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Übersicht > Medien > Bücher > "Knochenarbeit" Kathy Reichs (Taschenbuch, ISBN 3-442-35393-9)

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
Spannend

Nachteile:
ekelig




Eene, meene, miste, wer gammelt in der Kiste?
Bericht wurde 1153 mal gelesen Produktbewertung:  befriedigend
Bericht wurde 0 mal kommentiert Berichtbewertung: 

Es ist zwar schon eine Weile her, seit ich das Buch „Knochenarbeit“ von Kathy Reichs gelesen habe, aber nichts desto trotz möchte ich hiermit meine Meinung über diesen Roman verbreiten.
Nachdem ich den ersten Roman dieser Autorin mit dem Titel “ Tote lügen nicht“ mit atemloser Spannung in einer Nacht durchgelesen hatte, freute ich mich auf den nächsten Teil. Obwohl ich die gleichen Nebenwirkungen, wie Müdigkeit während des nächsten Tages, vermehrte Schreckhaftigkeit und die Flash-Backs der ekeligsten Szenen (ich habe eine blühende Fantasie) fürchtete, wanderte dieses Buch in meinen Einkaufskorb. Wie rund fünfzig Prozent meiner Leselektüre kommt auch diese von einem Kaufhaus-Grabbeltisch und kostete mich nur 2, 29 statt des regulären Preises von 8, 45 Euro.
Den Namen der Autorin hatte ich mir bis dahin nicht gemerkt, aber das Layout mit den sauber aufgereihten Menschenknochen auf grauem Grund war mir in Erinnerung geblieben. So erkannte ich die Fortsetzung problemlos zwischen den anderen Buchtiteln. Denn diesmal zeigt der Einband exakt ausgerichtete Menschen- und Tierknochen in einem dunkelblauen Farbton.
Wie üblich habe ich auch die Rückseite gelesen und mir fiel da noch nicht auf, dass sich die positive Kritik des „Spiegel“ auf das Erstlingswerk von Kathy Reichs bezog.

- „Dieser Thriller berührt und fesselt nicht nur, sondern erzählt auf verstörende Weise von der Macht des Bösen“ Zitat „Der Spiegel“ zu „Tote lügen nicht“
- „Ein brillanter Roman, den man einfach nicht mehr aus der Hand legen kann.“ Zitat von Minette Walters.
Minette Walters ist ebenfalls Kriminalautorin. Die bekannten und bereits fürs das Fernsehen verfilmten Krimis „Im Eishaus“ und die „Die Bildhauerin“ stammen aus ihrer Feder.


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Die Autorin
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Kathy Reichs wurde 1950 in Chicago geboren, studierte an der Northwestern University und ist heute eine von rund 50 anerkannten forensischen Anthropologen in den USA und Kanada. Die Berufbezeichnung „forensisch“ bedeutet in ihrem Fall, dass sie dem Staat bei der Aufklärung von Rechtsfällen ihr anthropologischen Wissen zur Verfügung stellt. Anthropologie ist die Wissenschaft vom Menschen und seiner Entstehungsgeschichte und zu diesem Beruf ist Reichs über ihr Interesse an Archäologie gekommen. Sie arbeitet als Professorin an der Universität von North Carolina und nebenbei noch für das “Office of the Chief Medical Examiner“ in North Carolina und in der kanadischen Provinz Quebec für das „Laboratoire des Sciences Judicaires et de Médecine Légale“. Also eine vielbeschäftigte Frau, die nebenher noch Zeit für ihre Romane findet und eine glückliche Ehefrau und Mutter ist. (Kathy Reichs Aussage in diversen Interviews)
Seit sie berufsbedingt Morddrohungen erhält, versucht sie Details über ihre Familie und deren Aufenthaltsort möglichst geheim zu halten.
Kathy Reichs lässt sich sowohl beim Charakter ihrer Protagonisten, als auch in ihren Geschichten selbst, von ihren eigenen Erfahrungen, ihrem Hintergrundwissen und ihrer Lebenserfahrung leiten. Der geneigte Leser darf sich also fragen, wie viel von Reichs eigener Persönlichkeit in ihren Romanen verarbeitet wird und wo die Fiktion anfängt.
Mit ihrem Debüt-Roman „Tote lügen nicht“ gewann sie 1997 den „Crime Writers of Canada’s Arthur Ellis Award“ für die beste Erstveröffentlichung. Der Roman wurde in mehr als 15 Sprachen übersetzt und war ein großer internationaler Erfolg, der mit „Knochenarbeit“ noch gesteigert wurde.

Alle Bestseller auf einen Blick
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Deutscher Titel Originaltitel Erstveröffentlichung

- Tote lügen nicht Deja Dead 1997
- Knochenarbeit Death du jour 1999
- Lasst Knochen
sprechen Deadly Decissious 2000
- Durch Mark Fatal Voyage 2001
und Bein


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Inhalt
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Dr. Temperance Brennan, kurz Tempe genannt, ist eine Frau in den besten Jahren, freundschaftlich geschieden von ihrem Mann Pete, stolze Mutter einer selbständigen Tochter, Katzenliebhaberin und Ex-Säuferin. Sie hat ihren Lebensmittelpunkt abwechselnd in Montreal und in den Südstaaten, wobei sie ihren Geburtsort Charlotte bevorzugt, schon weil es dort um ein paar Grad wärmer ist.
Da der Papst anlässlich seines Besuches in Kanada eine Nonne selig sprechen will, erhält Tempe den Auftrag die Knochen zu exhumieren. Seltsamerweise ist der Sarg der frommen Frau nicht dort vergraben, wo er laut Bestattungskarte sein sollte und nun beginnt damit für die Gutachterin des gerichtsmedizinischen Instituts ein nervenaufreibendes Puzzlespiel.
Leider werden ihre Nachforschungen im Gottesackerfall unterbrochen, als an anderer Stelle ein Anwesen in der kalten Winterlandschaft Quebecs in Flammen aufgeht. Mehrere Leichen werden in den Ruinen gefunden und Tempe untersucht als forensische Anthropologin die sterblichen Überreste.
Dabei muss sie feststellen, dass dieser Brandfall wieder einmal keine „natürlichen“ Ursachen hat, sondern von Menschenhand gelegt wurde. Schockiert seziert die Leichenbeschauerin Zwillinge im Säuglingsalter, denen das Herz bei lebendigem Leib herausgerissen wurde.
Sind die beiden Kleinen unschuldige Opfer ritueller Kindermorde oder wird sie „nur“ letzter Zeuge einer Familientragödie? Ist hier eine Sekte dabei, sich kollektiv auf Selbstmord vorzubereiten, um einer höheren Macht zu dienen und sich ehrfurchtsvoll für alle Zeiten zu unterwerfen? Fragen über Fragen...
Ein bekannter Soziologe gibt ihr daraufhin wichtige Informationen über die streng hierarchische Lebensführung innerhalb einiger Sekten und deren kultischen Handlungen, die nach festgelegten Normen und diversen Regeln begangen werden.
Temperance Brennan fürchtet schon bald, dass ein charismatischer Sektenführer ein Todeskarussell ungeahnten Ausmaßes in Gang gesetzt hat. Weitere grausame Verbrechen geschehen, bei denen schwangere Mädchen bei lebendigem Leib verbrüht, von Hunden gehetzt und zu Tode gebissen, Menschen mit Drogen vollgepumpt und mit Einschusslöchern im Schädel versehen werden.
Zudem hat Frau Doktor privat ebenfalls nicht viel zu lachen. So taucht ihre ausgeflippte, exaltierte kleine Schwester plötzlich bei ihr auf und verschwindet spurlos. Und umgekehrt verschwindet die Nichte einer befreundeten Nonne und ist ein paar Tage später erklärungslos wieder da. Tempe wird nächtens brutal überfallen, ihre Katze Birdie gemeuchelt und ihre Wohnung in Brand gesteckt. Auch geht ihr die flirtende, unromantische Kabbelei mit ihrem polizeilichen Kollegen, dem Detective Andrew Ryan zeitweise auf die Nerven.
Als paradiesischer Zufluchtsort erweist sich daraufhin die von der Außenwelt abgeschottete Forschungsinsel eines alten Freundes. Aber selbst auf dieser Insel des Friedens stolpert Tempe im wahrsten Sinne des Wortes über den Tod und langsam schleicht sich die Erkenntnis ein, dass sowohl die brutalen Verbrechen der letzten Zeit und auch ihre privaten Sorgen nur verschiedene Teile eines größeren Komplotts sind.


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Persönliche Meinung
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Kathy Reichs Roman „Knochenarbeit“ ist ein grundsolider Krimi, der nicht gerade zimperlich mit seinen Lesern umgeht.
Die Autorin versteht es, die Neugier auf ihre Arbeit zu wecken. Trotz aller Detailfreude in der Beschreibung von Opferzuständen, hatte ich nie das Gefühl, dass die Leichen bloße Staffage sind und einzig und allein einer hohen Mordrate dienen. Diese Menschen sind nicht umsonst gestorben, sie klären von sich aus die Frage, was dachte und tat diese Person in den letzten Tagen ihres Lebens. Immer wieder fasziniert, wie das wissenschaftliche Interesse und die professionelle Routine Tempe das Unbehagen über den Tod, seine grausigsten Bilder und Gerüche überwinden lassen. Wer schon immer wissen wollte, wie verkohlte Leichen riechen und das Babyknochen leider zu zerbrechlich zum Auskochen sind, ist hier voll und ganz an der richtigen Adresse.
Der Leser folgt bestimmt voller Spannung der Metamorphose von Schmeiß-, Stuben- und Käsefliegen und erfährt so allerhand Nützliches. Ich habe mir gemerkt, in welcher Reihenfolge sie einen Menschen zersetzen und das Käsemaden, als Abwehrreaktion das neunzigfache ihrer Körperlänge springen können. Kann ich bestimmt mal bei Günther Jauch gebrauchen.
Wem jedoch schon bei „Quincy“ vor Schockzuständen nachts kein Auge mehr zu macht, sollte die ein wenig makaberen Temperance-Brennan-Romane meiden.
Mit einer durchweg positiven Beurteilung habe ich aber so meine Probleme. Es stimmt schon, der Roman ist streckenweise sehr spannend und die Figur der Gerichtsmedizinerin ist ein sympathischer, humorvoller Charakter, aber für einen „Sonderklassen“-Status reicht das nicht. Dafür fallen mir einfach zu viele negative Punkte auf, die ich beim besten Willen nicht ignorieren kann.
Gestört haben mich die vielen sogenannten „Cliffhänger“, also Szenen, die an der spannendsten Stelle unterbrochen werden, um irgendwann im Laufe der Geschichte weitergeführt zu werden. Na gut, einmal kann man diesen Kniff benutzen, aber ständig? Und ganz besonders hat mich der erste Hänger oder harte Schnitt gestört, der zwar immer wieder hervorgeholt wurde, aber erst am Schluss von Bedeutung war und nicht mal eine sonderlich originelle Auflösung bot.
Des weiteren war der gesamte Plot viel zu konstruiert. Diese Montage ist zu einfach gestrickt, um wirklich neugierig zu machen. Dass Tempes Schwester in Gefahr gerät, ahnt man schon bei ihren ersten Auftauchen. Diese Ahnung wird von der Autorin auch noch durch äußerst plumpe Andeutungen verstärkt. Das „Teenagergefummel“ mit dem Polizisten Ryan ist auch nicht sonderlich überraschend und dass sie letztendlich ihrem eigenen Tod in die Augen sehen muss, hat mich dann auch nicht mehr gefangengenommen. Enttäuschenderweise lag das treibende Moment der Geschichte nicht in ihrer Arbeit, sondern wurde Zufällen und privaten Problemen überlassen.
Irgendwie scheint Kathy Reichs weder Zeit noch die rechte Lust für diesen Roman aufgebracht zu haben, denn große Teile wirken wie ein Oberstufenkurs in Soziologie und die Auflösung kommt fast als simple Aufzählung daher. Handlungsfäden werden nicht weitergesponnen, sondern mit einer knappen Erklärung abgetan. Warum konnte sie diesen Krimi nicht „ordentlich“ zu Ende bringen und überarbeiten, um die Brillanz ihres Erstlings zu erreichen? Ich weiß es nicht Nur soviel ist mir klar: Das Zitat des Spiegel bezog sich zurecht nur auf „Tote lügen nicht“ und keinesfalls auf den Nachfolger.


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Wissenswertes
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- Titel: Knochenarbeit
- Originaltitel: Death du Jours
- Autor: Kathy Reichs
- Verlag Deutschland: Karl Blessing Verlag GmbH, München
- Taschenbuchausgabe: Goldmann Verlag unter dem Namen Blanvalet
- Verlag USA: Scibner, New York
- Taschenbuchausgabe: Januar 2001
- Übersetzer: Klaus Berr
- ISBN 3-442-35393-9
- www.blanvalet-verlag.de



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Randbemerkung
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Neugierig wie ich nun mal bin, habe ich nachgesehen, ob der ungewöhnliche Vorname „Temperance“ eine Bedeutung hat. Fündig geworden bin ich in einem normalen Wörterbuch. Temperanz bedeutet ganz einfach (Nomen est omen!) Mäßigkeit im Alkoholgenus.
Falls jemand nicht genug bekommen kann von Maden, Puppen und Larven, noch ein Tipp. Ich kann folgende Internetseite empfehlen: www.schädlinge.online.de. Da gibt’s äußerst plastisch eine insektenkundliche Begutachtung in Faulleichenfällen.

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Verfilmung
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Nein, diesen Roman möchte ich nicht verfilmt sehen. Auch als Spielfilm wäre die Geschichte immer noch arg konstruiert. Auch kann ich mir nicht vorstellen, dass das Sezieren von Leichen und die brutale Darstellung von Mordfällen eine Jugendfreigabe ab 6 Jahren bekommt. Als B-Movie oder für die Gemetzel-Szene ist die Vorlage aber zu schade.


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Fazit
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Das Buch lohnt sich zu lesen, trotz meiner Meckerei. Denn für einen Krimi ist es immer noch von sehr guter Qualität.
Die nächsten beiden Bände werde ich mir auch kaufen. Aber wahrscheinlich warte ich, bis ich sie für einen günstigen Preis auf dem Grabbeltisch entdecke.
Wie Teil drei auf dem Einband aussieht, weiß ich schon: Knochen hängen an einer Wäscheleine und der Farbgrund ist diesmal in altrosa und beigen Tönen gehalten.


Geschrieben am: 18. May 2003, 16:57   von: Rebba



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