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Übersicht > City-Guide > Ausland > Naschmarkt (Wien)

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
Unmengen von frischem Obst und Gemüse, auch exotische Früchte, alle Gewürze - einfach alles zu bekommen

Nachteile:
vielleicht die vielen Menschen




Berberitzen, Oliven, Ketten, Gewürze...
Bericht wurde 1550 mal gelesen Produktbewertung:  sehr gut
Bericht wurde 4 mal kommentiert Berichtbewertung: 

Heute habe ich endlich wieder die Zeit gefunden, auf einen meiner Lieblingsplätze in Wien zu gehen – auf den Naschmarkt. Ich liebe die Atmosphäre des Marktes, das Angebot, die Menschen, die dort herumstehen, verkaufen, kaufen, feilschen, schimpfen, lachen...

Zuerst möchte ich euch ein wenig von der Geschichte dieses Marktes erzählen:

Schon um die Mitte des 18. Jhdt. gab es in der Gegend Resselgasse-Operngasse einen kleinen Milchmarkt, der 1780 nach einer Auseinandersetzung zwischen dem Schottenkloster (bei der Freyung) und dem Magistrat um den, sich vorher auf der Freyung befindlichen Obst- und Gemüsemarkt erweitert wurde. Die Wiener nannten diesen Markt „Aschenmarkt“. An dieser Stelle gab es früher eine Aschen- und Mistablagerungsstelle – vermutlich kam der Name für den Markt daher. Allerdings nannte man auch die aus Eschenholz gefertigten Milcheimer „Asch“, also könnte der Name auch daher gekommen sein. Aber, egal, irgendwann wurde aus Aschenmarkt der Name Naschmarkt und dieser auch 1905 offiziell bestätigt.
Nach der Wienflußregulierung und –überbauung, begann sich der Markt dorthin auszudehnen. Der ursprüngliche Teil wurde 1919 aufgelassen und damit war der Markt auf seinen heutigen Standort beschränkt.

Wo ist der Naschmarkt?

Von der Operngasse (Bärenmühle) zwischen der Rechten und der Linken Wienzeile zieht sich der Markt hinauf bis zur Kettenbrückengasse. Die U-Bahnstation Kettenbrückengasse hat inzwischen sogar den Namen Naschmarkt dazu bekommen, wie ich heute feststellen konnte.

©Homorphus’ Marktbesuch:

Also ausgehend von der U4-Station Kettenbrückengasse marschierten wir los. Zuerst sahen wir ein paar „Fetzenstandln“, dazwischen hatten die Bauern der Umgebung ihre Stände aufgebaut. Wunderschöne Tulpen in allen Farben leuchteten schon von Weitem. Fast nahtlos ging es dann in die Gasse der festgebauten Marktstände. Hmmmmmm, Gemüse, Obst – jede Menge. Heimische und ausländische Standler stehen nebeneinander und preisen ihre Waren an.
Langsam schlenderten wir Richtung Operngasse – links jede Menge Kräutertöpfchen, recht eine Käsehütte, türkische Köstlichkeiten neben orientalischen Gewürzen. Da ein Kebabstand, dort eine Weinhandlung, mit italienischen, französischen, österreichischen flüssigen Traubenköstlichkeiten.
Der türkische Fleischhändler steht neben dem italienischen Pastahändler, ein paar Markthütten weiter gibt es Sushi. Früchte, getrocknet oder frisch – manche davon kennen wir gar nicht. Osterlämmer und Jungkitz gibt es genauso wie Perlhühner oder Wachteln. Auch einen Pferdefleischhauer findet man hier. Da ein Bassin mit Lebendkarpfen aus dem Waldviertel, dort ein Stand mit Oliven, in allen möglichen Farben, gefüllt, ungefüllt, eingelegt in verschiedenste Marinaden.
Besonders fasziniert mich immer ein Stand – da gibt es über 20 Fässer mit verschiedensten Essigsorten, zusätzlich noch jede Menge riesige, bauchige Flaschen mit noch mehr Essig – sagenhaft, diese Vielfalt, diese Auswahl.
Je weiter wir Richtung Operngasse kommen, desto teurer, aber auch exquisiter werden die Standerln. Ganz unten findet man das Eldorado für Fischliebhaber – frisch oder gefroren, teilweise lebend. In einem Schaffel schwimmt ein Stör in Gesellschaft vieler Krebse. Daneben versucht ein Karpfen aus dem Schaffel zu springen. Ob Muscheln, Oktopus, Wolfsbarsch, Forellen, Drachenkopf, Lachs – alles ist da.

Unten angekommen, drehen wir wieder um und beginnen mit dem Einkaufen. Beim Durchgehen hat ©Homorphus natürlich genau auf die Preise geschaut und weiß nun so ungefähr, wer was wie teuer anbietet.

Ich erspare euch die Liste all der Dinge, die in unsere Taschen gewandert sind. Aber, in nächster Zeit wird es wieder einige Leckereien in meinem Haushalt geben, z.B. Reis mit iranischen getrockneten Berberitzen nach einem persischen Rezept zubereitet oder ein Spezialsalat mit mehreren verschiedenen Sorten Schafskäse...

Preise:

Die Preise sind ziemlich unterschiedlich. Man muss genau schauen. Also, viel Zeit mitbringen, dann kann sehr günstig eingekauft werden. Und die teuersten Standler haben nicht immer auch die qualitativ hochwertigste Ware.

Fazit:

Wenn ich ein bestimmtes Gewürz suche, das ich sonst nirgends auftreiben kann, am Naschmarkt krieg ich es sicher. Suche ich irgendwelche Früchte, die kein Supermarkt führt, hin zum Naschmarkt. Packt mich mitten im Sommer der Gusto auf Sauerkraut aus dem Fass, dort krieg ich es. Wildliebhaber, Käsefreaks – alle kommen dort auf ihre Kosten. Eigentlich gibt es nichts, das es dort nicht gibt – sogar Kleidung kann erstanden werden.
Und, wem es zu viel wird, der setzt sich zu einem der zahlreichen Kaffeehütten und schlürft seine Wiener Melange oder den italienischen Espresso und sammelt Kraft für den weiteren Einkauf.

Am Samstag kann man den Naschmarkt-Besuch gleich mit einem Bummel durch einen der größten Wiener Flohmärkte verbinden, der am Parkplatz der Kettenbrückengasse abgehalten wird. Aber Vorsicht, viele der Flohmarkthändler sind gewiefte Profis und wissen ganz genau, was ihre Altwaren Wert sind. Dennoch kann man auch dort immer wieder ein Schnäppchen machen.

Also, zu einem Wienbesuch gehört ein Naschmarkt-Besuch einfach dazu. Da findet ihr Wien, wie es leibt und lebt – bunt, vielfältig, grantig, freundlich – und wenn irgendwer extrem bei den Gewürzen herumsucht oder schon den fünften Kräutertopf in der Hand hat, dann ist das sicher ©Homorphus.


PS: Mit dem Auto würde ich aber dort nicht hinfahren, denn einerseits gibt es wenig Parkplätze, andererseits ist alles Kurzparkzone, also kostenpflichtig. Die U4 fährt direkt hin. Das ist viel einfacher.



Geschrieben am: 25. Feb 2003, 14:20   von: homorphus



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