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Übersicht > City-Guide > Ausland > Haus der Musik (Wien)

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
absolut interessant mit hohem Spaßfaktor für jeden geeignet

Nachteile:
----




Ein Klangerlebnis der besonderen Art
Bericht wurde 1236 mal gelesen Produktbewertung:  sehr gut
Bericht wurde 2 mal kommentiert Berichtbewertung: 


Wien – Stadt der Musik, Heimat der Staatsoper und der Philharmoniker, Mozart, Beethoven, Strauß lebten und komponierten hier. Was liegt näher, als ein echtes Haus der Musik einzurichten in dieser Stadt? Ein Haus, das die Möglichkeit bietet, Musik, Klänge in ihrer Vielschichtigkeit zu erleben, ein Haus für Menschen, die vermutlich nie den Fuß in eine Staatsoper setzen werden, aber dennoch musikalische Bedürfnisse haben – vielleicht andere. In der Seilerstätte in der Wiener Innenstadt nahe dem Ronacher gibt es dieses Haus – und endlich war ©Homorphus auch dort und hat es sich angesehen, es genossen, war aktiv und passiv dort – und das sicher nicht zum letzten Mal.

Das Gebäude:

Untergebracht ist das Haus der Musik im historischen Palais Erzherzog Carls – und wieder einmal findet man hier ein Beispiel für das Geschick der Wiener Altes mit Modernem zu einem großartigem Gesamtbild zu vereinen. Außen die historische Fassade, innen modern, hell – ein Innenhof mit Glasdach, im Obergeschoss ein Restaurant, das einen traumhaften Ausblick über die Innenstadt direkt hin zum Stephansdom bietet, behinderten gerechte Aufzüge.

Der erste Stock

Im ersten Stock befindet sich das Museum der Wiener Philharmoniker, das wir diesmal ausgelassen haben.

Der zweite Stock

Wir gingen sofort in die zweite Etage – und wurden sofort von einem Erlebnis der besonderen Art empfangen: im ersten Raum der Sonosphere werden die Besucher von einem Klangerlebnis empfangen, das jeder von uns schon erlebt, aber wieder vergessen hat. Das Sinnesrauschen – die Geräusche, Klänge die der Embryo im Mutterleib hört – Körpergeräusche hören, Klangstrukturen empfinden, die original aus einem Mutterleib stammen und kompositorisch erweitert wurden. Faszinierend!
Weiter ging es ins Wahrnehmungslabor – nach genauer Erklärung auf Bildschirmen, wie das Ohr aufgebaut ist und funktioniert, was Schallwellen sind usw. sind auf einer Lichtwand Hörphänomene erlebbar und auf sechs Terminals sind auf Spielebene und Wissensebene Themen wie Tonhöhe, Lautstärke, Raumwahrnehmung, Virtuelle Töne, Shepard-Skala und Zeitdehnung total interessant aufbereitet – Homorphus’ Töchterlein war genauso interessiert und fasziniert.
Weiter geht’s in den nächsten Raum – Phylogenese. Da gibt es die Möglichkeit, mit der eigenen Stimme eine Klanglandschaft zu malen – die Berge des Töchterchens waren wesentlich höher, die eigene Farbe verschiedener Klänge und Töne zu malen. Zusätzlich steht da eine überdimensionale Trommel, ein Über-Kopf-Xylophon. Das Stimmenmeer ist absolut dunkel. Es lässt uns auf eine interaktive Entdeckungsreise durch die menschliche Stimme gehen.
Und weiter ging’s ins Polyphonium – eine Lichtdecke und ein Schallboden bilden eine Schleuse hin zu den verschiedensten Klangerlebnissen – ob das Geräusch einer Dusche, Husten, die Geräuschkulisse einer U-Bahn-Station von Tokio oder eine Affe im Weltraum. Und hier gibt es die absolut tolle Möglichkeit, mit Materialien aus einer Klanggalerie zu experimentieren und das Ergebnis auf eine CD zu brennen. Natürlich nützten wir diese Möglichkeit – wir mischten die Mondscheinsonate mit Meeresrauschen und verschiedene Varianten von Klängen aus dem All – Sonne, Jupiter, Start einer Weltraumrakete… - die eigene Stimme ließen wir aus und so gewisse Menschenklänge/-geräusche auch. Das Ergebnis: uns gefällt’s und vor allem, lange hat uns, Mutter und Tochter, nichts mehr solchen Spaß gemacht, wie dieses Klangexperiment gemeinsam zu erstellen.


Der dritte Stock

Die dritte Etage ist mehr etwas zum Ausrasten. Verschiedene Räume bieten einen Einblick in die Welt großer Musiker – Haydn, Schubert, Mozart, Beethoven, Mahler, Strauß, Berg sind momentan dort zu hören. Ein Audioguide bietet aktuelle Informationen zu dem jeweiligen Standort. Diese Abteilung wird immer wieder umgestaltet, weiterentwickelt. Verschiedene Exponate werden von Museen und Sammlungen ausgeliehen. Spezielle Schallschleußen verhindern, dass die Musik von einem Raum (die ja alle offen sind) in den anderen dringt. Also im Raum von Gustav Mahler erlebet der Besucher nur die Musik Mahlers und vom benachbarten Beethoven-Raum dringt nicht herüber.
Bevor man nun zum virtuellen Dirigenten kommt, durchquert man einen Raum, in dem der ermordeten Künstler des Nationalsozialisten gedacht wird. Ein, meiner Meinung nach wichtiger Raum, der jeden kurz innehalten lassen sollte.
Dann geht es weiter zum virtuellen Dirigenten. Hat jemand von euch schon einmal die Wiener Philharmoniker dirigiert? Homorphus schon – allerdings nicht sehr erfolgreich. Da stand doch tatsächlich einer auf und sagte: „Nein, so geht das nicht. Haben Sie das Stück überhaupt schon einmal gehört?“ Der Besucher hat die Möglichkeit zwischen mehreren Musikstücken zu wählen und den Taktstock zu schwingen. Das Orchester folgt – bis, ja bis es ihm zu viel wird, wenn Takt und Tempo halt so gar nicht stimmen. Der Engländerin, die es nach mir versucht hat, ging es ähnlich wie mir. Naja, dirigieren ist halt doch nicht so einfach.

Der vierte Stock

Aber weiter geht’s, hinauf zur vierten Etage, wobei im Stiegenhaus echte Orgelpfeifen einer Orgel aus dem Stepphansdom hängen.
Zuerst geht es da durch zwei Räume, die der ORF eingerichtet hat. Einerseits gibt es da wahre Schätze aus dem reichhaltigen ORF-Musik-Archiv zu sehen und zu hören, andererseits bietet das House of Sounds Klangobjekte in einem Datennetz, die ein absolutes Eigenleben führen – eine Eldorado für Computerfreaks!
Und dann – The Brain Opera. Da ist Eigeninitiative gefragt – auf die Pauke hauen, alles angreifen ist die Devise. Im Mind Forest stehen verschiedene „Bäume“ – z.B. The Singing Tree: unter einer Klanghaube befindet sich ein Mikrophon. Nun muss man hineinsingen – nur einen Ton oder eine ganze Klangfolge. Je nach dem, wie rein dieser Ton nun ist, entsteht nun wunderschöne Musik oder eine fürchterliche Dissonanz. Der Computer „singt“ zurück. In einem anderen „Tree“ können neue Klänge gespeichert werden, die dann auf einem Chip in einer Slotmaschine wieder im Future Music Blender wieder gehört, gemischt und umgewandelt werden können.
Töchterlein war vom Rhythm Tree absolut begeistert – Das ist so eine Fläche, auf der unheimlich viele verschiedene Gummi-Noppen angebracht sind. Beim Raufschlagen entstehen nun verschiedene Klänge, die den nach dem Zufallsprinzip entstandenen Klangteppich verändern. Je mehr Besucher diesen Tree bearbeiten, desto verschiedenartiger wird natürlich dann auch der Klangteppich.

Dies war noch lange nicht alles, was im Haus der Musik zu sehen, zu erleben, zu hören ist. Ich kann nur jedem Wienbesucher empfehlen – geht dort hin. Ihr werdet begeistert sein, egal ob ihr zu den musikalisch vorgebildeten Menschen gehört oder einfach nur gerne Klänge hört. Dieses Haus bietet Spaß, vermittelt Wissen für Jung und Alt. Die Kinder, die dort herumgeisterten, hatten alle strahlende Gesichter, die Erwachsenen wirkten alle fröhlich. Geht hin, schaut es euch an, es lohnt sich!!!!!!!

Haus der Musik
Seilerstätte 30
Öffnungszeiten: 10.00 bis 22:00 (jeden Tag)
Eintrittspreise: zwischen € 2,00 und € 8.50
Spezielle Kinderführungen und Geburtstagspartys werden angeboten
Zusätzlich gibt es dort jede Menge Events
Wer mehr wissen möchte: www.haus-der-musik-wien.at

Viel Spaß allen Besuchern wünscht Homorphus

PS: Im vierten Stock gibt es noch einen Museumsshop, wo auch die gemachte CD abgeholt und bezahlt werden kann (€ 7,00) und im 5. Stock befindet sich für Hungrige das Restaurant und verschiedene Veranstaltungsräume.


Geschrieben am: 08. Mar 2003, 20:26   von: homorphus



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