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Übersicht > Ausbildung > Wehrersatzdienst
Vorteile: durch Wochenendedienst keine Beeinflussung für den Job, man lernt ne Menge
| Nachteile: lange Verpflichtungszeit(7 Jahre), nicht immer ein leichter Job
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| Eine gute Alternative |
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gut
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Ich kann mich noch dran erinnern, dass ich schon als kleiner Junge unbedingt zur Bundeswehr wollte. Lag vielleicht daran, dass ein Onkel von mir Berufsoldat war, bzw. ist. Und in jungen Jahren hat er mich ein paar mal mitgenommen und mir alles gezeigt. Einmal war ich sogar bei einem Manöver dabei. Im Lauf der Jahre hat sich an dieser Einstellung nichts geändert und als ich irgendwann während der Schulzeit den Termin für meine Musterung bekam war ich hocherfreut. Sogar ein klein wenig enttäuscht, dass ich nur mit 2 gemustert wurde. Aber auf jeden Fall stand zu diesem Zeitpunkt für mich immer noch fest, dass ich Berufssoldat werden will.
Je näher jedoch der Termin für meine Einberufung rückte desto mehr Zweifel kamen in mir hoch ob es wirklich die richtige Entscheidung ist. Und so habe ich ein halbes Jahr vorher einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung gestellt, der glücklicherweise auch anerkannt wurde. Allerdings kam nun das nächste Problem, der Ersatzdienst blieb mir nicht erspart. Da ich bereits einen Ausbildungsplatz sicher hatte kam der Zivildienst für mich nicht in Frage, denn das hätte bedeutet, dass ich meine Ausbildung später beginnen muss, da das Zivildienstsamt mir bereits einen festen Termin für meinen Dienstbeginn zugestellt hatte. Glücklicherweise gab mir ein Freund den Tipp, dass es da ja noch andere Möglichkeiten gibt. So z.B. die freiwillige Feuerwehr oder das THW. Und da bei mir um die Ecke ein Standort des THW war habe ich mich dort einfach mal erkundigt. Und keine 3 Wochen später habe ich meinen ersten Dienstabend bei den Jungs in Blau abgeleistet.
Was ist das THW ?
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Für alle denen die Abkürzung THW nichts sagt will ich erst mal ein paar allgemeine Dinge schreiben. THW steht für das Technische Hilfswerk. Dabei handelt es sich um eine Organisation die dem Innenministerium unterstellt ist und im Katastrophenfall zum Einsatz kommt. Das Aufgabengebiet ist dabei sehr weit gefächert. Von der Sicherung der Unglücksstellen, über die Bergung und Erstversorgung der Opfer bis hin zur Räumung von Trümmern werden alle Aufgaben übernommen. Doch auch im Verteidigungsfall (den wir ja zum Glück bisher noch nicht hatten) kommt das THW zum Einsatz.
Das Haupteinsatzgebiet ist dabei natürlich auf alle Fälle Deutschland, so z.B. der Großeinsatz beim ICE Unglück in Eschede oder auch die Überschwemmungen am Rhein.
Aber auch weltweit kommen spezielle Trupps zum Einsatz. Beispielsweise sind seit vielen Jahren Helfer beim Wiederaufbau im Kosovo und in Bosnien tätig. Oder auch die Trinkwasseraufbereitung in Somalia die viele Menschen vor einem qualvollen Tod bewahrte.
Nach den allgemeinen Infos nun noch etwas zum Aufbau und der Struktur des THW. Bundesweit gibt es mittlerweile 665 Ortsverbände die von 66 Geschäftsführerbereichen verwaltet werden. Diese wiederum sind in 8 Landesverbänden zusammengefasst. Und an oberster Stelle steht die THW Leitung und der Direktor. Schätzungsweise 62000 ehrenamtliche Helfer und rund 900 hauptamtliche Mitarbeiter sind für das THW tätig. Diese hohe Zahl kommt sicherlich dadurch zustande, dass es ähnlich wie bei der Feuerwehr auch beim THW Jugend- und Kindergruppen gibt.
Für wen dies bisher interessant klingt, und wer sich vorstellen könnte seinen Ersatzdienst beim THW zu leisten sollte allerdings noch einiges wissen.
Zuerst muss ein Antrag auf Freistellung vom Grundwehrdienst gestellt werden. Dieser sollte möglichst früh und nicht erst 2 Monate vor Zivildienstbeginn gestellt werden. Wird dem Antrag stattgegeben (dies geschieht durch den entsprechenden Ortsbeauftragten und die Zustimmung der zuständigen Geschäftsstelle) muss man sich für eine Dienstzeit von momentan mindesten 7 Jahren verpflichten. Das klingt auf den ersten Blick wahrscheinlich verdammt viel, vor allem im Vergleich zu den mittlerweile sehr kurzen Wehr- und Zivildienstzeiten. Allerdings ist das THW kein Full Time Job. Abhängig vom Ortsverband hat man so z.B. entweder 1 – 2 mal im Monat einen 8 Stunden Dienst, der meist am Wochenende stattfindet oder, und so war es bei mir, man hat einmal in der Woche nach Feierabend einen 3 Stunden Dienst. Hinzu kommen dann wieder je nach Ortsverband 1 – 2 Jahresübungen die dann meist über ein ganzes Wochenende gehen. Wenn man diese Zahlen hochrechnet erkennt man schnell, dass man zwar zeitmäßig länger gebunden ist, aber im Endeffekt nicht mehr Zeit investieren muss als beim Zivildienst.
Zusätzlich stehen jedem Helfer pro Jahr 6 Wochen Urlaub zu in denen man dann nicht zum Dienst erscheinen muss.
Es ist also durchaus eine Überlegung wert, seinen Ersatzdienst beim THW zu machen. Vor allem wenn man bereits im Berufsleben steckt oder ein Studium angefangen hat. Gesetzlich ist es sogar so geregelt, dass einem Helfer durch seinen Dienst beim Technischen Hilfswerk keine beruflichen Nachteile entstehen dürfen.(© logge) Kommt also mal ein Dienst dazwischen, der in der normalen Arbeitszeit liegt ist der Arbeitgeber verpflichtet den Mitarbeiter freizustellen, außer er legt wert auf eine Klage vom Bund. Ebenso sieht es aus, wenn es zu einem Einsatz kommen sollte der über einen längeren Zeitraum geht. Der Arbeitgeber darf dem Mitarbeiter dann nicht aus diesem Grunde kündigen. Ich würde das THW aber auch nicht als Freibrief sehen um weniger zu arbeiten. Denn jeder Chef kennt bestimmt noch ein paar mehr Gründe sich von einem Arbeitnehmer zu trennen ;-)
In Ausnahmefälle und mit entsprechender Begründung ist auch eine Freistellung vom THW für maximal ein halbes Jahr möglich ohne dass diese Zeit hinten angehängt wird. Jede Freistellung jedoch die über die sechs Monate hinaus geht, verlängert die Gesamtdienstzeit um die entsprechende Zeitspanne.
Sollte man auf die Idee kommen das THW vor Ablauf der 7-jährigen Dienstzeit zu verlassen, muss man damit rechnen, dass entweder das Zivildienstsamt oder die Bundeswehr wieder vor der Tür stehen. Denn die Befreiung durch das THW vom Grundwehrdienst wird in diesem Falle wieder aufgehoben. Ebenso sieht es aus, wenn man während der Dienstzeit den Wohnort wechselt. Gibt es nach dem Umzug keinen Ortsverband in der Nähe oder ist kein Platz mehr frei, hat man ein Problem.
Zu beachten ist ebenfalls noch, dass man den Ersatzdienst nicht vor der Volljährigkeit, sprich dem 18. Lebensjahr beginnen kann. Außerdem darf man nicht älter als 25 sein.
Ausbildung, Aufgaben und sonst ?
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So, für alle die ich bisher noch nicht abgeschreckt habe und die gerne mehr wissen wollen komme ich jetzt einmal zu den Aufgaben und Tätigkeiten die man während seiner Dienstzeit erfüllt.
Am Anfang der Dienstzeit bekommt man ganz normal eine Grundausbildung verpasst. Diese dauert in den meisten Fällen rund ein Jahr. Während dieser Zeit kommt man mit allen Bereichen die im entsprechenden Ortsverband abgedeckt werden in Verbindung. So z.B. Stiche und Bunde, die der Normalsterbliche unter dem Begriff Knoten kennt. Ihr solltet euch jedoch davor hüten irgendwann nach der Ausbildung noch mal Knoten zu sagen. Das ist mehr als verpönt und bei uns im Ortsverband hat dieses Wort jedes Mal eine Runde gekostet ;-). Weiterhin wird man an Geräten wie Presslufthammer, Kettensäge oder Hydropresse ausgebildet. (© logge)Außerdem wurde bei uns noch der Umgang mit Booten vermittelt, da unser Ortsverband glücklicherweise über eben solche verfügte. Auch der richtige Umgang mit Leitern oder einem Feuerlöscher wird vermittelt. Und natürlich gibt es auch eine Einweisung für die entsprechenden Einsatzfahrzeuge die von oben bis unten mit Ausrüstung vollgestopft sind. Ich kann mich noch sehr gut dran erinnern, dass ich diesen Bereich absolut gehasst habe. Bei uns war es immer so, dass wir ein Fahrzeug komplett leer räumen mussten und danach alles wieder am richtigen Platz verstauen mussten. Besonders spaßig wenn man einen Ausbilder hat, der einen jedes mal wieder von vorne anfangen lässt, wenn etwas nicht richtig verstaut wurde.
Je nach Themengebiet ist man nach ein paar Wochen mit den entsprechenden Geräten fertig und der nächste Bereich kann kommen. Natürlich wird man vor dem praktischen Einsatz erst einmal theoretisch geschult.
Bevor man dann irgendwann seine Prüfung ablegt und vollwertiger Helfer wird, folgt in den meisten Fällen noch eine große Übung, die bei uns von Freitag bis einschließlich Sonntag ging. Hier wird von den erfahrenen Helfern auf einem geeigneten Gelände ein Katastrophenfall vorbereitet und die „Frischlinge“ müssen versuchen mit dem bereits erworbenem Wissen die Situation so gut wie möglich zu meisten. Für mich persönlich waren diese Übung zur Prüfungsvorbereitung und auch die sonstigen Wochenendeinsätze immer ein besonderes Highlight. Zum einen konnte man endlich mal so richtig loslegen und noch mehr praktische Erfahrungen sammeln, zum anderen war es immer ein Heidenspaß hinterher das ein oder andere Fass Bier zu leeren ;-)
Teilweise werden diese Übungen auch in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr und / oder dem Roten Kreuz durchgeführt, so dass es sein kann plötzlich vor einer Feuerwand zu stehen oder unter den Trümmern geschminkte „Verletzte“ zu finden.
Sind die Ausbilder dann irgendwann der Meinung, dass man zum Helfer geeignet ist kommt die Prüfung die sich meist über einen ganzen Tag erstreckt. Unterteilt in Theorie und Praxis muss man nun zeigen was man gelernt hat. Und wenn man nicht völlig desinteressiert sollte es auch kein Problem sein diese zu bestehen.
Danach wird man je nach Begabung, teilweise auch nach persönlichem Wunsch einem der Trupps zugeteilt. Hier wird man dann weitergehend ausgebildet und geschult. Teilweise folgen dann auch Schulungen und Fortbildungen außerhalb des eigenen Ortsverbandes. Ich für meinen Teil bin damals in einen unserer Bergungstrupps gekommen und wurde innerhalb dieser Abteilung nach einigen Spezialausbildungen zum Sanitätshelfer. Ähnlich wie bei der Bundeswehr gibt es natürlich auch Rangabzeichen oder Abzeichen für Spezialausbildungen wie eben Sanitätshelfer. Außerdem kann es vorkommen, dass man „befördert“ wird. So kann es im Laufe der Zeit passieren, dass man zum Gruppen-, Trupp- oder sogar Zugführer wird.
Sicherlich werden einige jetzt fragen wie es mit den eigentlichen Einsätzen aussieht. Dazu kann ich nur sagen, dass das abhängig vom Ortsverband ist. In einem kleinen Ortsverband wie dem in dem ich war, passiert eigentlich nicht viel. Ab und zu werden weiterhin die Wochenendeübungen abgehalten. Richtige Einsätze haben wir zumindest während meiner Dienstzeit nie gehabt. Sieht man mal von solchen Aktionen wie Stromversorgung und Parkplatzsicherung bei Open Airs Konzerten in der Nähe ab. In größeren Städten kann es aber durchaus auch zu richtigen Einsätzen kommen wie man ja in Eschede oder am Rhein gesehen hat. Ebenso sieht es mit Auslandseinsätzen aus, meist werden dafür nur Helfer aus den größeren Verbändern angefordert und dann auch nur Freiwillige. Es wird also niemand gezwungen z.B. nach Bosnien zu gehen.
Anders sieht es da schon aus, wenn tatsächlich mal ein Einsatz vor Ort ansteht. In solchen Fällen besteht Dienstpflicht und nur in Ausnahmefällen kann man sich vom Einsatz befreien lassen. Um wieder zu meinem Ortsverband zu kommen, jeder unserer Helfer musste telefonisch oder per Pieper zu erreichen sein und im Notfall innerhalb einer halben Stunde in der Unterkunft sein.
Fazit
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Ich denke mal jetzt sollte jeder einen Eindruck vom THW bekommen haben und vielleicht ist ja der ein oder andere interessiert seinen Ersatzdienst auf diese Art und Weise abzuleisten. Natürlich kann man dem THW auch sonst jederzeit beitreten solange man noch keine 60 ist. Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich damals die richtige Entscheidung getroffen habe. Zwar hat nicht alles Spaß gemacht und ich habe so manches mal geflucht wenn mal wieder bei Schnee und Kälte eine Übung durchgeführt wurde, aber dafür habe ich auch einiges gelernt, was mir auch im normalen Leben von Nutzen ist. Außerdem wird beim THW ähnlich wie bei der Feuerwehr der Begriff Kameradschaft sehr groß geschrieben und ich konnte einige noch immer bestehende Freundschaften knüpfen.
Und wer noch mehr Infos haben möchte soll einfach mal auf der Seite www.thw.de nachschauen. Ich denke mal dort sollten alle noch offenen Fragen geklärt werden.
Geschrieben am: 29. Sep 2001, 11:53 von: Logge
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