends wieder zu schließen. Sie begleiteten die Haremsdamen auf ihren Spaziergängen und sonstigen Exkursionen außerhalb des Harems und durften dabei ihren Herrinnen auf keinen Fall in die Augen schauen. Wenn sie ein verschleiertes Gesicht sahen, mussten sie ihre Köpfe neigen.
In vielen ausländischen Berichten wird zwar behauptet, dass mehrere Hundert Eunuchen ihren Dienst im Harem täten, was gänzlich falsch ist. Meist waren es nicht mehr als 20 bis 40 Eunuchen, die im Harem beschäftigt waren.
Was mich bei der Besichtigung des Harems im Topkapi-Palast besonders beeindruckte, war die immer noch spürbar anwesende Ordnung und Disziplin innerhalb des Harem-Verbundes.
Keine Anzeichen von exzessiven Orgien, von Prunk, Selbstverherrlichung und Intoleranz. Das Leben hatte zwar seinen leichtlebigen Stil, war jedoch immer von Disziplin, Toleranz und gegenseitigem Respekt gezeichnet. Genau das, was uns heute am meisten fehlt.
Nicht, dass das Vergnügen im Harem zu kurz käme.
Im Gegenteil, für Kurzweil der Bewohner sorgten mannigfaltige Einrichtungen wie Büchereien, Bäder, Spielzimmer und vor allem 2 große Swimmingpools, die mit bemerkenswert handwerklichem Geschick gebaut waren und über alle uns bekannten Zusatzeinrichtungen wie Sauna (Dampfbad), Duschen (wenn auch manuell betrieben) und Massageeinrichtungen verfügten. Bekanntlich ist ja heute noch der Gang in´s türkische Bad auch für uns Europäer eine nicht zu verschmähende Annehmlichkeit.
Wer also einmal nach Istanbul kommt, sollte es nicht versäumen, den Topkapi-Palast und dort insbesondere den Harem zu besuchen. Auch sollte der Besucher Zeit mitbringen und auf keinen Fall durch den Harem „rennen“. Hierzu wäre zu empfehlen, eine geordnete und freundlich kompetente Führung in Anspruch zu nehmen, die täglich in ca. 1/2-stündlichen Abschnitten angeboten werden.
Eintritt mit Führung kostet z.Zt. um die 10 DM und ist sein Geld allemal wert.
Eine Bitte hab ich an dieser Stelle zum Schluss meiner kurzen Schilderung:
Besucher dieses Ortes sollten sich gesittet und verständnisvoll verhalten. Die türkische Mentalität ist herzlich und wir sollten diese als deren Gäste nicht überstrapazieren.
Es ist unglaublich, wie sich beim Gang durch den Harem die Pforten zu einer anderen Welt öffnen und den Besucher mit Haut und Haar verschlingen. Erst am Ausgang bemerkt man wieder, dass man eigentlich im 21. Jahrhundert lebt und die Glanzzeit der Sultane noch gar nicht so lange vorbei ist, nein, im Grunde genommen ist sie noch vorhanden und körperlich fühlbar ...... im HAREM.
Euer: K.B.
Geschrieben am: 30. Oct 2001, 17:21 von: gfbeck
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