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| /Organspende/ Organspende ? |
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Diese Frage bewegt mich ab und an, aber mein Magen dreht sich jedoch mehrfach um, wenn ich mir das so richrig bildlich vorstellle: Mir wird als Halb- oder Ganz-Frisch-Toter ein oder mehrere Organe herausgeschnippelt - zum Wohle der organdefizitären Menschheit, oder eines bestimmten - organbedürftigen - Menschen etwas entnommen ...
Ich hab diese Problematik mit meinen OberstufenschülerInnen des öfteren traktiert und die Einstellungen dazu sind - das liegt in der Natur der Sache - sehr breit gefächert und oft auch konträr.
Hier deshalb mal ein Ausschnitt aus meinem aktuellen Religionsunterricht:
Zum Thema: Organspende - Organtransplantation - Hirntod - Texte und Materialien zum Kurs "Christliche Ethik" - Oberstufe Grundkurs Evang. Religion
Übersicht:
1. Was ist eigentlich Ethik ?
2. Warum ist Organspende ein Thema der (christlichen) Ethik ?
3. Welche Organe können transplantiert werden ?
4. Probleme im Umfeld von Organspende und Organtransplantation
5. Ethische Stellungnahmen aus christlicher Sicht
1. Was ist eigentlich Ethik ?
ETHIK beschäftigt sich mit den Grundlagen menschlicher Lebensführung und will eine Theorie dazu liefern.
ETHIK beschäftigt sich mit der Beschreibung, Begründung, Kritik und Bewertung von Normen und Werten. Sie
versucht Antworten auf die Fragen: Was ist gut, was ist böse? Was sollen, dürfen, müssen wir tun? Was ist sittlich gerechtfertigt, was ist problematisch, was ist verboten ? Wie frei sind wir in unserer Entscheidung bzw. was beeinflußt sie ? In welcher Weise sind wir für unser Handeln verantwortlich ?
CHRISTLICHE ETHIK versucht diese Fragen im Lichte christlichen Glaubens zu erörtern, auch in der
Auseinandersetzung mit anderen (außerchristlichen) Ansätzen. Grundsätzliche ethische Überlegungen (z.B.
"Liebe deinen Nächsten"; "Liebe deine Feinde") müssen auf konkrete Einzelfragen bezogen werden, wobei diese
oft im Spannungsfeld gegensätzlicher Erwägungen stehen.
2. Warum ist Organspende ein Thema der (christlichen ) Ethik ?
Aus einer Stellungnahme der Evang.Kirche in Berlin-Brandenburg:
"Seit es die Möglichkeit gibt, menschliche Organe verpflanzen zu können, stehen viele vor der Frage, ob sie der
Organtransplantation als Heilverfahren zustimmen sollen oder nicht. Wer entscheiden können will, muß wissen,
was für und was gegen die Organtransplantation spricht und welche Probleme sich speziell mit der Entnahme von
Organen verbinden, ...welche religiösen und theologisch-ethischen Maßstäbe als Entscheidungshilfe
herangezogen werden können. "
3. Welche Organe können transplantiert werden ? Welche Organe eignen sich für die Transplantation?
(Aus Focus)"Stirbt ein Mensch, während er maschinell beatmet wird, funktionieren Herz, Kreislauf, Nieren und andere Organe noch. Deshalb können die Nieren, das Herz, die Lunge, die Leber und die Bauchspeicheldrüse übertragen werden. Ebenfalls geeignet: Die Hornhaut der Augen und die Gehörknöchelchen.
Wie lange können Organe konserviert werden? Das hängt vom Organ ab: Nieren, die am häufigsten gespendeten Organe, können noch nach 36 Stundentransplantiert werden, wenn sie sofort mit einer spezielle Nährstofflösung durchspült werden. Herz, Lunge und Leber können noch nicht so lange konserviert werden. Hornhaut und Gewebeknöchelchen werden nicht durchblutet, weshalb sie gekühlt über längere Zeit aufbewahrt werden können. "
Arbeitskreis Organspende: Organtransplantation - Vielen schwerkranken Menschen kann heute durch eine Organtransplantation das Leben gerettet werden oder ihre Krankheit kann weitgehend geheilt oder gelindert und damit die Lebensqualität entscheidend verbessert werden. Organ- und Gewebeübertragungen gehören aufgrund der Entwicklung der Medizin in den letzten 25 Jahren zum Standard der medizinischen Versorgung.
In Deutschland wurden bis Ende 1995 30635 Nieren (seit 1963), 4135 Herzen und 4002 Lebern (seit 1969), 473
Bauchspeicheldrüsen (seit 1979) und 435 Lungen (seit 1993) transplantiert. Außerdem werden bei uns jährlich etwa 4000 Übertragungen der Augenhornhaut und etwa 2000 Gehörknöchelchen-Transplantationen durchgeführt. Seit Jahren besteht bei uns ein großer Mangel an Spenderorganen. Auch beteiligt sich bisher nur ein gutes Drittel der Krankenhäuser mit Betten für intensivmedizinische Behandlung an der Zusammenarbeit mit den Transplantationszentren, um die vorhandenen Möglichkeiten einer Organspende nach dem Tod besser wahrzunehmen. Erst die Bereitschaft vieler Menschen zur Organspende nach dem Tod hat die Erfolge der Transplantationsmedizin möglichgemacht...
4.
Probleme im Umfeld von Organspende und Organtransplantation
Das Problem der Organentnahme
(Aus: Wochenpost ) "...Organe dürfen nur toten Menschen entnommen werden. Doch Herz und Nieren müssen frisch sein, wenn sie andern das Leben retten sollen. Nach internationaler Übereinkunft gilt deshalb seit 1968 der Hirntod als individueller Tod eines Menschen. Dabei sind die Gehirnfunktionen unwiderruflich ausgefallen - bei Opfern von Unfällen zumeist oder Hirntumorkranken.
Als Organspender werden sie beatmet, ihre Adern mit Konservierungsflüssigkeit gefüllt, die den Körper
auf vier Grad abkühlt. Die Organe werden bei schlagendem Herzen entnommen. Den Hirntod als Ende des Menschen zu bezeichnen, ist eine Konvention, und es wäre unbillig, ein Naturgesetz daraus zu machen, warnen Theologen und auch viele Mediziner. ...
So oder so: Die wenigsten Menschen sind bereit, sich auf solche Gedanken an die Zukunft einzulassen. Nur fünf Prozent der Deutschen tragen einen Organspendeausweis. Die Entscheidung in dieser wichtigen Frage liegt also fast ausschließlich bei den Angehörigen. Die aber sind, wie der Bonner Klinikprofessor Detlef Linke aus seiner Praxis weiß, angesichts der emotionalen Ausnahme-Situation hoffnungslos überfordert. Sie stimmen immer seltener einer Organentnahme bei ihren verstorbenen Angehörigen zu. Vor drei Jahren waren es neunzig Prozent, heute sind es nur noch sechzig Prozent.
Nicht nur die Angehörigen sind überfordert. Eine kanadische Untersuchung ermittelte, daß die Hälfte aller Ärzte und Schwestern Hemmungen hätte, die Familien in ihrer Trauer zu stören. Zwei Drittel der Mediziner gaben bei einer Umfrage in Amerika an, daß sie zögerten, einen Organspender zu melden, weil sie die Gespräche mit den Angehörigen fürchteten. Wie abhelfen? Die Entscheidung für oder gegen eine Organspende könnte per Dekret zur Bürgerpflicht erhoben werden.
Fällig, so wie es die amerikanische Ärztevereinigung vorschlägt, mit der ersten Steuererklärung oder beim Empfang des Führerscheins. Diese wichtige Entscheidung sollte nicht in der Verantwortung der Angehörigen verbleiben. Der Duisburger Philosophieprofessor Hartmut Kliemt geht noch einen Schritt weiter. Er schlägt gewissermaßen einen "Klub der Organspender" vor: Es solle nur derjenige berechtigt sein, ein fremdes Organ zu empfangen, der sich selbst zu einer Organspende bereit erklärt hat - und zwar zu einem Zeitpunkt, als der eigene Bedarf noch nicht absehbar war......"
5. Ethische Stellungnahmen aus christlicher Sicht
Was sagen die Kirchen zum Thema Organtransplantation?
(Aus: Focus) Die Deutsche Bischofskonferenz und der Rat der Evangelischen Kirche haben übereinstimmend eine Erklärung herausgegeben, in der sie die Organspende befürworten. Auch Angehörige, die für einen Verstorbenen diese Entscheidung treffen, handelten ethisch verantwortlich und keineswegs pietätlos. "Aus christlicher Sicht ist die Bereitschaft zur Organspende nach dem Tod ein Zeichen der Nächstenliebe und Solidarisierung mit Kranken und Behinderten."
Das kirchliche Interesse an der Organtransplantation
(Evang. Kirche in Berlin-Brandenburg): Heil und Heilung gehören nach biblischen und außerbiblischen
Überlieferungen zusammen (Markus-Evangelium 2, 1-12: Jesus bringt Heil, indem er Sünden vergibt und Krankheit heilt).
Darum hat die Kirche in ihrer Geschichte nicht nur das Evangelium gepredigt, sondern auch die Heilkunst und das Krankenhauswesen gefördert und unterhält bis heute viele Krankenhäuser und Pflegeheime. Entsprechend haben Kirche und Theologie die ärztlichen Bemühungen um das Wohl der Menschen immer mit besonderer Aufmerksamkeit begleitet.
Dabei sind die schwierigsten Fragen diejenigen geblieben, wie wir Krankheit und unsere Sterblichkeit verstehen, und ob wir Menschen alles, was wir in bester Absicht tun können, auch tun dürfen, ohne die von Gott gegebene Würde des Menschen zu verletzen.
Diese Fragen haben eine neue Brisanz erhalten, seit Abtreibung, aktive Sterbehilfe und auch die Organtransplantation in die öffentliche Debatte gekommen sind. Bei Abtreibung und aktiver Sterbehilfe geht es um menschliche Eingriffe ins Leben. Bei der Organtransplantation geht es darum, ob wir die technische Möglichkeit, Organe zu verpflanzen, als Heilverfahren akzeptieren und eventuell auch mit einer eigenen Organspende unterstützen wollen oder nicht.
Bei der Suche nach einer Antwort dürfen medizinische Fortschritte nicht für sich betrachtet werden und nicht allein die Argumente liefern. Weil nach christlichem Glauben Gott der Schöpfer ist, können und dürfen wir nicht selbstherrlich mit dem Leben umgehen. Und weil wir an die Auferstehung der Toten glauben, sind Sterben und Tod für uns nicht nur Ende, sondern zugleich Tor zu einem neuen Leben. Das bestimmt die Einstellung von Christen zur Organtransplantation mit....
Das Verteilungsproblem und die Hoffnung auf Rettung:
Ein besonders schweres Problem ist mit der Frage verbunden, wer in der langen Liste der Wartenden zuerst versorgt wird, wenn ein benötigtes Organ verfügbar ist. Denn die Möglichkeiten sind sowohl von der Menge als auch von der Gewebeverträglichkeit her immer begrenzt. Es geht nicht nur darum, daß die Verteilung ohne Ansehen der Person geschehen muss. Schwerer wiegt, dass Ärzte oft gezwungen sind, mit der Entscheidung für die Lebensrettung des einen Menschen andere dem Tod auszuliefern. Denn angesichts der knappen Zahl von verfügbaren Organen muss z.B. bei der Verteilung berücksichtigt werden, wem von den wartenden Patientinnen und Patienten unter therapeutischen Gesichtspunkten am ehesten geholfen werden kann.
Kranke Menschen, die vergeblich auf ein Organ warten, erleben dies als ein über sie verhängtes Schicksal. Und viele von denen, die sich für eine Transplantation entschieden haben, bringen kaum noch die Seelenkraft auf, die ihnen verbleibende Lebenszeit mit etwas anderem als Warten zu verbringen: Sie richten alle Hoffnung auf ein Ersatzorgan.
Und immer ist die Möglichkeit gegeben, dass sich die Hoffnung zerschlägt.
Besondere Probleme der Organentnahme
...Für alle Organe, die vor dem Stillstand des Blutkreislaufs entnommen werden müssen, ergibt sich eine schwierige Forderung. Denn diese Organe müssen einerseits aus lebenden menschlichen Organismen stammen, um verpflanzbar zu sein. Andererseits aber will die Transplantations-Medizin nicht in den Verdacht geraten, daß sie Menschen tötet, um benötigte Organe zu erhalten. Nur Toten sollen Organe entnommen werden. In der Medizin wird u.a. deshalb seit 1968 ein Todeskriterium benutzt, das zu dieser Forderung paßt: der "Hirntod". "Hirntote" gelten danach als Tote, weil ihr Gehirn keine messbaren Funktionen mehr zeigt. Sie haben aber dennoch einen - unter intensivmedizinischen Bedingungen künstlich aufrecht erhaltenen - Blutkreislauf.
Am "Hirntod"-Kriterium scheiden sich die Geister.
Karl Lehmann, 1996 (Vors. der Deutschen Bischofskonferenz)
1. Grundsätzlich:
Die Kirche bejaht die Organverpflanzung. Die Organspende kann eine Tat der Nächstenliebe über den Tod hinaus sein. Eine solche Einstellung kann jedoch nicht erzwungen werden. Wenn sie bei einem Menschen nicht gegeben ist, darf dies nicht im Sinne einer moralischen Herabsetzung beurteilt werden. In jedem Einzelfall muß für die Organverpflanzung eine sorgfältige Prüfung stattfinden.
Diese grundsätzliche Bejahung, die auch ökumenisch, d.h. von evangelischer und katholischer Seite gemeinsam zur Sprache gebracht wurde (vgl. Organtransplantationen, Bonn/Hannover 1990; Gott ist ein Freund des Lebens, Trier/Gütersloh 1989, S.102 - 104), erfolgt nicht ohne Voraussetzungen und Bedingungen, die im einzelnen in den genannten Erklärungen formuliert sind. Es gibt zweifellos auch wichtige Einzelfragen, die der endgültigen Klärung bedürfen. Davon seien zwei in aller Kürzeherausgegriffen.
2. Einzelfrage: Form der Zustimmung
Der Versuch, eine Regelung zwischen Widerspruchs- und der Zustimmungslösung zu finden, ruft ein gewisses Unbehagen hervor. Der Vorschlag einer schweigenden Zustimmung der Angehörigen ist zwar psychologisch verständlich, sie entspricht aber kaum dem Ernst der Entscheidung, um die es geht, und der Situation, in der sich Angehörige in einer solchen Lage befinden. Aus diesem Grunde ist eher eine Form von Zustimmungslösung zu unterstützen; am besten ist es, wenn die Zustimmung vom einzelnen vorher selbst in aller Freiheit ergangen ist. Hier bedarf es noch weiterer Klärungen.
Organspende und Christentum (Aus: Projektgruppe Organtransplantation und Technikbewertung)
Das Wissen um den eigenen Tod stellt den Menschen vor die Frage, wie er sein Leben angesichts des sicheren Todes versteht, welchen Sinn er seinem Leben und Sterben gibt. Für den christlichen Glauben ist der Tod Ende der Pilgerschaft und Durchgang zum ewigen Leben. Leibliche Auferstehung bedeutet neue, durch den Geist Gottes verwandelte und verklärte Leiblichkeit. Sie ist nicht als Fortsetzung unseres irdischen Leibes vorzustellen.
So tief auch die Verwandlung reichen mag, es handelt sich nicht um einen totalen Bruch zwischen irdischen Leben und himmlischer Vollendung in der Auferstehung der Toten, sondern um eine Verwandlung unseres jetzigen Lebens und um eine wesenhafte (nicht stoffliche) Identität auch des Leibes.
Vom christlichen Verständnis des Todes und vom Glauben an die Auferstehung kann so auch die Organspende von Toten gewürdigt werden. Nicht an der Unversehrtheit des Leichnams hängt die Erwartung der Auferstehung der Toten und des ewigen Lebens, sondern der Glaube vertraut darauf, daß Gott aus dem Tod zum Leben auferweckt.
Die respektvolle Achtung vor Gottes Schöpferwirken gebietet freilich, daß der Leichnam des Toten mit Pietät behandelt und würdig bestattet wird...
Auch zur Organtransplantation gibt es ein klares Ja als Zeichen der Nächstenliebe und der Solidarisierung mit Kranken und Behinderten. ....
Was meint Ihr denn dazu ? Habt Ihr einen Organspendeausweis oder werdet Ihr einen beschaffen ?
Geschrieben am: 23. Nov 2001, 23:22 von: Reve
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