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Übersicht > Medien > Bücher > "Knochenarbeit" Kathy Reichs (Taschenbuch, ISBN 3-442-35393-9)
Vorteile: spannend, unterhaltsam, bewegend, humorvoll, gute Übersetzung
| Nachteile: sprachlich/stilistisch anspruchslos
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| Flott zu lesender Thriller |
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Bericht wurde 723 mal gelesen
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Produktbewertung:
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gut
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Bericht wurde 2 mal kommentiert
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Berichtbewertung:
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Ein leicht zu lesender, spannender Thriller um eine gerichtsmedizinische Anthropologin, die den Ritualmorden einer Sekte auf die Spur kommt - sie gerät dabei selbst in höchste Gefahr, ebenso wie ihre Schwester. Ich hatte das Buch in zwei Tagen durch.
Handlung
Die forensische Anthropologin Temperance ("Mäßigung") Brennan lehrt an zwei Universitäten: einmal in ihrer Heimatstadt Charlotte im kuschelig warmen North Carolina, zum anderen im bitterkalten kanadischen Montreal. Zu diesen Temperaturunterschieden und was sie in den Menschen bewirken, hat Tempe, wie sie kurz genannt wird, einiges anzumerken.
Sie besitzt einen mitunter recht sarkastischen Humor, obwohl sie diese Tatsache gut zu verbergen versteht. Die Wissenschaftlerin ist eine ungewöhnlich intelligente und beherrschte Heldin, die über starke Nerven verfügt. Sie hat schon einiges durchgemacht, doch ihr ganzes Herz hängt an ihrer Verwandtschaft und ihrer Katze, Birdie.
Eigentlich soll sie ja bloß das Grab einer vor über hundert Jahren gestorbenen Nonne suchen. In einer abgelegenen Kirche exhumiert sie sterbliche Überreste - Knochen, daher der Buchtitel - und untersucht sie nach allen Regeln der Kunst. Fehlanzeige. Es ist nicht die zur Seligsprechung anstehende Elisabeth Nicolet. Sie muss weitersuchen.
Bei einem ihrer nächsten Einsätze holt sie sich ebenfalls blaue Finger und beinahe ernsthafte Erfrierungen. Ein Anwesen in Kanada ist vollständig abgebrannt, und die Feuerwehr hat sieben Leichen gefunden, darunter einige stark verbrannt. Als Tempe auch zwei Babyleichen zur Analyse vorgelegt werden, bricht es ihr schier das Herz: Mathias und Malachy wurden mit unzähligen Stichen ermordet. (Dieses Buch hat noch mehr solcher Szenen - Zartbesaitete seien gewarnt.) Die Leichen tragen noch Armbändchen mit ihren Namen darauf.
Die Spuren deuten auf einen Ritualmord hin, den eine in der Gegend agierende Sekte begangen haben könnte. Weitere Leichen: eine junge Schwangere, die in einem Park Montreals hingerichtet wurde. Bei Tempes Recherche an der McGill Uni wird sie von einer manisch dreiblickenden Dozentin gewarnt, sich nicht an deren Studentinnen "heranzumachen" und herumzuschnüffeln.
Als ihre Schwester Harry sie besucht und etwas von einer Bewusstseinstherapiegruppe faselt, hätte Tempe eigentlich gewarnt sein müssen, dass ihre Schwester in Gefahr geraten könnte. Doch in Charlotte beginnt wieder das Uni-Semester, und so lässt sie Harry ahnungslos zurück.
Doch auch im Paradies wartet die Schlange. Als Tempe mit ihrer Tochter Katy einen Ausflug auf eine idyllische North-Carolina-Insel mit einer Affenforschungsstation darauf macht, kann sie sich an der schönen Natur nur kurz erfreuen. Denn sie findet zwei Leichen im Uferschlamm. Und auch diese jungen Frauen wurden praktisch hingerichtet.
Als Tempe und ihre Montrealer Polizistenkollege Andy Ryan in der Gegend eine Sekte vorfinden, stellen sich bald beunruhigende Verbindungen ein. Wieder wird die Schnüfflerin gewarnt: eine verbrannte tote Katze mit einer Botschaft, garniert mit einer Brandstiftung, spricht eine deutliche Sprache.
Dann endlich erinnert sich Tempe ihrer Schwester, die inzwischen in Montreal verschwunden ist. Und die Sekte schreckt vor nichts zurück, wie sie bald am eigenen Leib erfahren muss. Der Showdown findet mitten in einem schrecklichen Eissturm statt.
Mein Eindruck
Man merkt es der Erzählung an, dass die 52-jährige Autorin selbst das "Handwerk" der Hauptfigur ausübt. Temperance Brennan ist quasi ihr Alter ego: eine ungewöhnliche Heldin, wie ich eingangs bereits geschrieben habe. Man folgt ihren Aktionen gerne, selbst wenn dies bedeutet, akribisch genau erstellte Berichte mitlesen zu müssen. Ihre treffenden Beobachtungen von Menschen und Umgebungen entschädigen für so manche Länge. Besonders ihr Humor hat es mir angetan. Da bekommt so mancher frankophoner Frauenfeind sein Fett weg. Und eine Ex-Marinesoldatin "futtert zum Frühstück Nägel".
Die Handlung ist sorgfältig zwischen den zwei Hauptschauplätzen konstruiert. Diese Zweiteilung führt zu einem enormen Kommunikationsaufwand, und so wundert es nicht, dass Tempes blinkender Anrufbeantworter eine unfreiwillige Hauptrolle spielt. Immer wieder habe ich mich gefragt, warum die gute Frau kein Handy besitzt. Es würde ihr vieles erleichtern. Vielleicht sind Handys in den USA teurer?
Diese Zweiteilung erzeugt übrigens eine Reihe von Spannungsbögen, deren längster zugleich der erste ist: Wo liegt Schwester Elisabeth und warum sollte sie möglicherweise nicht seliggesprochen werden können? Dieses Geheimnis lüftet die Autorin gemeinerweise ganz zuletzt.
Sprachlich und stilistisch steht das Buch leider auf dem Niveau eines Dutzendwerkes. Die Sätze sind möglichst einfach und kurz, was sie eben so ungemein lesbar macht: ein Buch zum Verschlingen. Auch der Stil ist sehr einfach gehalten, aber nicht dümmlich. Die Beschreibungen von Mensch und Natur sind genau, detailliert und stimmungsvoll - die Übersetzung fängt die Nuancen gekonnt und stimmig ein, was geradezu eine erleichternde Wohltat ist, wenn ich an gewisse Machwerke denke, die durch die Übersetzung verhunzt wurden.
Fazit
"Knochenarbeit" erfordert keineswegs geistige Knochenarbeit vom Leser, sondern bietet vielmehr erstklassige spannende Unterhaltung - zumindest für Leser, die ein wenig Geduld und Mitdenken aufbringen können.
Inhaltlich führt uns die Autorin vor Augen, dass der Übergang zwischen therapierenden New-Age-Gruppierungen und handfest autoritären Sekten fließend ist und so bindungs- und hilflose junge Menschen durchaus in Lebensgefahr geraten können. Das Phänomen der Sekten ist kein Hirngespinst: In den USA gehören ihnen ständig zwischen drei und fünf Millionen Menschen an.
Und wie man bei dem spektakulären Satanistenmordprozess in jüngster Vergangenheit erfahren konnte, gibt es dieses Phänomen auch hierzulande. Alle seien gewarnt, will uns die Autorin sagen.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: Death du jour, 1999; Blanvalet 2001, Nr. 35393, München; 416 Seiten, EU 8,45, aus dem US-Englischen übertragen von Klaus Berr; ISBN 3-442-35393-9
Geschrieben am: 23. Feb 2003, 12:03 von: mima17
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