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Übersicht > Familie > Eltern

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
Lebensbewältigung

Nachteile:
Die Schwierigkeit über ein Tabuthema zur rechten Zeit zu sprechen




Der Tod der eigenen Eltern
Bericht wurde 1137 mal gelesen Produktbewertung:  sehr gut
Bericht wurde 10 mal kommentiert Berichtbewertung: 

Wie geht Ihr damit um? Das hätte ich doch gern mal gewusst!


PROLOG
°°°°°°°°

Habt Ihr mit Euren Eltern - wenn sie noch leben sollten - schon einmal darüber gesprochen, was geschehen soll, wenn sie pflegebedürtig werden, wenn sie im Sterben liegen, wenn sie tot sind?

Ein Tabu? Ein Thema, das nicht hierher gehört? Ich meine: Ganz und gar nicht!

Eure Meinung dazu würde mich brennend interessieren.


INTRO
°°°°°°

Welche Erfahrungen habe ich dazu gemacht?

Ich erinnere mich: Ich fragte meine Mutter so etwa vor 10/12 Jahren, ob sie sich auf Ihren Tod hin irgendwie Gedanken gemacht hätte. Was erwartete sie von mir? Welche Vorstellungen und Wünsche hätte Sie? Das alles war mir wichtig zu wissen.

Es kam zu einer katastrophalen Situation: Sie fing an zu weinen und ich machte mir damit unausgesprochene Vorwürfe; ich hatte ein extrem schlechtes Gewissen, wie einer, der sich den Tod der Mutter herbeigewünscht hätte... Ich fragte mich: Habe ich zu bedrängend an etwas bei ihr gerührt, mit dem sie noch lange nicht fertig war?


ZUR SACHE
°°°°°°°°°°°

Das alles wollte ich natürlich nicht und es tat mir selbstredend unendlich leid.

Jahre später: Meine Mutter kam völlig unerwartet auf das Thema (ihr eigener Tod) zu sprechen und teilte mir ihre Wünsche und Erwartungen mit. Ich war platt!

Demnach sollte ich sie – wenn sie pflegebürftig geworden sei – in ein Pflegeheim, das wir vorher zusammen ausgewählt hätten, in meine Nähe bringen lassen. Ich solle sie ab und zu besuchen und für ihre Beerdigung sorgen. Ich solle sie in einem Gottesdienst würdig beerdigen.

Das war wie ein Befreiungsschlag aus einer Sackgasse, aus einer ausweglosen und bedrängenden Situation. Wir beiden waren anschließend dermaßen erleichtert, dass wir uns um den Hals fielen und vor Freude weinten.

Endlich war es ausgesprochen und der bedrohliche Tod irgendwie gebannt. Er hatte seinen Schrecken, der immer in der Unfähigkeit, über ihn zu reden, verschlossen ist, verloren.

Der Tod, das Sterben zuvor, das Leid und die Qual eines zu Ende gehenden Lebens hatte einen Namen. Und alles, was einen Namen hat, hat seine Bedrohlichkeit und seine Macht verloren, dachte ich danach.

Was mir meine Mutter dann zeigte, war phänomenal. Sie beschloß zu leben. Und zwar so, dass sie alles das nachholen wollte, was sie sich bisher erträumt und noch lange nicht in die Tat umgesetzt hatte: Sie kaufte sich eine Wohnung in Spanien.

Dort lebt sie sieben bis acht Monate im Jahr - und das bereits seit über zehn Jahren. Sie macht von dort aus Reisen nach Portugal, Nord-Afrika und natürlich auch in die Heimat. Sie lädt ihre Kinder und Enkel ab und zu sich an die Costa Blanca ein – was wir auch gern annehmen.

Sie lebt einfach nach ihren Bedürfnissen – solange es geht und so gut es geht. Inzwischen ist sie 77 Jahre alt und trotz ihrer Hüftbeschwerden körperlich und geistig sehr agil und mobil. Das ist schon sehr bewundernswert, vorbildlich und freut die ganze Sippe.

Mein Vater ist schon lange tot. 1972 verstorben mit 44 Jahren. Ich vermisste ihn sehr lange und bedaure es noch heute, dass ich mit ihm nicht so wie mit meiner Mutter über den eigenen Tod, über das eigene Vergehen und Sterben sprechen konnte.

Mir ist es heute so, als ob ich das alles mit meiner Mutter nachholen konnte. Und darüber bin ich sehr froh.

Wie geht es Euch damit?


VORLÄUFIGES FAZIT
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°

Alles hat seine Zeit, heißt es im Buch des Predigers. Das Sterben, das Leben, das Hassen, das Lieben.

Ich füge hinzu: Auch das Reden über den Tod mit den eigenen Eltern, über den eigenen Tod hat seine Zeit.

Es ist aber nicht immer der rechte Zeitpunkt. Er will gut gewählt und erspürt sein. Er muss vor allem frei sein von Zwang, (wirtschaftlichen) Interessen und psychischem Druck. Dann kann es gelingen, wie es uns gelungen ist.

P.S. Wie es denn letztendlich sein wird mit der Pflege, mit dem Sterben, mit dem Tod, das wissen wir natürlich auch nicht im voraus im Detail. Wir haben nur einfach das Gefühl, das Beste und Menschenmögliche dafür im Vorfeld getan zu haben, um uns gut darauf vorzubereiten.

Wie wollt ihr es damit halten? Hand auf's Herz!


Geschrieben am: 20. Feb 2003, 23:08   von: Reve



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