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Übersicht > Haus > Elektrogeräte > Kleingeräte > Feuerzange

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
Tolle Idee für die Weihnachtszeit

Nachteile:
Die Kopfschmerzen danach




Die Feuerzangenbowle
Bericht wurde 933 mal gelesen Produktbewertung:  sehr gut
Bericht wurde 2 mal kommentiert Berichtbewertung: 

Beim Einräumen der gespülten Bestecke ist mir wieder einmal meine WMF Feuerzange zwischen die Finger gefallen. Ein richtiges Mistding, denn es nimmt dusseligerweise recht viel Platz in einer Schublade ein. Also – wieder einmal – das Ding in eine andere Schublade umsortiert, wo es wahrscheinlich in wenigen Tagen, beim Einräumen einer Schöpfkelle oder so, wieder für Ärger sorgen wird.

Die Feuerzange hat eine eigentümliche Form, etwa in der Art eines Schuhlöffels für Riesenstiefel, mit einem Schlitz in der Mitte. Sinn und einziger Zweck dieser Konstruktion ist einen Zuckerhut aufzunehmen und über einem Topf platzieren zu können, so daß der Zuckerhut fast waagerecht über dem Topf gehalten wird.

Wozu sollte jemand einen Zuckerhut ÜBER einen Topf halten sollen? Und wozu ist der Schlitz? Diese Fragen sind relativ leicht zu beantworten, aber lasst mich zuerst etwas zur Historie dieser speziellen WMF Feuerzange erzählen.

Mein erster Kontakt mit einer Feuerzange war während meiner Studienzeit. Die Arbeitsgruppe, in der ich meinen HiWi Job hatte, hatte die schrecklichschöne Angewohnheit einmal im Jahr zu einer Weihnachtsfeier zu laden. Zu dieser Weihnachtsfeier wurde traditionell eine Feuerzangenbowle bereitet, was – wie sich jeder Mitwirkende bestimmt gerne erinnert – zuerst sehr gemütlich, dann feucht-fröhlich, und mit jeder verstreichenden Stunde und mit jeder neu aufgesetzten Feuerzangenbowlen zu einem hemmungslosen Saufgelage ausartete.

Das war eigentlich nicht so schlimm, aber da zu dem ganzen Rum verwendet wird und das nicht zu knapp, wurde der ungeübte Weihnachtsfeierteilnehmer zweimal schwer überrascht: Zum einen auf dem Nachhauseweg, der sich – wenn überhaupt – nur noch auf allen Vieren oder im Taxi zurücklegen ließ. Und zum anderen am nächsten Morgen, wenn man verzweifelt versucht sich zu erinnern, was denn eigentlich gestern alles passiert ist und vor allem, woher diese fürchterlichen Kopfschmerzen wohl stammen könnten.

Nachdem ich mehrere Jahre hintereinander an diesen Weihnachtsfeiern teilnehmen durfte, war mein Studium irgendwann beendet und damit eine Lücke in meinen Weihnachtsgewohnheiten entstanden. Da ich mit Lücken nicht so gut umgehen kann, habe ich meine Freunde davon überzeugt, daß eine Weihnachtsfeier ohne Feuerzangenbowle doch keine richtige Weihnachtsfeier ist.

Damit waren natürlich alle einverstanden – sie wussten ja noch nicht, was auf sie zu kommt – womit die Ob - Frage geklärt war. Über die Wo – Frage wurde man sich auch schnell einig, wodurch als einziges die Wie – Frage noch zu klären war. Die benötigten Zutaten hatte ich noch einigermaßen im Kopf, so daß der Einkaufszettel schnell geschrieben war. Als einziger offener Punkt stand noch die Besorgung der Feuerzange auf dem Programm.

Da bis zu diesem Zeitpunkt noch keiner meiner Freunde eine Feuerzange gesehen hatte, machte ich mich auf den Weg:

Zuerst mal bei Karstadt vorbeischauen – nichts. Okay, dann eben im Hertie – auch nichts. Woolworth auch Fehlanzeige. Ein Blick auf den Kalender sagte mir, daß es sich um die Weihnachtszeit handelte. Der Blick in die Gesichter der Verkäufer sagte mir, daß der Weihnachtsumsatz dieses Jahr klasse war und vor allem Feuerzangen gingen wie warme Semmeln, oder besser heißer Glühwein.

Zum Glück hatte ich schon Urlaub. Von Geschäft zu Geschäft eilend, mit immer länger werdendem Gesicht, suchte ich nach einer Feuerzange. Längst hatte ich die gesamte Innenstadt mehrfach durchquert. In jedem Laden, auch wenn vorne dran stand „Metzger“ oder „Eis-Café“, war ich mindestens einmal drin. Aber keiner konnte mir helfen.

Nach etwa 6 Stunden gab ich auf. Ich konnte einfach nicht mehr hören: „Ausverkauft“, oder „Haben wir nicht“, oder noch schlimmer „Was soll das denn sein?“. Ich machte mich auf den Heimweg, um den Freunden meine Niederlage einzugestehen.

Doch was war das? Ein Geschäft, an dem ich bisher immer achtlos vorbei gegangen war, weil es sehr klein und außerdem in einer Seitenstraße lag. Die Buchstaben WMF zierten die versteckten Schaufenster und vor der Eingangstür ein Grabgestell mit Messern und anderen Küchenhelfern.

Ich ging hinein, ohne größere Hoffnung, und fragte vorsichtig nach einer Feuerzange. Und tatsächlich fand sich noch eine. Die allerletzte aus der heutigen Lieferung und Nachschub nicht mehr vor den Feiertagen. Der Preis lag um die 20 DM, was mir zu dem Zeitpunkt wie das günstigste Schnäppchen aller Zeiten vorkam.

Mit diesem Schatz ging ich dann nach Hause. Weihnachtsstimmung gerettet!

Die Weihnachtsfeier war übrigens ein voller Erfolg. Zwar musste ich für den Zuckerhut auch noch 3 Supermärkte abklappern, aber was war das schon.

Am morgen nach der Fete fragte mich der Hausherr doch tatsächlich, was ich für die Feuerzange bekomme! Meine Antwort „Die ist leider unbezahlbar und deshalb unverkäuflich!“ hat er irgendwie dann doch verstanden und somit wanderte die Feuerzange in die besagte Schublade. Einmal im Jahr, natürlich zur Weihnachtszeit, wird sie herausgenommen und verwendet. Danach kommt sie blitzsauber wieder in die Schublade.


Wer bis hierher ausgehalten hat, oder eben nur bis hierher runtergeblättert hat, kommt dafür in den Genuss eines Rezepts für eine Feuerzangenbowle:

Zutaten für einen Topf:

1 WMF Feuerzange
1 Stövchen oder Warmhalteplatte
1 großer Topf (mindestens 6 l fassend)

4 l Rotwein
1 Zuckerhut
0,5 l Rum (über 50% !! z.B. Der Gute Pott) auf Zimmertemperatur oder leicht angewärmt (Flasche an die Heizung stellen)
2 Orangen
2 Zitronen
2-3 Zimtstangen
2-5 Anis Sterne
5-10 Gewürznelken

Den Rotwein in den Topf geben.

Die Zitronen und die Orangen werden in Scheiben geschnitten und zusammen mit den kleingebrochenen Zimtstangen und den Anis Sternen und Gewürznelken dem Rotwein zugegeben.

Das ganze auf niedriger Stufe erhitzen (nicht kochen!!) und dann zum Warmhalten auf das Stövchen stellen. Das ganze auf einer feuerfesten Unterlage im Partybereich so platzieren, daß alle darum herum sitzen können. Einen Lappen zum Löschen bereit legen, sollte doch einmal etwas brennender Rum außerhalb der vorgesehenen Stellen landen ;)

Die Feuerzange auf den Topf platzieren und einen Zuckerhut drauflegen.

Das Licht löschen !!

Ein wenig Rum aus der Flasche über das dicke Ende des Zuckerhuts geben und mit einem Feuerzeug anzünden (bitte kein Streichholz oder Kerze oder ähnliches verwenden – Asche oder Wachs könnten in den Topf fallen).

Das Anzünden ist nicht so einfach. Am besten geht es wirklich, wenn der Rum etwa Zimmertemperatur hat. Der Rum muß unbedingt mehr als 50 % Alkohol haben, sonst brennt er fast gar nicht.

Nicht zuviel Rum nehmen, sondern immer nur soviel, daß der Zuckerhut den Rum aufnehmen kann und so, daß nicht das meiste schon so im Topf landet.

Der Rum brennt mit schönen Lichterscheinungen und karamellisiert dabei so langsam den Zuckerhut. Immer wieder Rum nachgießen, so daß die Flamme erhalten bleibt. Nicht erschrecken, wenn die Flamme in die Flasche kriecht, oder der in den Topf geflossene Rum weiterbrennt. Das gehört alles dazu (den Flaschendeckel kurz auf die Flaschenöffnung gedrückt, löscht das Feuer darin sofort).

Bei sparsamer Verwendung reichen 0,5 l Rum für einen Zuckerhut. Man kann natürlich auch mehr nehmen, was sich aber nur für Kampftrinker empfiehlt.

Sobald der Zuckerhut komplett geschmolzen und im Topf versunken ist, kann die Bowle (gerne auch gefiltert) in Teebechern, hitzebeständigen Glastassen oder ähnlichem serviert werden. Die Fruchtscheiben können natürlich mit verzehrt werden, schmecken aber nicht so besonders ;)

Der Alkoholgehalt ist gewaltig und der Zucker tut sein bestes dazu. Bei übermäßigem Genuss, vor allem in Verbindung mit anderen Getränken ist es dringendst abzuraten ein Fahrzeug zu führen, bevor man nicht 24 h keine Feuerzangenbowle mehr gehabt hat. Üblich ist auch der typische Blackout nach Verlassen der Fetenwohnung, somit sollten Gepäckstücke vorher sicher deponiert werden, damit diese nicht auf Bushaltestellen oder in Bahnhöfen verloren gehen.

Die idealste Lösung ist, daß alle beim Gastgeber übernachten und morgens gemeinsam alles mögliche unternehmen, um den Kater wieder loszuwerden. Rezepte dazu gibt’s allerdings erst in einem der nächsten Beiträge;)

Nein, Anfragen nach meiner WMF Feuerzange sind von vorneherein zwecklos, egal zu welchem Betrag ;)


Geschrieben am: 16. Oct 2001, 17:45   von: ahornetz



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