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Übersicht > Ausbildung > Wehrdienst
Vorteile: Man lernt fürs leben, kann viele Führerscheine machen
| Nachteile: demotivierte Stimmung, wenig Platz für eigene Ideen, Zeitintensiv
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| Aus der Bewegung... im Gleichschritt! Marsch! |
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Bericht wurde 2022 mal gelesen
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ausreichend
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Das erste was ich von der Bundeswehr zu hören bekam war ein sehr unfreundliches Schreiben, indem ich aufgefordert wurde innerhalb einer Woche dem Kreiswehrersatzamt(KWEA) eine Schülerbescheinigung einzureichen, da ich sonst in zwei Wochen gemustert werden würde.
Da bin ich noch gerade mal um die ungeliebte Untersuchung drumherumgekommen. Es dauerte 2 Jahre, dann bekam ich erneut Post vom "Verein". Diesmal kam ich nicht drumherum und so mußte ich mir von einer 50-jährigen Bundeswehr (BW)- Ärztin an sämtlichen Genitalien und Ausscheidungsorganen rumspielen lassen.
Aber auch das habe ich irgendwie überstanden und da ich den festen Entschluß gefaßt hatte Fallschirmjäger zu werden, rief ich beim KWEA an und fragte nach einer entsprechenden Stelle. Nichtmals eine Woche später traf mein Einberufungsbescheid ein.
Als Fallschirmjäger will und kann ich jetzt auch nur von dieser Truppengattung berichten. Allgemein läßt sich sagen, das es eine Unmenge von unterschiedlichen Tätigkeiten bei der Bundeswehr gibt, die sich auch in keinster Weise miteinander vergleichen lassen. Es ist ein großer Fehler alles als ein und das selbe abzustempeln. In jeder Truppengattung geht es anders zu. Allgemein lässt sich dennoch sagen, dass es sich als einfacher Soldat bei Luftwaffe und Marine humaner leben lässt, als beim Heer. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel!
Meine persönlichen Erfahrungen in meiner 2 – jährigen Wehrdienstzeit sind relativ zwiespältig. Ich habe dort viel erlebt, aber auch viele schlechte Erfahrungen gemacht.
Zunächst werde ich einmal von den besseren Erfahrungen berichten, bevor ich zum negativen Teil der Geschichte kommen werde.
Das interessanteste Erlebnis dort waren natürlich die Fallschirmsprünge. 12 an der Zahl habe ich gemacht, was für 2 Jahre Dienst eigentlich viel zu wenig ist. Aber trotzdem, das vergisst man das nicht so schnell und es ist wahrhaftig ein Erlebnis.
Unsere Brigade hatte das „Glück“ nicht nur zu den Krisenreaktionskräften (KRK) zu gehören, die sich an Einsätzen wie in Afghanistan, Mazedonien oder im Kosovo beteiligen, sondern wir hatten darüber hinaus auch 2 spezielle Aufträge, nämlich die Durchführung von Evakuierungen und die Sicherung der eigenen Truppe im Ausland, insbesondere vor terroristischen Kräften. Im Rahmen dieser Aufträge, haben wir dann auch etliche Manöver und Übungen mitgemacht, was durchaus schon ein Erlebnis ist (nicht immer in positiver Hinsicht).
Der Sold eines Wehrpflichtigen ist in den ersten 10 Monaten doch eher mickrig, aber danach kann sich das Gehalt durchaus sehen lassen, insbesondere wenn man nicht vorher gearbeitet hat, oder keine abgeschlossene Berufsausbildung hat. Allgemein gilt dabei Brutto = Netto (wohlgemerkt nur bei Wehrpflichten – nicht bei Zeitsoldaten), so dass einem doch einiges überbleibt.
Dann will ich jetzt zu den eher unschönen Aspekten des Wehrdienstes kommen.
Schikane & Beleidigung sind an der Tagesordnung insbesondere in Einheiten der Hauptverteidigungskräfte (HVK – Gegenteil der KRK), insbesondere in der Grundausbildung.
Ich kann mich erinnern in den ersten 2 Wochen nur angeschrien und/oder beleidigt worden zu sein. Es kam zu etlichen Übertretungen geltenden Rechts. So wurde einem Beinverletzten (von einem Offizier) gegen den Fuß getreten, auf Märschen wurde es verboten zu trinken oder zusätzliches Wasser mitzunehmen (bei Temperaturen von über 30 °C), keine Mahlzeit dauerte langer als 10 Min.
Wer sich beschwerte, z. B. bei Vorgesetzten bekam als Dank dafür sogenannte „Ritterkreuzaufträge“ aufs Auge gedrückt oder gehörte zu den „Special Forces“, wenn es darum ging Drecksarbeit jeder Art zu erledigen.
Aber vor- und nachher bekam man ausführliche Vorträge seiner Vorgesetzten über das Grundgesetz, dass ja angeblich in der Bundeswehr auch gelten sollte (Dazu sag ich nur: Artikel 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar.)
Rekruten gingen trotz schwerer Verletzungen nicht zum Arzt, aus Angst davor, sie würden die Grundausbildung nicht bestehen und müssten sie nochmals von vorne beginnen.
Allgemein wurde von den Vorgesetzten öfters im großen Stile Desinformation betrieben (man könnte meinen bewusst). Das war auch nach der Grundausbildung noch oft so, da lag es dann aber wohl eher an einer chaotischen Organisation.
In der gesamten Bundeswehr macht sich eine nicht übersehbare Demotivation breit, bei Wehrpflichtigen, aber auch zunehmend Unteroffizieren und Offizieren, verursacht durch mehrere Faktoren:
- totale Desorganisation. Dies betrifft vor allem Übungen und Manöver. Bei der Bw kennt man den durchaus zutreffenden Spruch: Nichts ist so beständig wie die Lageänderung.
- Den Material- und Verbrauchsgüterzustand. Arbeitsgerät ist häufig total veraltet und nichtmals mehr annähernd zeitgemäß. Oft haben die Geräte auch schon größere Schäden und Mängel, werden aber dennoch weiterbenutzt, da kein Ersatz vorhanden ist und auch Ersatzteile nicht mehr geliefert werden. Letzteres betrifft vor allem die Fahrzeuge. Verbrauchsgüter werden nur unregelmäßig geliefert, wie beispielsweise Schuhcreme, wo doch jeder Soldat stets auf seinen sauberen Stiefelputz zu achten hatte.
- Zualledem gesellt sich noch die Frage des Geldes. Es gab Monate in denen wir bis zu 14 Tage am Stück mehr als 16 Stunden Dienstzeit hatten. Diese Überstunden bekommt man natürlich bezahlt. Aber man muß immer auf der Hut sein. Ständig wurden Gelder vergessen oder in zu niedriger Höhe ausgezahlt. Es kommt noch erschwerend dazu, dass Wehrdienstleistende keine Lohnabrechnung erhalten und so nur eine beschränkte Übersicht über die Zahlungen haben. Auslandszuschläge für Kfor-Soldaten wurden erst ein Jahr verspätet gezahlt. Dabei handelt es sich jeweils um vierstellige Summen.
So, hier habe ich noch mal kurz Pro & Kontra zusammengefaßt
Pro Bundeswehr:
- Man kann seine eigenen körperlichen Grenzen kennenlernen
- Je nach Tätigkeit kommt man viel herum und erlebt viel
- Man hat die Möglichkeit viele zusätzliche Führerscheine zu machen, die auch zivil nutzbar sind
- Man erlangt körperliche Fitneß
- Jedem Soldaten stehen Geldbeträge zur beruflichen Förderung zur Verfügung (durch den Berufsförderungsdienst)
Kontra Bundeswehr:
- ab Dienstgrad Stabsunteroffizier nur noch geringe Aufstiegschancen
- Kaum Aussicht auf Übernahme als Berufssoldat
- Im Verhältnis zu den Strapazen eher schlechte Bezahlung
- Klare Hierarchien ermöglichen Willkür der Vorgesetzten gegenüber Wehrpflichtigen
- Häufige Trennung von Haus & Familie aufgrund von Sonderdiensten, Lehrgängen, Manövern, Versetzungen usw.
- Es besteht jederzeit die Gefahr tatsächlich in seiner Funktion eingesetzt zu werden
- Schlechter werdender Materialzustand. Tendenz fallend!
- Massive Einengung persönlicher Freiheiten
Fazit: Es fällt schwer eine Tätigkeit bei der Bundeswehr eindeutig zu empfehlen oder davon abzuraten. Letztendlich kommt es auf die Persönlichkeit des Einzelnen an. Wer in der Lage ist viel einzustecken (physisch wie psychisch) und keine Schwierigkeiten hat nicht aus der Reihe zu tanzen, für den mag die Bw eventuell das richtige sein.
Nicht richtig ist die Bundeswehr für „Pausenclowns“, „Freiheitsaktivisten“ oder schlicht und ergreifend für die meisten, die im Beruf weit kommen wollen. Insgesamt herrscht in der Bw eine ernüchterte, niedergeschlagene, manchmal sogar eine zynische Stimmung, insbesondere in Hinblick auf die Zukunft.
Wer zur Bw will, sollte sich das wirklich gut überlegt haben, denn gegen den Strom schwimmen fällt hier schwer. Wer erst mal drin ist, den reißt die Strömung unweigerlich mit.
Mir ist bewusst, liebe Ciao-Leser nicht alle wichtigen Themenbereiche aufgefasst zu haben. Dafür ist das Thema Bundeswehr einfach zu komplex. Sollte irgendetwas entscheidend wichtiges fehlen, schreibt einen kurzen Komentar und ich werde den Fehler im nächsten update ausbügeln und das nächste Update kommt bestimmt!
In dem Sinne!
Euer Jamirokai
Geschrieben am: 12. Jul 2002, 03:22 von: Jamirokai
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