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Übersicht > City-Guide > Ausland > Paris > Café de Flore

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung



Aschenbecher zu Seifenschalen
Bericht wurde 503 mal gelesen Produktbewertung:  k/a
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Als er 1999 neun Tage in der Stadt der Liebe weilte, war oliver.k -ein später Vertreter des Existentialismus- selbstverständlich ein paar Mal Gast im legendären Café de Flore, in dem schon Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir ihre Tage vom frühen Morgen bis zum späten Abend verbrachten.

(Vorbemerkung: Um meinen Freund AntonLauner zu ärgern, unterkringele ich heute mal meine Überschriften.)


DAS CAFÉ
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Das Café de Flore liegt im südlich der Seine gelegenen Künstlerviertel St-Germain-des Prés. Die nächst gelegene Metrostation (Linie 4) heißt ebenso, doch lohnt sich eher -vom Louvre kommend- ein Spaziergang über die Fußgängerbrücke Pont des Arts und durch die enge Rue Bonaparte mit vielen Galerien bis zum Boulevard St-Germain. Rechts befindet sich die sehr sehenswerte romanische Kirche St-Germain-des-Prés, die älteste in Paris, wo der Philosoph René Descartes begraben ist.

Links liegen neben einander zwei berühmte Cafés: das Les Deux Magots, wo Man Ray verkehrte - und eben das Café de Flore.

Geöffnet hat das Flore von 7:00h bis 1:30h und nicht nur Simone und Jean-Paul sollen dort volle 18 Stunden und eine halbe noch dazu am Stück verbracht haben.

Bei schönem Wetter ist es natürlich besonders lohnend, draußen zu sitzen und -zwischen einem Schluck Café crème und einem Biss in ein ofenfrisches Croissant- der promenierenden Pariser Damenwelt ein näheres Studium zu widmen.

Wenn Du, geschätzter Leser/verehrte Leserin, lieber im Inneren verweilen möchtest, würde ich Dir den ersten Stock empfehlen, denn im Erdgeschoss thront der Oberkellner in erhöhter Position und wacht nicht nur darüber, dass kein Gast zu lange warten muss, sondern bemerkt sofort, wenn jemand zu sehr krümelt oder gar etwas verschüttet. Zwar lässt er sich dann seine Geringschätzung in keiner Weise anmerken, aber was er sich dabei denkt, kann sich ja jeder mit etwas Phantasie ausmalen.

Im ersten Stock ist etwa der halbe Raum Nichtrauchern vorbehalten, was zwar angenehm sein mag, aber besonders für diejenigen, die sich am skrupellosen Tun von oliver.k ein Beispiel nehmen wollen, vorher beachtet werden sollte. Näheres dazu im letzten Kapitel.

Französische und internationale Zeitungen sind selbstverständlich im Flore ausgelegt, so dass auch die Gäste, die keine Lektüre mitgebracht haben, nicht die ganze Zeit blöde in die Gegend rumstarren müssen.

Das Publikum besteht in erster Linie aus Künstlern und Intellektuellen, aber auch Geschäftsleute, Studenten und Touristen sind dort zu Gast. Es finden sich vor allem zahlreiche japanische Einzeltouristen (keine Gruppen), was wohl darauf zurück zu führen sein mag, dass es in Tokyo und drei weiteren japanischen Städten Ableger des Café de Flore gibt.


SPEISEN UND GETRÄNKE
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Selbstverständlich kann man sich auch mit einem Café noir begnügen, doch empfehle ich Café crème, der im Flore mit einer Kanne Kaffee und einem etwa halb so großen Kännchen warme Milch serviert wird und individuell gemischt werden kann. Die Portion reicht für insgesamt zwei Tassen und kostete im Jahre 1999 28FF (etwa acht Mark). Dazu empfiehlt sich ein Croissant, doch wenn Du erst am späten Vormittag eintriffst, sind diese meist schon alle und Du musst auf Dein Franzosenhörnchen verzichten. In der Regel gibt es aber noch andere Backwaren.

Die Speisekarte des Flore ist reichhaltig. Wer über den Vormittag hinaus bleiben will, findet auf dem aktuellen Menu die unterschiedlichsten Speisen und Getränke, zum Beispiel einen Grünen Salat für 34FF, einen normanischen Camenbert für 38FF, ein Omelette mit Kräutern für 40FF, ein Paar Frankfurter Würstchen für 45FF, Endiviensalat auf Roquefortkäse für 78FF oder Kaviar für 245FF.

Die Weinkarte (Flaschen) reicht vom Pouilly Husset zu 185FF bis zum 96er Baron de L Pouilly Fumé zu 500FF. Ist etwas zu feiern, finden sich auch verschiedene Sorten Champagner: eine Flasche Pommery ist für 460FF zu haben, doch verspricht der Dom Pérignon Rosé aus dem Jahre 1988 zu 1.600FF gewiss den höheren Genuss.

Wer seine Begeisterung für das Café de Flore aber besonders unter Beweis stellen will, sollte den Cocktail ``Le Flore`` bestellen. Er kostet 73FF und besteht aus passierten Früchten, Mandarinen, Armagnac und Champagner.


ZUR HISTORIE
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Wann genau das Café de Flore eröffnet wurde, wissen selbst die heutigen Betreiber nicht. Man vermutet das Jahr 1887. Zum Treffpunkt von Literaten und Künstlern wurde das Café spätestens im Jahre 1913, als der Lyriker und Dramatiker Guillaume Apollinaire im Café quasi sein Bureau dort einrichtete und Besucher zu bestimmten Terminen empfing. Dort prägte er das Wort `Surrealismus` und verstarb auch im Café - zwei Tage vor Kriegsende, am 9.11.1918, als in Berlin die Republik ausgerufen wurde.

Fortan war das Flore Treffpunkt der Pariser Kunstszene, doch sollte es bis zur deutsche Okkupation 1940 dauern, bis wieder jemand das Café zu seinem Heim macht. Sartre sagte, dass er und de Beauvoir jeden Tag dort von 9 Uhr bis Mittag arbeiteten, dann zu Mittag aßen, von 14-20h mit Freunden diskutierten und danach bis in die späte Nacht Gäste empfingen, mit denen sie verabredet waren. Während der gesamten Okkupation habe er nie einen Deutschen dort gesehen, sagt Sartre. Wie der Surrealismus, wird auch der französische Existentialismus im Flore `erfunden`, jene Philosophie, die davon ausgeht, dass der Mensch nicht von Gott beseelt geboren wird, sondern nackt und bloß in die Welt `geworfen` wird, sich selbst begegnet und sich daraufhin definiert, definieren muss, denn er ist zur Freiheit verdammt.

Bis zum heutigen Tage wird das Flore von Künstlern aller Richtungen besucht. Waren es in den 50ern Albert Camus, Marguerite Duras und Boris Vian, sind es in den 60ern Brigitte Bardot, Roman Polanski und Alain Delon gewesen und heute Isabella Rosselini, Jack Nicholson und Francis Ford Coppola, um nur ein paar zu nennen.


OLIVER.K TRINKT KAFFEE
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Ein besonders skuriler Gast im Jahre 1999 war oliver.k, der eines Montagmorgens sich draußen an einen Tisch setzte und in seinem recht holprigen Französisch ``Un café crème et un croissant, s`il vous pla*t`` bestellte. ``Crème et croissant?``, war die knappe Rückbestätigung des Kellners, der mich dabei dezent fixierte und mich bestimmt als deutschen Touristen einordnen konnte. Mein Kaffee kam bald, doch Croissants waren schon alle; der Kellner präsentierte mir jedoch eine Auswahl anderer Baskenmützen-Backwaren an und meine Wahl fiel auf ein leckeres Stück, dessen Name ich leider vergessen habe. Minuten später ging doch noch ein Croissant an den Herrn am Nebentisch, der wie Robert de Niro aussah und die Passanten auf dem Bouvevard eindringlich musterte. Ich ließ mich jedoch von dieser schreienden Ungerechtigkeit nicht verdrießen, sondern genoss mein Kaffee in existentialistischer Weise.

Als ich das Flore verließ, bog ich in eine kleine Nebengasse und sah direkt anschließend einen Laden, der das Geschirr mit dem Café de Flore-Schriftzug für teures Geld verkaufte; einen Aschenbecher etwa für 80 FF (circa 24 DM ). Ich dachte, Simone und Jean-Paul würden sich im Grabe umdrehen, wüssten sie, dass aus dem ehemaligen Existentialisten-Treff ein florierendes Unternehmen wurde, dass sich amerikanische Marketing-Methoden zu Eigen gemacht hat. Ich entschied mich dazu, noch einmal in den nächsten Tagen in´s Flore zu gehen, um meinen eigentlich schon überwundenen Sammlertrieb aus meiner stürmischen Jugend noch einmal aufleben zu lassen.

Am Donnerstag ging ich in den ersten Stock, bestellt diesmal in weniger holpriger Weise ``Crème, s`il vous pla*t``, sah, dass ich in der Achtung des Kellners um einiges gestiegen bin und konnte meinen Kaffee noch mehr genießen. Ich fixierte das Geschirr, das als Objekt meines Sammlertriebes in Frage käme und meine Wahl fiel auf einen Aschenbecher. Doch der Zufall wollte es, dass eine Japanerin am Nebentisch mich um Feuer bat und anschließend den Aschenbecher in Beschlag nahm. Sie stellte sich als Künstlerin vor, die besonders von Rodin schwärmte und sich von ihm für ihre eigenen Werke inspirieren ließ. Die Aschenbecher-Aktion fiel zunächst in´s Wasser, doch war unser gemeinsamer Besuch im nahe gelegenen Musée d`Orsay mit seiner formidablen Impressionisten-Sammlung mehr als Ersatz dafür.

An meinem Abreisetag ging ich ein drittes Mal in´s Flore, wurde schon beim Eintreten vom Kellner begrüßt und fühlte mich mit einem schelmischen Blick gemustert, der zu sagen schien ``Ah, der mit der japanischen Künstlerin``. Wieder stieg ich in den ersten Stock und diesmal wurde mir ein Croissant angeboten, obwohl ich keins bestellt hatte. Mein Kaffee schmeckte so gut wie nie. Diesmal musste es klappen. Die letzte Möglichkeit, das Beutestück Aschenbecher zu ergattern. Doch dann setzte sich Sharon Stone mit ihrem Glas Champagner mir gegenüber, schlug die Beine übereinander und war im Begriff, sich eine Zigarette anzuzünden. Ich starrte sie mit offenen Mund an. In dem Moment klingelte ihr mobile phone und sie ging nach draußen. Schweißgebadet legte ich das Manuskript meines Lessing-Vortrages, den ich in der folgenden Woche zu halten gedachte, auf den relativ schlichten Porzellan-Aschenbecher mit dem geschwungenen grünen Schriftzug ``Café de Flore`` und zog ein paar Minuten später alles zu mir und stopfte es in meine Tasche.

Und heute steht der Aschenbecher in meinem Badezimmer und dient als Seifenschale.


(Nachbemerkung: die Episode mit Sharon Stone ist erstunken und erlogen, aber auch sie ist oft Gast im Flore. Vielleicht triffst Du sie ja bei Deinem Besuch dort - oder Johnny Depp, wenn Du den lieber magst.)



Geschrieben am: 27. Aug 2001, 13:21   von: oliver.k



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