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Übersicht > City-Guide > Ausland > Casablanca

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
Ein Bauwerk mit "AHA-Efekt". Touristische Attraktion, sehenswert.

Nachteile:
s. Bericht




Die MOSCHEE des HASSAN II. in Casablanca
Bericht wurde 2648 mal gelesen Produktbewertung:  sehr gut
Bericht wurde 1 mal kommentiert Berichtbewertung: 


Ist es wirklich ein Gebetshaus ?, oder ....

... nur ein Denkmal für den Erbauer?

Was ist eine Moschee?
Eine Moschee ist das Zentrum jeder Islamischen Gemeinde; ein Gebetshaus, der Treffpunkt aller Muslime zum religiösen und zwischenmenschlichen Erfahrungsaustausch untereinander und mit Allah (Gott).

Die zweitgrößte Moschee, die es auf diesem Erdball gibt, steht in Casablanca. Es ist die Moschee des Königs Hassan II., die 1993 zum Geburtstag des Propheten Mohammed eröffnet wurde.

Als ich vor wenigen Wochen vor diesem Bauwerk stand, bekam ich den Mund vor Staunen nicht mehr geschlossen.
Superlative wie bombastisch, gigantisch, phänomenal, überragend scheinen zu verblassen und lassen sich in einem einzigen Wort zusammenfassen: Mammutbauwerk!

Größenwahn? Eigentlich ein negatives Wort. Doch bei genauer Betrachtung der Umstände, unter denen dieses - nach der Moschee in Mekka - zweitgrößte Bauwerk im Islamischen Glaubensraum geschaffen wurde, könnte man dem Ausdruck „Größenwahn“ durchaus zustimmen, obwohl die Beweggründe, warum Hassan II. diese Moschee bauen ließ, aus seiner Sicht bestimmt ehrbar und absolut glaubensverbunden waren.

Schon aus der Luft - beim Anflug auf Casablanca - sichtet man das gigantische Bauwerk.
Steht man aber erst davor und erkundet man die religiösen und weltlichen Gegebenheiten, die damit verbunden sind, erkennt man ihr „göttliches Format“.

Schon die Einzeldaten zum Bau dieses islamischen Kunstwerkes lassen einen erzittern vor diesem modernen Gigantismus:

Größe des gesamten Moscheebereiches: 90.000 m²
zum Komplex gehören:
eine islamische Schule,
Hamams (türkische Bäder),
Schwimmbäder,
ein Museum über marokkanische Geschichte,
Konferenzräume,
eine Bibliothek, die via Satellit mit den größten Bibliotheken der Welt verbunden ist.

Der Gebetssaal in der Moschee fasst 25.000 Gläubige, weitere 80.000 finden auf einer Gebetsplattform außerhalb der Moschee Platz. Der gesamte Platz ist in Marmor ausgelegt und immer absolut blank und sauber. Kein Unrat und kein Schmutz darf den Vorhof zu Allahs Reich verunstalten.
Die Spitze des 200 m hohen Minaretts krönen drei, zusammen 3.700 kg schwere Goldkugeln, deren größte einen Durchmesser von 3,8 m hat.
Jede Seite des quadratischen Minaretts ist 25 m breit und kunstvoll mit arabischer Ornamentik dekoriert.
Ein Aufzug führt nach oben und erschließt eine prachtvolle Aussicht auf die Stadt und den Atlantik.

Der Moscheebereich hat 25.000 Säulen und 124 Brunnen.
Aus dem ganzen Königreich kamen über 3.300 Handwerker, um dieses 20.000 m² Grundfläche messende Monument auf Pfählen zu erbauen.
Insgesamt wurden 10.000 m² kunstvoll glasierte Mauerverzierungen angelegt, 67.000 m² Stuck und 53.000 m² Holzschnitzerein herausgearbeitet. All das im typisch marokkanischen Stil, der von seinen gestaltenden Handwerksmeistern einen sehr hohe Grad an vorhandener Kunstfertigkeit abforderte.

Das Dach des Haupthauses lässt sich öffnen, so dass die betenden Muslime das Gefühl haben, direkt mit Allah in Verbindung zu stehen und direkt in sein „Reich“ blicken. Mit einem gigantischen, normalerweise auf Mekka ausgerichteten Laserstrahl leuchten die marokkanischen Geistlichen bis 3 km aufs Meer hinaus und erfassen mit ihrem Lichtstrahl alles, was sich innerhalb dieses Lichtkegels bewegt.

Das Innere der Moschee wird geprägt von 2 ca. 30 cm m breiten Waschungs-Becken, die, wie sollte es auch anders sein, kunstvoll mit steinernen Ornamenten in Marmor ausgelegt ist. Die Kanäle öffnen sich am Kopf des Gebetsraumes in ein dreieckiges Becken, welches den Betrachter durch die dort installierten Glasscheiben bis auf den Meeresgrund hinabblicken lässt.
Die Kanäle verlaufen mittig im Gebetsraum. Rechts und links davon finden die betenden Muslime auf teppichbelegtem Boden Platz. Die Galerien links und rechts des großen Gebetsraumes bieten zusätzlich Platz für viele Gebetswillige. Sie sind über reich verzierte Treppenaufgänge u.a. auch durch Rolltreppen zu erreichen.
Im gesamten Innenbereich der Moschee ist Handarbeit großgeschrieben. Alles was funkelt, glänzt und den Zuschauer in unermessliches Erstaunen versetzt, ist von Hand angefertigt. Die bewegliche Decke ist in mehreren Abstufungen mit wertvollen, handgeschnitzten Holzarbeiten ausgestattet. Wände und z.T. auch Böden sind dekoriert mit wertvollen Teppichen und Fliesen, die mit islamischer Kalligrafie versehen sind, inhaltlich Zitate aus dem Koran.
Da der Islam die bildliche Darstellung von Menschen und Tieren verbietet, schmückt man die Moscheen mit wundervollen Inschriften und abstrakten Mustern, die oft der Pflanzenwelt entnommen sind. Besondere Berücksichtigung bei solchen Schmuckarbeiten finden Türen und Mihrabs (Gebetsnischen).
Die Wände an den Längsseiten der Moschee sind überwiegend gläsern, in Verbindung mit reich verzierten Ornamenten und kunstvollen Rahmen. So wird das Innere ausreichend mit Tageslicht erhellt.

Natürlich gibt es auch Bereiche, in denen „Ungläubige“ keinen Zutritt finden. Um diese nicht unabsichtlich zu betreten und damit ungeahnte Schwierigkeiten für sich heraufzubeschwören, empfehle ich unbedingt, das Innere der Moschee mit einem geschulten Führer zu erkunden. Hierfür bietet die Moschee-Leitung Führungen an, die in verschiedenen Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Arabisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch u.a.) geleistet werden. Eine Führung kostet 100 Dirham pro Person (etwa 20 DM).

Um auf meine Überschrift zu diesem Bericht zurückzukommen, möchte ich an dieser Stelle folgendes anmerken:
Aufgrund vieler Gespräche mit Einheimischen hat sich für mich herausgestellt, dass diese Moschee nicht so ganz unumstritten bei der Bevölkerung Marokkos und Casablancas ist. Hat der Erbauer der Moschee, König Hassan II. es doch seinerzeit für erforderlich gehalten, jeden marokkanischen Bürger dazu zu verdonnern, seinem Einkommen und Stand entsprechend eine finanzielle „Spende“ zu leisten. Ist er diesem „Spendenaufruf“ nicht nachgekommen, drohte ihm Strafe, ja sogar Gefängnis.
Aus diesem Grunde ist es schon verständlich, dass die Herzen der marokkanischen Menschen nicht sooo innig mit diesem Bauwerk verbunden sind.

Letztendlich sind es aber die Menschen, die dieser Moschee mit all ihrer Hingabe, Kunst und Technologie Größe und Schönheit verliehen haben.

Wer die Möglichkeit hat, Casablanca einmal zu besuchen, der sollte unbedingt diesen Prestigebau von König Hassan II. besichtigen. Es lohnt sich!!

Euer: K.B.

04.11.201



Geschrieben am: 04. Nov 2001, 11:11   von: gfbeck



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