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Übersicht > Medien > Bücher > Buchtitel
Vorteile: Rückgrat stärken
| Nachteile: wenig bekannt
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| Der Fall Glasenapp - Heym, Stefan |
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Bericht wurde 1136 mal gelesen
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Produktbewertung:
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sehr gut
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Bericht wurde 2 mal kommentiert
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Berichtbewertung:
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Ich hab ihn sehr gemocht und mag ihn natürlich immer noch - diesen Stefan Heym.
Gerade mit 88 Jahren in Israel verstorben – ein enormer menschlicher Verlust für mich, für unser Land, für die Literatur.
Ich bin ihm nie persönlich begegnet, habe aber seinen Lebenslauf beharrlich verfolgt, seit ich als junger Student seinen schmalen historischen Krimi ‚Der Fall Glasenapp’ las (Reinhard Heydrich - der SS-Reichsprotektorats-Führer in der Tschecheslowakei fällt einem Attentat von Freischärlern zum Opfer)
Das war der Anfang einer langen literarischen Liebe.
Über den König-David-Bericht, den Ahasver, Collin, Lassalle, Wege und Umwege, etc. habe ich so einiges von ihm verschlungen.
Nie verzeihen werde ich ihm die Kandidatur für die PDS in Berlin-Prenzlauerberg (Damals hat er sogar den jetzigen Bundestagpräsidenten Thierse in der Wahl hinter sich gelassen.)
Na ja, was so ein ehemaliger kritischer und der Menschenwürde verpflichteter SED-Sozialist mit Rückgrat und Zivilcuorage alles geleistet hat, das flößt mir aber doch schon Ehrfurcht ein.
Aber erst mal seine Bücher, seine Lesungen, sein Stimme...
Deshalb hier etwas zu seiner Person:
1913
Am 10. April wird Stefan Heym, alias Helmut Flieg in Chemnitz als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren.Er besucht das Chemnitzer Gymnasium, das er wegen eines antimilitaristischen Gedichts 1931 verlassen muss.
1932
Er macht das Abitur in Berlin und schreibt erste Beiträge für verschiedene Berliner Zeitschriften, unter anderem für Ossietzkys "Weltbühne". Studienbeginn der Philosophie, Germanistik und Zeitungswissenschaften in Berlin.
1933
Zu Beginn der Nazi-Herrschaft nimmt er aus Rücksicht auf seine Familie das Pseudonym Stefan Heym an und flieht nach Prag, wo er als Journalist für deutschsprachige und tschechische Zeitungen arbeitet.
1935
Sein Vater begeht Selbstmord, andere Familienmitglieder kommen später in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten ums Leben. Stefan Heym siedelt in die USA über und beendet seine Studien 1936 an der Universität von Chicago mit einer Magisterarbeit über Heinrich Heine – d e m deutschen Literaten jüdischer Herkunft des 19. Jhdts..
1937-1939
Er agiert als Chefredakteur der antifaschistischen New Yorker Wochenzeitung "Deutsches Volksecho".
1938-1940
In diesen Jahren wirkt er als Mitglied der German-American-Writers-Association.
1942
Stefan Heym veröffentlicht seinen ersten Roman "Hostages" (dt.: "Der Fall Glasenapp" 1958).
1943
Aufnahme in die us-amerikanische Armee und aktiv als Sergeant für psychologische Kriegsführung während der Invasion in der Normandie 1944 durch die Alliierten.
1945
Mitbegründer der Zeitung "Neue Zeit" in München.
Rückversetzung in die USA und Entlassung aus der Armee wegen "prokommunistischer" Haltung.
1948
Veröffentlichung des Kriegsromans "The Crusaders" (dt.: "Kreuzfahrer von heute" 1950) der ein Weltbestseller wird.
1951/52
Aus Protest gegen den Koreakrieg gibt Heym der US-Regierung alle militärischen Auszeichnungen zurück und verläßt die USA. Er geht zunächst über Warschau nach Prag. 1952 siedelt er mit seiner amerikanischen Frau nach Ost-Berlin über.
1953
Er wird Mitglied des PEN-Zentrums Ost und West.
1953-1956
Aktiv als Kolumnist für die "Berliner Zeitung". Danach beginnt er als "kritischer Marxist" die Auseinandersetzung mit dem DDR-Regime zu suchen, das nach seiner Auffassung "den Sozialismus zu einem Zerrbild der Idee entstellt". Heym, der sich nie als Gegner, sondern als Kritiker des Regimes verstand, tritt keiner Partei bei.
1954
Mitglied des Vorstands des Deutschen Schriftstellerverbandes.
Veröffentlichung von "Im Kopf - sauber". Auszeichnung mit dem Heinrich-Mann-Preis.
1956
Gefährliche Kontroverse mit Walter Ulbricht (SED-Chef) auf dem IV. Schriftsteller-Kongreß.
1958
Veröffentlichung von "Offen gesagt. Neue Schriften zum Tage".
1959
Verleihung des Nationalpreises 2. Klasse der DDR.
1965
Erich Honecker kritisiert Heyms Manuskript "5 Tage im Juni", eine Darstellung der Ereignisse um den 17. Juni 1953.
1969
Heym wird in der DDR wegen der Veröffentlichung des Romans "Lassalle" in der Bundesrepublik zu einer Geldstrafe verklagt. 1974 wird das Buch auch in der DDR verlegt.
1972
Es erscheint sein Roman "Der König David Bericht". Darin thematisiert Heym die Stellung der Intellektuellen zwischen Macht und Wahrheit. Heym, der im Westen die meisten seiner Bücher drucken lässt, avanciert dort zum meistgelesenen DDR-Autor.
1974
Veröffentlichung von "5 Tage im Juni im Westen der Republik.
1976
Er unterzeichnet die Protesterklärung gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns.
1979
Sein Roman "Collin" erscheint in der Bundesrepublik. Der Roman, der von der DDR-Zensur abgelehnt wird, stellt eine Abrechnung mit der stalinistischen DDR-Vergangenheit und ihrer Verdrängung dar. Es folgt eine Verurteilung wegen "Devisenvergehens" und der Ausschluß aus dem DDR-Schriftstellerverband. In der DDR wird Heym fortan lediglich geduldet. Er verschafft sich zunehmend Gehör in westlichen Medien.
1981
Er veröffentlicht seinen Roman "Ahasver" in der Bundesrepublik. Ahasver bezeichnet den ewigen Juden, eine mittelalterliche Sagengestalt, die Heym vor dem Hintergrund der atomaren Rüstungsspirale als rebellischen, unermüdlich antidogmatischen Intellektuellen auftreten läßt.
1981
Stefan Heym spricht beim deutsch-deutschen Schriftstellertreffen im niederländischen Scheveningen über die Friedensbewegung in Ost und West. Die deutsche Wiedervereinigung hält er für "möglich und naturgegeben".
1984
Veröffentlichung von "Schwarzenberg". Es handelt sich um einen utopischen Roman über ein in der unmittelbaren Nachkriegszeit angesiedeltes sozialistisches Experiment im Erzgebirge.
1988
Sein autobiographischer "Nachruf" erscheint.
1989
Es ist der 4. November: Bei der Kundgebung auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz wird er von den Demonstranten emphatisch begrüßt, als er eine Rede über "den neuen, den besseren Sozialismus in der DDR" hält. Nach der Maueröffnung tritt Heym, angewidert vom "Kaufrausch der Massen aus der DDR", in dem er eine "würdelose Jagd nach dem glitzernden Tinnef" sieht, für eine sozialistische Alternative zur Bundesrepublik ein. Er gehört zu den Initiatoren des Aufrufs "Für unser Land".
1990 und 1991
Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Universitäten Bern und Cambridge.
1990-1992
Es erscheint der Erzählband "Auf Sand gebaut" (1990) und das Buch "Filz. Gedanken über das neueste Deutschland" (1992), mit denen er sich dem Thema der deutschen Wiedervereinigung widmet.
1992
Stefan Heym zählt zu dem Mitbegründern des "Komitees für Gerechtigkeit".
1993
Er wird zum Ehrenpräsidenten des Deutschen PEN-Zentrums Ost gewählt. Für sein Engagement gegen Rassismus und Xenophobie (Fremdenfeindlichkeit) wird Heym als erster deutscher Schriftsteller mit dem Jerusalem-Preis für Literatur ausgezeichnet. Heym schenkt sein Privatarchiv der Universität Cambridge.
1994
Für die Bundestagswahl lässt sich Stefan Heym von der SED-Nachfolgepartei PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus) als Kandidat des Wahlkreises Berlin Mitte/Prenzlauer Berg gewinnen. Nach monatelangem Zögern begründet er diesen Schritt damit, dass in der PDS ein "Prozess innerer Wandlung" erkennbar sei, die "westdeutsche Politikerkaste" ihn dagegen "politikverdrossen" mache. Einen Eintritt in die Partei lehnt er allerdings ab. Heym gewinnt das Direktmandat gegen den SPD-Politiker Wolfgang Thierse und zieht mit zwei weiteren Schriftstellern, Gerhard Zwerenz und Heinrich Graf von Einsiedel, für die PDS in den Bundestag ein. Als Alterspräsident hält Heym im November die Eröffnungsrede im Bundestag, der die CDU/CSU-Fraktion (außer Rita Süssmuth) demonstrativ den Applaus versagt.
1995
Sein Roman "Radek" erscheint, in dem er die Spuren des KPD-Politikers Karl Radek nachzeichnet, der 1919 aus Berlin ausgewiesen und in der Sowjetunion wegen Opposition gegen Stalin verbannt und in einem Schauprozeß verurteilt wurde. September d.J.: Aus Protest gegen die geplante Diätenerhöhung der Bundestagsabgeordneten legt Heym sein Bundestags-Mandat nieder.
1997
Stefan Heym gehört zu den 34 Politikern, Gewerkschaftern, Schriftstellern, Künstlern und Theologen, die in der "Erfurter Erklärung" ein Linksbündnis von SPD und Bündnis 90/Die Grünen ohne Ausgrenzung der PDS fordern, um die Bundesregierung 1998 abzulösen.
1998
Veröffentlichung von "Pargfrider", einer autobiographischen Skizze über die komplizierte Freundschaft zwischen zwei Männern.
16.12.2001
Stefan Heym stirbt 88jährig in Israel während eines Heinrich-Heine-Kongresses an Herzversagen.
Wir haben einen ganz wichtigen, für unser Selbstwertgefühl und für unsere Verantwortung der Geschichte gegenüber aufrichtigen Menschen, außergewöhnlichen Schriftsteller und nonkonformen Politiker verloren.
Epilog: Lest seine Bücher !
Geschrieben am: 22. Dec 2001, 00:03 von: Reve
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