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Übersicht > Unterhaltung > Kinofilme
Vorteile: Poesie, wunderschöne Bilder, Darstellung
| Nachteile: wenig Handlung
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| Angedeutete Möglichkeit einer ungewöhnlichen Liebe |
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Bericht wurde 1370 mal gelesen
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Produktbewertung:
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sehr gut
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Bericht wurde 1 mal kommentiert
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Berichtbewertung:
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Nelly und Monsieur Arnaud (Frankreich 1995, Claude Sautet, 107 Minuten)
••• Vorwort •••
Eigentlich hatte ich nicht vor, über dieses Filmgemälde des Regisseurs Claude Sautet zu berichten und meine Interpretation den bisherigen Einstellungen hinzuzufügen.
Als ich auf CIAO und YOPI w.gruentjens Bericht über diesen bis dahin mir unbekannten Film las, war dieser so nett, den Ausstrahlungstermin des Films im ZDF (1 Uhr nachts) mitzuteilen.
Durch seine Berichterstattung neugierig geworden nahm ich den Film mit dem Videorekorder auf, denn um 1 Uhr nachts schaue ich höchst selten fern.
Aufgefordert meinen Eindruck des Filmes wiederzugeben schrieb ich einen ausführlichen Kommentar zu seinem Beitrag, nachdem ich am Sonntag Nachmittag den Film zusammen mit meiner Frau wirklich genossen hatte.
Mein Kommentar wiederum veranlasste ihn zu bemerken, die von mir genannten Aspekte seien einen eigenen Bericht wert. Nach kurzer Bedenkzeit, voilà, hier ist er.
••• Inhaltseinführung •••
Nelly (Emmanuelle Béart), eine lebenspraktisch sehr tüchtige junge Frau, lebt seit 5 Jahren verheiratet, in einer kleinen, doch durchaus hübschen Wohnung in Paris.
Ihr Ehemann Jérôme (Charles Berling), ein arbeitsloser Künstler, verlässt seit geraumer Zeit nur noch die Wohnung, um sich Zeitungen zu holen. Er wirkt passiv und antriebslos.
Wer Pariser Wohnpreise kennt, weiß, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass jemand wie Nelly 2 Jobs übernehmen muss, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie arbeitet zum einen in einem Büro, zum anderen als Verkäuferin in einer Bäckerei.
Trotzdem entstand im Laufe der 5 Jahre ein sie bedrückender stetig anwachsender Schuldenberg.
Ihre Ehe scheint sie mehr aus Verantwortung gegenüber ihrem lebensuntüchtig wirkenden Ehemann zu führen als aus Liebe oder gar Leidenschaft.
In dieser für sie frustrierenden Situation, sie scheint besonders ihre Unabhängigkeit zu missen, trifft sie zufällig über eine Freundin auf Monsieur Arnaud (Michel Serrault).
Dieser macht ihr in einem Gespräch ein unerwartet verlockendes Angebot. Nicht nur, dass er ohne Gegenleistung ihre Schulden bezahlen will, mit einfühlsamen Worten war es ihm gelungen, Teilursachen des "nicht glücklich sein" von Nelly zu erfahren; er bietet ihr zusätzlich einen lukrativen Job als Schreibkraft und Lektorin für die Niederschrift seiner Memoiren an. Nelly lehnt ab!
Zu Hause erzählt sie jedoch ihrem Mann den Ablauf so, als habe sie das ANGEBOT angenommen. Von ihm erfolgt keine besondere Reaktion, weder Einspruch, Zorn, Eifersucht, oder Freude, Zustimmung zur Vorgehensweise. Er nimmt es hin.
Jetzt gibt es für sie kein Zurück. Sie kündigt ihm die Trennung an, jetzt, da keine gemeinsamen Verpflichtungen mehr bestehen. Eine nur zaghafte Ungläubigkeitsreaktion aber kein Umstimmungsversuch.
Nelly trifft erneut Monsieur Arnaud und nimmt sein Angebot an.
Es entwickelt sich eine besondere Art von Beziehung zwischen den beiden, aus meiner Sicht eine Art Vater Tochter Beziehung mit Zärtlichkeitsempfindungen.
Bedingt ist dies auch durch den Inhalt seines Buches, in dem es um seine Lebensentscheidungen geht, die er von ihr mit innerer Anteilnahme konstruktiv kritisch in der Darstellung gewürdigt haben möchte.
Mehr möchte ich vom Inhalt nicht vorwegnehmen, auch wenn im Grunde genommen erst jetzt der Hauptteil des Filmes beginnt.
Monsieur Arnaud möchte nämlich, dass nicht nur er über die Biographie einen Teil seines Lebens preis gibt, er möchte über das Leben und die Gefühle seiner bildschönen Sekretärin mehr erfahren. Dies führt auch zum einzigen wirklichen Konflikt, in dem die ansonsten stets kontrolliert wirkende Nelly emotional verletzt reagiert und er sie typisch männlich entgegen seiner sonstigen Sprache versucht zu provozieren.
Nach einer kurzen Auszeit setzen sie ihre gemeinsame Arbeit wieder fort.
Doch nun endgültig Schluss mit weiteren Inhaltsangaben.
••• Bewertung, eigener Eindruck •••
Der in meinen Augen typisch französische Film des Regisseurs Claude Sautet wirkte auf mich wie ein Film von Claude Chabrol. Das hektische Großstadtleben in Paris, im Hintergrund sind fast immer die Geräusche der Großstadt zu vernehmen, das gesellschaftliche und familiäre Leben des Großbürgertums, die Besuche in gehobenen Restaurants der Stadt aber auch die Schauspieler z.B Michel Serrault (unvergesslich in Die Phantome des Hutmachers), vor allem aber die Art der Kameraführung erinnerten mich an Filme Chabrols.
Reizvoll, die meistens lächelnde Nelly mit doch sehr geringem Gesprächsanteil und der kaum schweigende äußerst gesprächige Monsieur Arnaud. Verhältnis der Gesprächsanteile schätze ich auf 1:5.
Trotzdem, beide verbindet die Neigung, innerlich und so weit als möglich auch äußerlich unabhängig agieren zu wollen.
Beide respektieren ohne Vorbedingungen die Lebensentscheidungen des anderen und versuchen nie, in diese einzugreifen. Jeder übernimmt aber auch für sich selbst die Verantwortung.
Dieser ausgesprochen starke Hang zur Unabhängigkeit führt auch zur Trennung von Nelly und dem verliebten Frauenhelden, dem Verleger der Memoiren (Jean-Hugues Anglade), als dieser versucht, eine gemeinsame Wohnung und damit ein gemeinsames Leben Nelly anzubieten.
Sie versucht die Liebesbeziehung als solche, frei und ohne weitergehende Verpflichtungen, zu retten.
Der durch ihre Ablehnung empfindlich in seinem männlichen Stolz getroffene Verleger vollzieht die sofortige und endgültige Trennung.
Der ältere Monsieur Arnaud überzeugt bis auf eine Ausnahme durch Worte, aus denen Gelassenheit, Lebenssouveränität sprechen. Nelly überzeugt durch handelnde Souveränität und natürlich schlicht durch ihren wunderschönen Anblick an dem außer Monsieur Arnaud sich wohl fast jeder männliche Zuschauer erfreut.
Der Film ist kein handlungsreicher, dramatischer Film, aber ein einfühlsames Gemälde der Begegnung zweier in ihrer Art eindrucksvollen Persönlichkeiten, über denen der Hauch der Möglichkeit einer weitergehenden Beziehung schwebt.
Diesen wunderschönen Film empfehle ich allen, die nicht auf Aktionismus und vordergründige Spannung angewiesen sind.
Geschrieben am: 29. Jan 2003, 16:02 von: Volker111
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